Berlin zeigt das „Leben Raffaels“  |  | Johannes Riepenhausen, Vision Raffaels, 1833/35 | |
Zum 500. Todestag des Renaissance-Künstlers Raffael präsentiert das Berliner Kupferstichkabinett aktuell den zwölfteiligen Raffael-Zyklus von Johannes Riepenhausen. Der 1787 in Göttingen geborene Maler und Kupferstecher sprang mit dieser Serie auf den nach 1800 grassierenden Raffael-Boom auf und reproduzierte erstmals nicht einzelne Werke des Renaissance-Malers, sondern illustrierte dessen zentrale Lebensabschnitte. 1833 erschien die Serie zunächst in Rom ausschließlich mit italienischen Bildunterschriften. Zwei Jahre später publizierten die Verlegerbrüder Rocca in Berlin und Göttingen die deutsche Ausgabe mit Erläuterungen zum Leben Raffaels nach Giorgio Vasari, die das Kupferstichkabinett nun in der Gemäldegalerie präsentiert. Eine Reihe der von Riepenhausen gestochenen Szenen basiert nicht auf realen Begebenheiten. Die himmlische Vision, die Raffael etwa zur Ausführung der „Sixtinischen Madonna“ befähigt haben soll, dürfte auf Vasari zurückzuführen sein, der Raffael stets als einen nahezu „göttlichen“ Maler stilisierte.
1833 nutzte Johannes Riepenhausen ein etwas makaber anmutendes Ereignis zur Veröffentlichung seiner Serie. Raffael, der am Karfreitag 1520 verstorben war, soll auf eigenen Wunsch im römischen Pantheon begraben worden sein. In der Accademia di San Luca in Rom wurde im 19. Jahrhundert der vermeintliche Schädel des Künstlers verehrt, der sich jedoch als Fälschung entpuppte, woraufhin um 1830 unter Gelehrten und Künstlern eine Suche nach den sterblichen Überresten Raffaels ausbrach. Im Sommer 1833 wurde seine Grabstelle im Pantheon entdeckt. Die Aufregung um die anschließende Exhumierung nahm Riepenhausen zum Anlass, seine Bilderserie zu publizieren, die ihn in ganz Europa bekannt machen sollte.
Die Ausstellung „Das Leben Raffaels. Zwölf Radierungen von Johannes Riepenhausen“ ist bis zum 26. April zu sehen. Die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin hat dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro.
Gemäldegalerie – Staatliche Museen zu Berlin
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