|
 | 
 |
Marktberichte |
|
|
Wegen der Corona-Krise muss das Wiener Dorotheum derzeit auf eine Saalauktion verzichten. Die Zeichnungen, Druckgrafiken und Aquarelle bis 1900 sind daher zu einer reinen Online-Versteigerung mutiert  Italienerin mit Widder

|
 |  | Cesare Nebbia, Die Heiligen Johannes und Petrus heilen einen Lahmen | |
Wenn es um Gegenstände der Kunst geht, waren die Italiener vor einem halben Jahrtausend führend in der Entwicklung von Innovationen. Dazu gehört auch die Etablierung der Zeichnung als eines Mediums, das nicht mehr nur zur Vorbereitung gemalter oder skulpturaler Werke diente, sondern fortan einen künstlerischen Eigenwert beanspruchen konnte – mit Folgen auch für den Kunstmarkt: Sammler interessierten sich zunehmend für die kleinen Blätter. So lässt sich etwa Cesare Nebbias kontrastreiche Darstellung der Heiligen Johannes und Petrus, die im Beisein einer großen Anzahl weiterer Personen einen Krüppel in einer Tempelanlage heilen, bis zurück ins 17. Jahrhundert zur umfangreichen Sammlung des römischen Geistlichen Sebastiano Resta verfolgen. Später gehörte das Blatt einem englischen Lord, dann dem Antiquar Matthew Bloxam, der es dem Rugby School Art Museum übergab. Im Dezember 2018 ließ das Eliteinternat in der englischen Grafschaft Warwickshire große Teile seiner Sammlung bei Christie’s für insgesamt rund 15 Millionen Pfund versteigern, darunter auch Nebbias Zeichnung für netto 2.600 Pfund, die jetzt im Wiener Dorotheum für 4.000 bis 6.000 Euro erneut zum Aufruf kommt.
Am 3. April kämen die Zeichnungen, Druckgrafiken und Aquarelle im Dorotheum zum Aufruf – normalerweise. Wegen der Corona-Pandemie findet die Auktion aber nicht live vor Ort, sondern ausschließlich im Internet statt. Interessenten können jetzt schon aktiv werden, letzte Möglichkeit ist dann am Freitag nächster Woche. Manch einer hat auch schon Gebote abgegeben. So ist für Giovanni Battista Gaullis souverän hingestricheltem Ritter, der als heiliger Longinus gedeutet wird und eine Allegorie des Papsttums sein soll, bereits jetzt der Startpreis von 4.000 Euro erreicht. Bei anderen Blättern halten sich die Kunden noch zurück, etwa bei Bartholomeus Breenberghs rückseitig „Del lato Del fireo Maximo“ betitelter Ansicht einer ruinösen Burg von 1641 oder drei rot-schwarzen Kopfstudien eines älteren Mannes mit Kapuze, der auf Jacob Jordaens’ Gemälde „Das Bohnenfest“ wieder auftaucht und daher dem flämischen Barockmaler zugeschrieben wird (Taxen je 4.000 bis 6.000 EUR).
Rund drei Dutzend Zeichnungen kommen aus der Sammlung des Kunsthistorikers Giancarlo Sestieri, die Preise für Blätter unbekanntere italienischer Altmeister wie Giacinto Calandrucci, Luigi Garzi, Giuseppe Bottani, Sebastiano Conca, Pier Leone Ghezzi oder Ciro Ferri liegen aber nur im drei- oder unteren vierstelligen Euro-Bereich. So schlägt Francesco Mancinis zarter Christuskopf mit 1.200 bis 1.500 Euro, Carlo Marchionnis freche Karikatur eines Schriftstellers mit 2.500 bis 3.000 Euro zu Buche. Größere Aufmerksamkeit könnte Angelika Kauffmanns doppelseitige Studie der Heiligen Familie mit dem Johannesknaben – einmal in Öl und einmal in Feder – erregen, die mit 2.000 bis 3.000 Euro auffällig günstig bewertet ist. Weitere Altmeisterarbeiten anderer Provenienzen sind Georg Philipp Rugendas’ d.J. Reiterbildnis des ersten Preußenkönigs Friedrich I. mit mürrischer Mimik (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) und Giuseppe Bernardino Bisons Skizze einer lesenden jungen Frau auf einem Klapphocker für 4.500 bis 6.000 Euro. Vor knapp einem Jahr hatte es der Einlieferer mit dem Blatt bei Lempertz in Köln bei einem Schätzpreis von 8.000 bis 10.000 Euro versucht, allerdings vergeblich.
