|
 | 
 |
Marktberichte |
|
|
Rembrandt und Kirchner an der Spitze der Grafiksuite bei Winterberg in Heidelberg  Grüne Hommage an Picasso

|
 |  | Rembrandt, Rembrandt, Die Windmühle, 1641 | |
Vor allem mit grafischen Arbeiten bestreitet Thilo Winterberg seine kommende Versteigerung. Ein Höhepunkt im Heidelberger Auktionshaus ist eines der wenigen Landschaftsblätter Rembrandts. Seine feine Radierung „Die Windmühle“ von 1641 mit viel weißer Fläche für den Himmel soll 38.000 Euro einspielen. Andere Werke Rembrandts, wie der etwa gleichaltrige „Triumph des Mardochäus“ oder das „Selbstbildnis mit federgeschmücktem Barett“ von 1638, liegen mit 9.800 Euro und 3.600 Euro deutlich darunter. In diese Preiskategorie reiht sich noch Anthonis van Dycks ernstes Bildnis des flämischen Malers und Kupferstechers „Jan de Wael“ mit 9.500 Euro ein, das nur im Gesicht und bei der Halskrause akkurat ausgearbeitet ist und sich zum Unterleib hin immer weiter auflöst.
Giovanni Battista Piranesi schickt beim 18. Jahrhundert die meisten Positionen mit seinen römischen Ansichten in die Auktion, darunter die „Veduta del Sepolcro di Cajo Cestio“ von 1755, die „Veduta del Tempio Antonino e Faustina in Campo Vaccino“ von 1758 (Taxe je 1.500 EUR) oder „Veduta della Basilica di S. Maria Maggiore con le due Fabbriche laterali di detta Basilica“ von 1749 (Taxe 2.650 EUR). An der Spitze seiner sechzehnteiligen Folge steht die beliebte „Veduta dell’Anfiteatro Flavio. Detto il Colosseo“ von 1757 für 5.400 Euro. Dann wird es zeichnerisch, unter anderem mit Peter Anton von Verschaffelts Skulpturenentwurf für den sitzenden Gott Vulkan nebst Putto und Feuerstelle (Taxe 3.800 EUR), mit seiner alttestamentlichen Szene „Die Auffindung des kleinen Moses“ (Taxe 2.500 EUR) oder Franz Kobells dicht ausgearbeiteter Flusslandschaft im Vorgebirge von 1814 (Taxe 1.680 EUR).
Auch bei den Neueren Meistern bestimmt die Zeichnung einen guten Teil des Angebots. Konvolute mit unterschiedlich stark durchgeführten und teils aquarellierten Landschaftsstudien gibt es etwa von Heinrich Funk, Carl Maria Nicolaus Hummel und Albert Emil Kirchner. Die einzelnen Blätter rangieren zwischen 300 Euro und 4.500 Euro. Mehr mit erzählerischen Elementen hat Caspar Scheuren seine Blätter ausgestattet. Da setzen etwa Mönche um 1842 in einem Boot über einen romantischen Gebirgssee (Taxe 1.800 EUR), oder eine schöne Fischerin angelt mit ihrem Netz unter dichtem Laubwerk (Taxe 450 EUR). Anrührend sind Ludwig Knaus’ weißgehöhte Kohlezeichnung mit dem Bildnis einer einfachen Bäuerin (Taxe 580 EUR) und der angelnde Knabe von Johann Jakob Dorner d.J. aus dem Jahr 1851 (Taxe 300 EUR). In einer Bleistiftzeichnung von 1832 versucht Michael Neher, das Seitenschiff des Regensburger Doms mit dem Pfarrhaus getreu zu erfassen (Taxe 1.800 EUR).
