Bauhausdesign und seine Nachfolger auf der Leuchtenburg  |  | Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Teegedeck Hallische Form, 1940 | |
Zur Feier des 100jährigen Jubiläums des Bauhauses präsentieren die Porzellanwelten Leuchtenburg die Schau „Die neue Formenwelt – Design des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung Högermann“. Der Großteil der der etwa 220 Exponate stammt aus der der mehr als 20.000 Objekte umfassenden Sammlung des Berliner Designhistorikers und Kurators Dieter Högermann. Die Ausstellung führt die Besucher in Dekadenschritten von den Pionieren der Moderne in den 1930/40er Jahren zur „Guten Form“ der 1950/60er Jahre bis in die 1970/80er Jahre mit ihren neuen Entwicklungen und stellt dazu Arbeiten von Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Gerhard Marcks, Walter Gropius, Raymond Loewy, Margarete Jahny, Horst Michel oder Wolf Karnagel vor. Die Künstler nach der Bauhaus-Ära einte die Prägung an den Ideen der berühmten Schule, die sie in eigene, an den jeweiligen gesellschaftlichen und technischen Anforderungen ihrer Zeit orientierte Formen entfalteten. „Damit schufen sie“, so Kurator Gunnar Jakobson, „moderne, ästhetisch ansprechende und zugleich funktionale Produkte. Noch heute prägen ihre Entwürfe und Serien den Erfolg führender Porzellanhersteller in Deutschland, darunter Arzberg, Fürstenberg, KPM Berlin, Rosenthal und Kahla/Thüringen Porzellan.“
„Quadratisch, praktisch, gut“ könnte das Motto von Wilhelm Wagenfeld gewesen sein, als er sein „Kubus Geschirr“ 1938 für die Lausitzer Glaswerke entwarf. Die stapelbaren und unterschiedlich großen Würfel verbinden schlichtes Design mit Effizienz und Funktionalität. Zurückhaltend mit einzig einem schlanken grünen Farbstreifen am Rand ist Trude Petris „Tafelservice Urbino“ von 1938 für KPM Berlin. Gerade diese Zurückhaltung in einfacher Form und Dekoration verlieht diesen Arbeiten eine Zeitlosigkeit, die auch in Petris blauer „Kugelvase“ von 1936 wie auch im dramatisch schwarzen Porzellan der Kanne „Tea for Two“ von Tapio Wirkkala zu finden ist. Beinahe puristisch wirkt der Schalensatz „QI“ von Kap-Sun Hwang. 2003 für Fürstenberg gestaltet, glänzt das weiße Porzellan im Kontrast zum sanften Puderblau der Schaleninnseiten. Mutiger und gut der Ästhetik der 1950er Jahren zuzuordnen ist das unregelmäßig gestreifte Saftservice „Krokus“, das Hubert Griemert 1953 für KPM umsetzte.
Dieter Högermann, 1934 geboren und 2012 verstorben, arbeitete lange für das Berliner Bröhan-Museum und war unter anderem Sachverständiger beim Münchner Auktionshaus Quittenbaum. Seine Sammlung baute er mit einem Schwerpunkt auf das Industriedesign der Nachkriegszeit auf. Sie kam als Schenkung an das Museum der Leuchtenburg. Ulrike Kaiser, Direktorin der Stiftung Leuchtenburg, sagte: „Das Auspacken und die wissenschaftliche Bestimmung der Designschätze Högermanns, die in nicht weniger als 1100 Bananenkisten auf der Leuchtenburg angeliefert wurden, war ein Mammut-Projekt. Doch die Mühe hat sich mehr als gelohnt. All unsere Erwartungen wurden übertroffen. Wir freuen uns jetzt, den BesucherInnen in der Sonderausstellung absolute Spitzenstücke des Deutschen Porzellandesigns zu präsentieren.“
Die Ausstellung „Die neue Formenwelt. Design des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung Högermann“ läuft bis zum 31. Oktober. Die Leuchtenburg ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 13,50 Euro, ermäßigt zwischen 8,50 Euro und 13 Euro. Der begleitende Katalog kostet im Museum 15 Euro.
Porzellanwelten Leuchtenburg
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