Die häufigsten Namen in der Abteilung Druckgrafik sind Rembrandt und Albrecht Dürer. Letzterer ist unter anderem mit der fantastischen Darstellung „Das Sonnenweib und der Siebenköpfige Drache“ aus der Holzschnittfolge der „Apokalypse“ von 1498 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) sowie „Christus am Ölberg“ aus der „Großen Holzschnittpassion“ von circa 1496/97 vertreten (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Von dem Niederländer gibt es die bewusst grob gezeichnete Radierung „Der Kartenspieler“ von 1641 in einem Abzug des seltenen ersten von fünf Zuständen für 7.000 bis 9.000 Euro und das Spätwerk „Petrus und Johannes an der Pforte des Tempels, einen Krüppel heilend“ von 1659 für 6.000 bis 8.000 Euro. Martin Schongauer steuert eine Kreuzigungsgruppe aus seiner um 1470/82 entstandenen Passions-Folge für 3.000 bis 4.000 Euro bei. An Meister der frühen Renaissance versuchen es zudem Daniel Hopfer mit einem dramatischen Kampf des heiligen Georg mit dem Drachen, Albrecht Altdorfer mit der biblischen Kindheitsszene „Maria sucht den zwölfjährigen Jesus im Tempel“ und Lucas Cranach d.Ä. mit einer eindrücklichen „Beweinung Christi“ vor weiter Landschaft (Taxe je 1.200 bis 1.600 EUR). Eine in Kupfer gestochene und handkolorierte Kopie des berühmten Mozart-Familienbildes von Louis Carmontelle soll 4.000 bis 6.000 Euro kosten.
Am Übergang zum 19. Jahrhundert steht Anne Louis Girodet-Triosons mythologische Gestalt der Ariadne in schwarzer Kreide, die der Klassizist nackt am Strand der Insel Naxos ruhen lässt (Taxe 3.400 bis 4.500 EUR). Aus dem langen Jahrhundert kommen im höheren Schätzpreisbereich vor allem gefällige Landschaften und Stadtansichten zum Aufruf. Zwei Aquarelle Balthasar Wigands mit Blick auf Schönbrunn samt Gloriette sowie Schloss Zichy im ungarischen Großwaschon liegen bei jeweils 4.000 bis 6.000 Euro. Je 1.000 Euro teurer sind eine „Pilgerin auf dem Jakobsweg“ mit einer Burg im Hintergrund und die stimmungsvolle Abkonterfaktur der Burgruine Gutenstein von Jakob Gauermann. Thomas Ender hat sein schroffes Bergbild der Ganzeralpe im Pinzgau mit Ziegen und einem Hirten angereichert (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Ins Hochgebirge geht es ebenfalls mit Gustav Jahns sonnenbeschienener Schneepracht aus dem Jahr 1015 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Johann Heinrich Bleuler d.J. lässt seinen Blick zur Sommerzeit über Lausanne und den Genfer See bis zum schneebedeckten Mont Blanc im Hintergrund schweifen (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR).
