Rebellische Design-Pracht in Herford  |  | Michele de Lucchi, Tischleuchte „Sinerpica“, 1980 | |
Seit dem Wochenende widmet sich das Museum Marta in Herford unter dem Titel „Rebellische Pracht – Design-Punk statt Bauhaus“ zentralen Bewegungen der postmodernen Designgeschichte der 1970er und 1980er Jahre. Rund 300 Objekte haben die Kuratoren Franziska Brückmann, Friederike Fast, Ann Kristin Kreisel und Eva Wolpers aus zahlreichen internationalen Sammlungen zusammengetragen, die den Besuchern in fünf Kapiteln die verschiedenen Entwicklungsstufen jener Zeit veranschaulichen. Was sich in Italien mit dem Radical Design beziehungsweise dem Anti-Design bereits in den 1960er Jahren andeutete, setzte sich in den beiden nachfolgenden Jahrzehnten mit Gruppen wie Memphis oder Alchimia und schließlich auch mit dem Neuen Deutschen Design fort. Als Gegenentwurf zu den strengen Gestaltungsansätzen des Bauhauses wurde innerhalb dieser Bewegungen der Wunsch nach einer humaneren Gestaltung laut, die ein nachhaltiges Umdenken in Formgebung und Produktion forderte.
Innerhalb des Kapitels „Banalität + Spiel“ wird beispielsweise die Umwidmung alltäglicher und meist traditioneller Alltagsgegenstände in bunte, teils provokant-verspielte Objekte thematisiert, die der Monotonie des Internationalen Stils bewusst etwas entgegensetzen wollten. Comics und Science-Fiction-Romane dienten als Inspirationsquellen für die Gestalter, die den Gegenständen plötzlich lebendige Züge verliehen. Ein Abschnitt mit dem Titel „Zitat + Widerstand“ behandelt die Transformation von strengen Bauhaus-Klassikern in sogenannten „Redesigns“. Das Design- und Architekturstudio Alchimia etwa präsentierte zu Beginn der 1980er Jahre Kollektionen unter dem Titel „Bau. Haus“, die die Bauhaus-Entwürfe mit Kunststofflaminaten oder expressiver Formgebung ironisch erweiterten. Ebenso bediente sich Michele de Lucchi für die Tischleuchte „Sinerpica“ von 1980 bei den funktionalen Vorgängerformen, wies aber mit seiner stark erweiterten Farbpalette deutlich darüber hinaus.
In großem Umfang werden in Herford erstmalig Möbel, Leuchten und weitere Objekte legendärer Designer wie Ettore Sottsass und Matteo Thun aus der Sammlung Anthologie Quartett präsentiert. Begründet von Michael von Jakubowski und Rainer Krause befindet sie sich heute im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – Archiv der Avantgarden. Daneben sind weitere bedeutende Gestalter wie Robert Venturi, Philippe Starck, Otto Künzli, Johannes Oppermann, Nanda Vigo oder Nathalie du Pasquier mit ihren wegweisenden Arbeiten vertreten.
Die Ausstellung „Rebellische Pracht – Design-Punk statt Bauhaus“ läuft bis zum 1. September. Das Marta Herford hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie jeden ersten Mittwoch im Monat bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4,50 Euro und für Familien 17 Euro. Ausstellungsbegleitend erscheint ein kostenloser Plakatflyer mit einführenden Texten in Deutsch und Englisch.
Marta Herford
Goebenstraße 2-10
D-32052 Herford
Telefon: +49 (0)5221 – 99 44 300
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