„Comeback“ der Alten Meister in Tübingen „Comeback. Kunsthistorische Renaissancen“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung der Kunsthalle Tübingen. In über 100 Arbeiten beschäftigen sich rund 30 junge Künstlerinnen und Künstler mit Motiven, Werken und Techniken alter Meister von der Antike bis ins 19. Jahrhundert und deren Transformation in die Gegenwart durch traditionelle und neue Medien. Künstler wie Slawomir Elsner, Philip Akkerman, Glenn Brown, Wim Delvoye, Hans-Peter Feldmann, Christian Jankowski, Chantal Michel, Yasumasa Morimura, Ciprian Muresan, Antoine Roegiers, Cindy Sherman und Hiroshi Sugimoto setzen sich unter anderem in Fotografien, Ölgemälden, Zeichnungen, Digitaldrucken und Plastiken damit auseinander, bekannten Kunstwerken der Vergangenheit „einen Bypass für die Gegenwart zu geben", wie sich der ebenfalls dort vertretene Markus Schinwald ausdrückt.
Nicht selten geschieht dies mit einem deutlichen Augenzwinkern. Jean-Luc Moerman greift für seine Arbeit „Ohne Titel“ auf eine Reproduktion des Gemäldes „Lucretia“ von Lucas Cranach d.Ä. zurück und überarbeitet den Halbakt mit Tusche dergestalt, dass Lucretias gesamter Oberkörper flächendeckend mit einem Tattoo überzogen ist. Der amerikanische Maler Kehinde Wiley nimmt sich in einem Ölgemälde des Renaissance-Motivs der drei Grazien an. Statt üblicherweise drei unbekleidete Frauen zu zeigen, sind seine Hauptakteure drei afroamerikanische Männer in zeitgenössischer Kleidung vor einer bunt gemusterten Tapete. Als „Hipster in Stone XII“ mit Pilotenbrille, das Smartphone zum Selfie gezückt, zeigt Léo Caillard den Apoll von Belvedere, und José Manuel Ballester beraubt Sandro Botticellis „Primavera“ digital des gesamten Bildpersonals, so dass dem Betrachter nur noch der Blick in einen leeren Orangenhain bleibt.
Die Wiener Künstlerin Irene Andessner stellte mithilfe von Tübinger Bürgern in einem „lebenden Bild“ ein Genreinterieur des niederländischen Malers Jan Adam Kruseman nach. Die Projektion dieses „tableau vivants“, für das sich auch der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat verpflichten lassen, ist am Beginn der Ausstellung zu sehen. Abwechslungsreich reanimiert die Schau die Vergangenheit und transformiert sie in die Gegenwart. Der Betrachter kann die Werke genießen, auch ohne die jeweiligen Vorbilder zu kennen. Laut Kuratorin Nicole Fritz werden diese auf Wunsch der Künstler bewusst nicht gezeigt. Die Künstler betrachten die Ausgangswerke als „Impuls aus der Vergangenheit, den sie aufnehmen, um das eigene zu kreieren“.
Die Ausstellung „Comeback. Kunsthistorische Renaissancen“ ist bis zum 10. November zu sehen. Die Kunsthalle Tübingen hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Der Katalog mit Textbeiträgen von Nicole Fritz, Zita Hartel, Johannes Meinhardt und Klaus Speidel kostet 30 Euro.
Kunsthalle Tübingen
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