Gotthard Graubner in Neumarkt Das Museum Lothar Fischer in Neumarkt in der Oberpfalz widmet seit gestern dem Maler Gotthard Graubner eine Personale. Rund 40 Exponate gewähren einen chronologischen Überblick auf das Lebenswerk des 2013 verstorbenen Künstlers. Darunter befinden sich wandfüllende monochrome Farbraumkörper, wie etwa sein rot-grünes Diptychon aus den Jahren 1970/82 oder sein gesacktes Kissen „Ibiza“ von 1970. Erstmals sind auch Papierarbeiten des Düsseldorfer Hochschulprofessors aus der Sammlung Defet öffentlich ausgestellt, etwa eine in Blautönen lebhaft changierende Arbeit aus dem Zyklus „Sardische Aquarelle“ von 2001. Dazu treten sein Grafikzyklus „Simulacrum“, der verschiedene Partien des menschlichen Körpers abbildet, oder die überlappende Faltung „Schwall“ von 1972 wiederum aus der Sammlung Defet.
Gotthard Graubner setzte sich in seinem Werk mit der Farbe als Gegenstand der Malerei auseinander. Bereits in den früher 1960er Jahren wandte er sich von der zweidimensionalen Leinwand ab und erweiterte diese in den Raum, indem er synthetische Watte oder Schaumstoff auf den Keilrahmen spannte und viele Schichten Farbe auf den saugkräftigen Untergrund aufbrachte. Seine greifbar körperlichen Farbleiber, Kissenbilder und späteren Farbraumkörper eint das Ziel, der Farbe Autonomie zu verleihen. Seine Arbeiten auf Papier und Druckgrafiken nehmen durch Farbschichtungen, Experimenten mit Farbwerten, -stimmungen und -klängen, aber auch durch Komplementärkontraste eine imaginierte Räumlichkeit an. Später erzielte Graubner ähnliche Effekte durch die Verwendung handgeschöpften Büttenpapiers und den Auftrag reiner Farbpigmente. Die Grafiken und Aquarelle stammen aus der Privatsammlung des Nürnberger Fabrikanten Hansfried Defet, bei dem Graubner seine Pinsel und Bürsten kaufte.
Gotthard Graubner wurde am 13. Juni 1930 im vogtländischen Erlbach geboren. Von 1947 bis 1949 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, bevor er an die Dresdner Kunstakademie wechselte. Nach zweimaliger Exmatrikulation verließ er 1954 zusammen mit seiner späteren Frau Gitta die DDR und zog nach Düsseldorf. Dort studierte er bis zu seinem Abschluss 1959 an der Kunstakademie. Nach einer kurzen Zeit als Kunsterzieher an einem Düsseldorfer Gymnasium wirkte Graubner ab 1969 als Hochschulprofessor, zunächst in Hamburg, von 1976 bis 1996 an seiner Lehrstätte in Düsseldorf. Besondere Aufmerksamkeit erreichte er durch seine beiden Farbraumkörper „Begegnungen“, die er 1988 für das Schloss Bellevue im Auftrag von Richard von Weizsäcker schuf und seither häufig die Kulisse für staatstragende Ereignisse bilden. 1992 erhielt Graubner das Verdienstkreuz 1. Klasse, zehn Jahre später das Große Verdienstkreuz. Bis zu seinem Tod im Jahr 2013 lebte und arbeitete er in Düsseldorf und auf der Museumsinsel Hombroich in Neuss.
Die Ausstellung „Gotthard Graubner. Farbe Raum Klang“ ist bis zum 19. Januar 2020 zu sehen. Das Museum Lothar Fischer hat Mittwoch bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, am Wochenende von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 14 Jahre haben freien Eintritt.
Museum Lothar Fischer
Weiherstraße 7a
D-92318 Neumarkt in der Oberpfalz
Telefon: +49 (0)9181 – 51 03 48
Telefax: +49 (0)9181 – 51 13 92 |