Als Nazarener gehören für Wilhelm von Schadow religiöse Motive zum festen Bestandteil seines Schaffens. So fertigte er in den frühen 1840er Jahren wohl für die Ausmalung einer Kirche den sorgfältigen Entwurf mit der Versuchung Jesu in der Wüste. Die weiß gehöhte Bleistiftzeichnung mit Rundbogenabschluss und architektonischer Rahmung will 2.200 Euro sehen. Der Italiensehnsucht des 19. Jahrhunderts huldigen Carl Ludwig Rundt mit seinem 1857 aquarellierten Blick auf die Porta della Carta des Dogenpalasts in Venedig (Taxe 450 EUR) und Carl Wagner mit seinen Häusern am Strand auf Capri von 1832 in gleicher Technik (Taxe 1.250 EUR). In Öl führten Max Wilhelm Roman 1878 seine italienische Gebirgslandschaft mit einem Eselsreiter bei einem Kloster (Taxe 3.200 EUR) und Friedrich Nerly die romanische Apsis der Kirche Santi Maria e Donato auf Murano aus (Taxe 8.500 EUR). Friedrich Kallmorgen ließ um 1915/20 seinen Blick über weite spätsommerliche Felder bei Grötzingen schweifen (Taxe 4.800 EUR), der Schwarzwaldmaler Wilhelm Gustav Hasemann fokussierte den seinen 1911 auf eine Familie in der Dorfgasse von Gutach (Taxe 6.800 EUR).
Über die kleine Abteilung „Jugendstil und Art Déco“, die unter anderem Otto Schöns nächtliche Ansicht von Schloss Rabenstein im Flämig als Farblithografie von 1915 in jugendstiliger Flächigkeit für günstige 90 Euro bereithält, geht es ins 20. Jahrhundert. Hier dominiert die Druckgrafik, etwa mit Wassily Kandinskys freudiger Abstraktion auf dem Blatt V der „Kleinen Welten“ von 1922 (Taxe 28.000 EUR) oder Ernst Ludwig Kirchners schwarzer Lithografie „Tanz in der Alp“ auf gelbem Papier von 1920, die auch „Tanz der Bauern im Haus in den Lärchen“ heißt, für hohe 52.000 Euro. Im deutschen Expressionismus bleibt es mit den vier Grafiken Otto Muellers, darunter dem seltenen „Dorfbach mit badenden Kindern“ von 1925/28 (Taxe 5.800 EUR) und dem wohl nur fünfmal abgezogenem Blatt „Zwei Jünglinge und drei Mädchen (Fünf Akte)“ um 1910 (Taxe 38.000 EUR), mit der aus den Fugen geratenen „Strasse in Soest“, einem Linolschnitt Christian Rohlfs’ von 1911 (Taxe 4.000 EUR), oder dem ebenfalls schwarz-weißen Holzschnitt der beiden „Trauernden am Strand“ von Karl Schmidt-Rottluff aus dem Jahr 1914 (Taxe 12.500 EUR). Emil Noldes Farblithografie „Die heiligen drei Könige von 1913, in der dritten Fassung gedruckt in 300 Exemplaren für die Mitglieder des Kölner Sonderbunds, ist für 9.500 Euro zu haben.
Wenn man nicht auf die bekannten Namen setzt, geht es auch günstiger. Für 220 Euro listet der Katalog Heinrich Maria Davringhausens eindrückliche Lithografie „Armer Robinson“ mit Hund auf einsamer Insel von 1919, für 480 Euro Emil Maetzels aquarellierten Linolschnitt mit zwei lustigen Maskierten unter dem Titel „Götzenpauke“ von 1920 und für 450 Euro Carlo Menses Kaltnadelradierung einer träumerischen „Andacht“ von 1919. Lasar Segalls fast körperlose Gesichter „Irrender Frauen II“ auf einem Holzschnitt von 1920 schlagen mit 450 Euro zu Buche, die drei teils farbigen Holzschnitte „Kuppelei“, „Mord“ und „Frühlingsgefühle“ von Otto Nückel um 1919/20 gar nur mit 180 Euro. Während Bernhard Kretzschmars sozialkritische Sicht auf die 1920er Jahre in seiner Radierung „Im Fleischerladen“ 750 Euro einfordert, liegen seine Radierung „Auktion“ mit 1.980 Euro und das nur in 30 Exemplaren gedruckte „Sommerfest“ aus der Folge „Sechs Radierungen“ von 1921 mit 2.200 Euro schon im vierstelligen Bereich.
