Drei neue Objekte für das Van Gogh Museum  |  | Gustave Caillebotte, Teller mit Pfirsichen, um 1882 | |
Das Van Gogh Museum in Amsterdam kann sich über drei Neuzugänge für die Sammlung freuen: Ein Brief von Vincent van Gogh an den Kunstkritiker Albert Aurier aus dem Jahr 1890, ein impressionistisches Stillleben von Gustave Caillebotte und eine Landschaft mit Haus von Gabriele Münter. Damit kommt erstmals ein Werk der deutschen Expressionistin in die Sammlung eines niederländischen Museums. Die Gemälde konnten dank der finanziellen Unterstützung der BankGiro Loterij für das Museum gesichert werden und sind seit Mittwoch ausgestellt. Gemeinsam mit 13 weiteren Neuerwerbungen, die der Museumsdirektor Axel Rüger in seiner 13jährigen Amtszeit für das Haus sichern konnte, sind sie in einer kleinen Sonderpräsentation bis zum 3. Juni zu sehen.
In dem Brief vom 9. oder 10. Februar 1890, eine Schenkung des Ehepaars Cheung Chung Kiu, dankte Vincent van Gogh dem Poeten und Schriftsteller Albert Aurier (1865-1892), da letzterer kurz vorher eine positive Kritik zum Werk des Malers in einer literarischen Zeitschrift veröffentlicht hatte. Aurier bewunderte seine Gemälde, die er 1889 im Pariser Salon des Indépendants und im Folgejahr bei der Ausstellung Les XX in Brüssel gesehen hatte. „Ich entdecke meine Leinwände in Ihrem Artikel aufs Neue, aber besser als sie wirklich sind – reicher und aussagekräftiger“, so Vincent van Gogh, der zu dieser Zeit in der Psychiatrie in Saint-Rémy weilte. Das Schreiben verdeutlicht, wie schwierig es ihm fiel, Komplimente aufgrund der eigenen Unsicherheiten anzunehmen. Der Maler versprach, Aurier als Dank die Studie von Zypressen zuzusenden, die der Kritiker als „alptraumhafte flammenartige schwarze Silhouetten“ beschrieben hatte.
Gustave Caillebotte schuf um 1882 den „Teller mit Pfirsichen“. Als Vertreter des Impressionismus war er eine Inspirationsquelle für Vincent van Gogh. Sein klassisches Stillleben auf einem weißen Tischtuch besticht mit der feinen Farbpalette in kalten Blau- und Weißnuancen, den warmen Rot- und Orangetönen der Früchte sowie den deutlich erkennbaren kurzen Pinselzügen, die die Oberfläche beleben. Anders als die für Caillebotte üblichen Schilderungen des Stadtlebens sind seine Stillleben der 1880er Jahre weniger bekannt. Laut Mitteilung des Museums charakterisiert eine moderne Entwicklung in dem radikalen Zuschnitt und der verschobenen Perspektive diese Werkgruppe. Dieses erste Gemälde seiner Art für die Museumssammlung spannt eine Brücke zwischen den traditionellen wirklichkeitsnahen Stillleben zu den Schöpfungen van Goghs.
1909 malte Gabriele Münter ihr charakteristisches „Haus in der Wintersonne“. Das Bild entstand zum Wendepunkt in der Karriere der Malerin hin zum Expressionismus. Laut Mitteilung gelte das Jahr 1908 als der Zeitpunkt, an dem Münter, Alexej von Jawlensky und Wassily Kandinsky sich mit dem Farbgebrauch Vincent van Goghs vertraut machten. Münter schreibt über ihre Beziehung zum Niederländer: „Hätte ich ein formales Vorbild… so wäre dies Van Gogh“. Bekannt ist, dass Jawlensky und Kandinsky 1908 in München eine Ausstellung mit Gemälden van Goghs besuchten. Vermutlich wurden sie dabei von Münter begleitet. Ihre Landschaft ist damit als Beispiel für den Einfluss Vincent van Goghs auf die deutschen Expressionisten. |