Berlin restituiert Zeichnung von Jakob Philipp Hackert  |  | Jakob Philipp Hackert, Auf Hiddensee, 1764 | |
Gestern hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) eine Tuschpinselzeichnung Jakob Philipp Hackerts den Nachfahren von Friedrich Guttsmann zurückgegeben. Der jüdische Kaufmann musste 1939 die Küstenszene „Auf Hiddensee“ in einer Notlage verkaufen. Das fanden die Provenienzforscher des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin heraus. Im Rahmen des Provenienzforschungsprojektes zur „Sammlung der Zeichnungen“ am Kupferstichkabinett wurden in den vergangenen drei Jahren rund 1200 Werke überprüft. Fünf weitere Blätter konnten seitdem an die Erben jüdischer Vorbesitzer restituiert werden, bei einigen anderen hat die SPK bereits Kontakt zu Berechtigten aufgenommen.
Der 1888 in Breslau geborene Friedrich Emil Guttsmann war von 1919 bis 1927 Mitinhaber und Direktor des „Metallhüttenwerks Kurt Guttsmann AG“ in Berlin, anschließend Inhaber der „Berliner Kranzbandfabrik GmbH“. Nachdem diese 1932 von einer Krefelder Seidenweberei übernommen wurde, arbeitete er bis zu seiner Kündigung 1936 als deren Generalvertreter. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung verlor er sowohl seine Arbeit als auch seine langjährige Wohnung. Die finanzielle Notlage, in die er dadurch mit seiner Frau und den zwei Söhnen geriet, zwang ihn dazu, seine Wertsachen und große Teile seiner Wohnungseinrichtung zu verkaufen, darunter auch die Hackert-Zeichnung von 1764. Im Mai 1939 bot Guttsmann der Nationalgalerie die Zeichnung für 120 Reichsmark zum Kauf an. Direktor Paul Ortwin Rave handelte noch eine Preissenkung aus, da die Zeichnung in recht zerknittertem Zustand sei, und bezahlte schließlich 100 Reichsmark dafür. |