Ein posthumer Abzug von Paula Modersohn-Beckers um 1900 erstellter Aquatintaradierung „Sitzende Alte“ kostet 950 Euro. Mit einem sicheren Gespür für den Menschen hat auch Elfriede Lohse-Wächtler um 1930 ihren stehenden Arbeiter mit Bleistift gezeichnet (Taxe 2.500 EUR), ebenso Wilhelm Morgner 1909 mit Tusche seinen niedergeschlagenen „Handelsmann“ (Taxe 2.400 EUR) und Georg Tappert seine Studie eines Männer- und Frauenkopfes auf einem Bogen Papier (Taxe 800 EUR). Zeichnungen stellen zudem Ludwig von Hofmann mit seinen beiden arkadisch symbolistischen Blättern „Leda am Schwanenweier“ um 1896 (Taxe 980 EUR) und „Zwei Knaben und ein Pferd auf einem Waldweg“ (Taxe 420 EUR) oder Max Ackermann mit seiner Art Déco-Schönheit vor einem Café von 1920 zur Verfügung (Taxe 1.980 EUR).
Heimo Schöllkopf hat die sparsamen Bleistiftstriche, mit denen er seinen liegenden Halbakt auf einer Terrasse in südlicher Landschaft entwickelt hat, 1925 kraftvoll mit Aquarell und Deckfarben überarbeitet (Taxe 450 EUR). Auch Bill Nagels Szene „Im Caféhaus“ um 1925/26 strebt mit ihrer Aquarellierung dem Malerischen zu (Taxe 480 EUR). Hier sind etwa Harmen Hermanus Meurs’ Kollegenportrait „Der Maler Kazimierz Zieleniewski vor der Staffelei“ im sommerlichen Garten von 1924 (Taxe 4.200 EUR), Josef Mangolds neusachliche und stille „Weite baumbestandene Landschaft“ (Taxe 2.200 EUR) oder Walter Jacobs verschwommene expressionistische Glasmalerei „Menschen auf der Straße“ um 1920 angesiedelt (Taxe 1.950 EUR). In die Ungegenständlichkeit tendiert Adolf Riedlins farbkräftige Landschaft mit Figuren von 1920 (Taxe 2.400 EUR), ebenso die fast Farbsymphonie „Großes Weizenfeld“ von Hans Brasch aus dem Jahr 1927 (Taxe 2.800 EUR).
Künstler aus dem Ausland sind deutlich in der Unterzahl und kommen vorwiegend aus dem französischen und anglo-amerikanischen Bereich. Sam Francis steuert zwei abstrakte Farbspritzereien auf den Lithografien „People’s Jade“ von 1971 (Taxe 5.400 EUR) und „Coral Marine“ von 1973 bei (Taxe 6.200 EUR). Pop Art-Liebhaber werden mit Alex Katz’ doppeltem Gesichtsausschnitt auf dem Pigmentdruck „Sasha 2“ von 2016 (Taxe 5.800 EUR), mit Andy Warhols Farbserigrafie von „Mildred Scheel“ aus dem Jahr 1980 (Taxe 3.800 EUR) und mit dem „Stage Set“ von Allen Jones belohnt. Der Brite hat die vier Blätter 1982 so konzipiert, dass sie einzeln oder in unterschiedlichen Kombinationen präsentiert werden können (Taxe 1.950 EUR). Frankreich kommt mit der charakteristischen linienbetonten Radierung „Odalisque couchée“ von Henri Matisse aus dem Jahr 1923 oder mit Marc Chagalls später Farblithografie „Les Fleurs rouges“ von 1975 samt Liebespaar zum Zug (Taxe 23.500 EUR). Eine Hommage an Pablo Picasso, der selbst mit einigen Grafiken, Ausstellungsplakaten und Buchillustrationen für bis zu 3.600 Euro vertreten ist, schuf Ottmar Hörl 2002 mit dem Kopf des großen Meisters als grünes Kunststoffmultiple (Taxe 1.650 EUR).
