Kunsthaus Zürich erinnert an Ottilia Giacometti  |  | Giovanni Giacometti, Pensierosa, 1913 | |
Vater Giovanni Giacometti und seine drei Söhne – der Maler und Bildhauer Alberto Giacometti, der Bildhauer und Designer Diego Giacometti sowie der erst vor acht Jahren 104jährig verstorbene Architekt Bruno Giacometti – sind in der internationalen Kunstwelt bekannt. Ihre Schwester Ottilia dagegen führte immer eine Art Schattendasein. 1904 geboren, wurde sie nicht künstlerisch tätig, wenngleich sie eine gute Schneiderin und geschickt am Webstuhl war. Hauptsächlich aber widmete sie sich als Hausfrau und werdende Mutter dem Glück ihres Mannes Francis Berthoud, eines Genfer Arztes, den sie 1933 heiratete. Doch mit gerade einmal 33 Jahren, im Oktober 1937, starb Ottilia an den Folgen der Geburt ihres ersten Sohnes Silvio in Genf. Das Kunsthaus Zürich nimmt diese am wenigsten bekannten Figur der berühmten Künstlerfamilie ab diesem Wochenende in den Blick und versammelt rund achtzig Gemälden, Plastiken und Zeichnungen von Giovanni und Alberto Giacometti, die die Tochter und Schwester zum Thema haben.
So sind einfühlsame Portraits Giovanni Giacomettis zu sehen, etwa das Gemälde „Die Mutter“, das seine Ehefrau Annetta mit Ottilia im Arm sowie Alberto und Diego zu ihren Füßen zeigt. Bildnisse aus den Jahren 1923/24 zeigen die Tochter als Erwachsene von strahlender Schönheit. Bruder Alberto stellte Ottilia mehrmals bei alltäglichen Beschäftigungen oder zusammen mit den anderen Familienmitgliedern dar. Ein Kopf Ottilias, dem sich Alberto gleich nach ihrem Tod bis zum März 1938 aus der Erinnerung und nach Fotografien verschrieb, war sein letzter Versuch, die Schwester zu verewigen. Zu sehen sind ferner bislang unveröffentlichte Filmdokumente aus Privatbesitz, die während der 1930er Jahre von Francis Berthoud angefertigt wurden. Zusätzlich zu dieser Ausstellung präsentiert das Kunsthaus Arbeiten von Künstlerinnen wie Sophie Taeuber-Arp, Hannah Höch und Meret Oppenheim, die zu Lebzeiten Ottilia Giacomettis entstanden sind.
Die Ausstellung „Ottilia Giacometti – Ein Porträt“ läuft vom 7. Februar bis zum 3. Mai. Das Kunsthaus Zürich hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs und donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr und am Ostermontag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16 Franken, ermäßigt 11 Franken. Der begleitende Katalog aus dem Verlag Scheidegger & Spiess ist im Museum für 25 Franken erhältlich.
Kunsthaus Zürich
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