Architektenkammer NRW: Neues Bauen in Tel Aviv Mit dem Bauhaus-Jubiläum rückt wieder die einprägsame wie originelle Variante sogenannter Bauhaus-Architektur in Tel Aviv in den Fokus. Zwischen 1930 bis 1950 entstanden in der „Weißen Stadt am Meer“ über 4000 moderne, von über 200 Architekten aus aller Welt geplante Gebäude im Stil des „Neuen Bauens“. Überwiegend erhielten die Baumeister ihre Ausbildung in Westeuropa, einige studierten sogar am Bauhaus. Inspirieren ließen sie sich von der Formensprache Le Corbusiers, Ludwig Mies van der Rohes, Walter Gropius’ oder Erich Mendelsohns. 2003 wurde das Ensemble in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen. Eine Auswahl von rund 30 Projekten stellt derzeit die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf unter dem Titel „Irmel Kamp: Tel Aviv – Neues Bauen“ vor.
Die heute in Aachen und in der Schweiz lebende Düsseldorfer Fotografin Irmel Kamp, Ehegattin des Künstlers Joachim Bandau, fotografierte aus Begeisterung direkt nach ihrem ersten Israel-Aufenthalt 1987 die Architektur in Tel Aviv. Erneut erfasste sie 2018 die gut 30 Jahre zuvor aufgesuchten Objekte mit der Kamera. In einer Gegenüberstellung werden so Alterung, Weiterentwicklung der Umgebung, Aufstockungen oder Verluste präsentiert. Der Besucher taucht in ein weltweit einzigartiges Ensemble aus kubischen, weiß verputzten, flach gedeckten Wohnhäusern mit rund schwingenden Ecken, Balkonen und vertikalen Lichtleisten ein.
Bei genauer Betrachtung basiert diese Version des „Neuen Bauens“ auf der Vermischung verschiedener Quellen, Kulturen und Bautraditionen, vor allem der des Mittleren Ostens, des Mittelmeerraumes und Mitteleuropas. Die Architektursprache musste an die spezifischen klimatischen Bedingungen in Israel angepasst werden. Um das Eindringen von Hitze zu vermeiden, fehlen etwa große gläserne Fensterflächen. Außerdem sind deutlich mehr Balkone mit Mauerwerksbrüstungen sowie auskragende Betonvordächer und -gesimse zu beobachten. Darüber hinaus fallen neben den dynamisch gerundeten Kanten oder Balkone die akribisch proportionierten Fassaden mit einem Gleichgewicht aus Horizontalen und Vertikalen auf. Sie unterstreichen die minimalistische Schönheit der Häuser, die Irmel Kamp ebenso eingefangen hat wie das kraftvolle Spiel von Licht und Schatten. Viele Bauten leiden noch unter akuten Sanierungsbedarf. Auch auf diesem Feld leistet die Bundesrepublik maßgebliche Unterstützung in der Form bautechnologischer wie restauratorischer Beratung.
Die Ausstellung „Irmel Kamp: Tel Aviv – Neues Bauen“ ist noch bis zum 3. Mai in der Architektenkammer Düsseldorf zu besichtigen. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung ist eine kostenlose Broschüre erschienen.
Architektenkammer NRW – Haus der Architekten
Zollhof 1
D-40221 Düsseldorf
Telefon: +49 (0)211 – 49 670
Telefax: +49 (0)211 – 49 67 99 |