Die Auktion beginnt am 18. Mai um 11 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.winterberg-kunst.de abrufbar. |  | Kontakt: Winterberg Kunst Hildastraße 12 DE-69115 Heidelberg |
 | Telefon:+49 (6221) 915 990 | Telefax:+49 (6221) 915 99 29 |  |  | E-Mail: info@winterberg-kunst.de |  | Startseite: www.winterberg-kunst.de |
17.05.2019 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |  |
 |
|
 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 15 | Seiten: 1 • 2
 Events (1) • Adressen (1) • Kunstwerke (13) |  | •  | Veranstaltung vom: 18.05.2019, Auktion
98 |  | •  | Bei: Winterberg Kunst
|  | •  | Kunstwerk:  Anthonis van Dyck, Jan de Wael |  |  | •  | Kunstwerk:  Wassily Kandinsky, Kleine Welten V, 1922 |  | •  | Kunstwerk:  Ernst Ludwig Kirchner, Tanz in
der Alp (Tanz der Bauern im Haus in den Lärchen), 1920 |  | •  | Kunstwerk:  Rembrandt, Die Windmühle, 1641 |  |  | •  | Kunstwerk:  Franz Kobell, Flusslandschaft im Vorgebirge, 1814 |  | •  | Kunstwerk:  Giovanni Battista
Piranesi, Veduta del Sepolcro di Cajo Cestio, 1755 |  | •  | Kunstwerk:  Peter Anton von Verschaffelt, Sitzender Vulcanus |  |  |
| | 

 |  |  |  |  | 
 Ernst Ludwig
Kirchner, Tanz in der
Alp (Tanz der Bauern
im Haus in den
Lärchen), 1920 |  | Taxe: 52.000,- EURO Losnummer: 595 |  |  |  |  |  | 
 Friedrich Nerly, Die
Kirche Santi Maria e
Donato auf der Insel
Murano, 1838 |  | Taxe: 8.500,- EURO Losnummer: 200 |  |  |  |  |  | 
 Peter Anton von
Verschaffelt,
Sitzender Vulcanus |  | Taxe: 3.800,- EURO Losnummer: 114 |  |  |  |  |  | 
 Anthonis van Dyck,
Jan de Wael |  | Taxe: 9.500,- EURO Losnummer: 42 |  |  |  |  |  | 
 Max Wilhelm Roman,
Italienische
Gebirgslandschaft
mit Eselsreiter bei
einem Kloster, 1878 |  | Taxe: 3.200,- EURO Losnummer: 223 |  |  |  |  |  | 
 Wassily Kandinsky,
Kleine Welten V, 1922 |  | Taxe: 28.000,- EURO Losnummer: 588 |  |  |  |  |  | 
 Albert Emil
Kirchner, Bei
Menterschwaige,
1847 |  | Taxe: 780,- EURO Losnummer: 160 |  |  |  |  |  | 
 Carl Wagner, Häuser
auf Capri, 1832 |  | Taxe: 1.250,- EURO Losnummer: 269 |  |  |  |  |  | 
 Giovanni Battista
Piranesi, Veduta del
Sepolcro di Cajo
Cestio, 1755 |  | Taxe: 1.500,- EURO Losnummer: 96 |  |  |  |  |  | 
 Wilhelm Gustav
Hasemann, In der
Dorfgasse in Gutach,
1911 |  | Taxe: 6.800,- EURO Losnummer: 147 |  |  |  |  |  | 
 Wilhelm von Kobell,
Franz Kobell,
Flusslandschaft im
Vorgebirge, 1814 |  | Taxe: 1.680,- EURO Losnummer: 81 |  |  |  |  |  | 
 Ludwig Knaus,
Bildnis einer
Bäuerin |  | Taxe: 580,- EURO Losnummer: 175 |  |  |
|

 |
 |