Unter den zahlreichen aquarellierten Wiener Veduten ragt Ernst Graners großformatig ausgeführter „Platz Am Hof“ zur Marktzeit mit zahlreichen Personen hervor (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Zum Beethoven-Jubiläum passt Heinrich Wertheims Ansicht des Beethoven-Hauses am Grinzinger Platzl von 1919 (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR). Drei Jahre später hat er die selbe Situation noch einmal aquarelliert, sie aber am unteren Rand um Noten aus der ersten Sinfonie und eine übermalte Reproduktion vom Konterfei des Komponisten ergänzt (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). International wird es mit Nikolaj Karazins Karawanserei vor verschneiter Bergkulisse in Turkestan aus dem Jahr 1895 für 4.000 bis 6.000 Euro. Sein deutsch-baltischer Kollege Karl Eduard Hefftler drapierte drei Wäscherinnen pittoresk vor eine südländische Hafenanlage, in der einige Segelschiffe ankern. Der österreichische Orientalist Alphons Leopold Mielich nimmt den Betrachter dann zu einer staubig heißen Marktszene wohl in Kairo mit (Taxe je 2.400 bis 3.000 EUR). Eine Ausnahme von diesen Genres bildet Alexander Koesters in Kohle gezeichnetes Entenbild für 4.000 bis 6.000 Euro, und für 6.000 bis 8.000 Euro kann man Bekanntschaft mit einer italienischen Hirtin und ihrem Widder schließen, gezeichnet und aquarelliert von Anton Romako.
Die Auktion „Meisterzeichnungen und Druckgraphik bis 1900, Aquarelle, Miniaturen“ findet als Versteigerung im Internet statt. Schlusstag ist der 3. April. Die Lose sind unter www.dorotheum.com abrufbar. |  | Kontakt: Dorotheum Dorotheergasse 17 AT-1010 Wien |
 | Telefon:+43 (01) 515 60 0 | Telefax:+43 (01) 515 60 443 |  |  | E-Mail: client.services@dorotheum.at |  | Startseite: www.dorotheum.com |
26.03.2020 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
 |
|
| | 

 |  |  |  |  | 
 Gustav Jahn, Im
Hochgebirge, 1915 |  | Taxe: 5.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 4.000,- EURO Losnummer: 338 |  |  |  |  |  | 
 Luigi Garzi, Entwurf
für eine
Deckendekoration |  | Taxe: 1.200 - 1.600 EURO Zuschlag: 1.200,- EURO Losnummer: 137 |  |  |  |  |  | 
 Francesco Mancini,
Christuskopf |  | Taxe: 1.200 - 1.500 EURO Zuschlag: 1.200,- EURO Losnummer: 155 |  |  |  |  |  | 
 Pier Leone Ghezzi,
Portrait eines
jungen Mannes |  | Taxe: 2.000 - 2.400 EURO Zuschlag: 2.800,- EURO Losnummer: 154 |  |  |  |  |  | 
 Balthasar Wigand,
Blick auf Schönbrunn
und die Gloriette |  | Taxe: 3.000 - 4.000 EURO Losnummer: 206 |  |  |  |  |  | 
 Nikolaj Karazin,
Karawanserei in
Turkestan, 1895 |  | Taxe: 4.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 9.000,- EURO Losnummer: 265 |  |  |  |  |  | 
 Sebastiano Conca,
Studie der knienden
heiligen Maria
Magdalena |  | Taxe: 1.200 - 1.600 EURO Zuschlag: 1.200,- EURO Losnummer: 129 |  |  |  |  |  | 
 Carlo Marchionni,
Karikatur eines
Schriftstellers |  | Taxe: 2.500 - 3.000 EURO Losnummer: 157 |  |  |  |  |  | 
 Lucas Cranach d.Ä.,
Die Beweinung
Christi, 1509 |  | Taxe: 1.200 - 1.600 EURO Zuschlag: 1.600,- EURO Losnummer: 8 |  |  |  |  |  | 
 Giuseppe Bernardino
Bison, Lesende junge
Frau auf einem Stuhl |  | Taxe: 4.500 - 6.000 EURO Zuschlag: 4.500,- EURO Losnummer: 168 |  |  |  |  |  | 
 Bartholomeus
Breenbergh, Ansicht
einer Burgruine. Del
lato Del fireo
Maximo, 1641 |  | Taxe: 4.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 3.600,- EURO Losnummer: 120 |  |  |  |  |  | 
 Albrecht Dürer, Das
Sonnenweib und der
Siebenköpfige
Drache, 1498 |  | Taxe: 6.000 - 8.000 EURO Zuschlag: 10.000,- EURO Losnummer: 20 |  |  |
|

 |
 |