ADKV-Art Cologne Preis für Kunstkritik vergeben  |  | Noemi Smolik erhält den ADKV-Art Cologne Preis für Kunstkritik 2020 | |
Der diesjährige ADKV-Art Cologne Preis für Kunstkritik geht an Noemi Smolik. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) und die Kölner Kunstmesse zeichnen die freie Journalistin für ihr Lebenswerk als „Grenzgängerin und unabhängige Kritikerin“ aus. Smolik verstehe es Inhalte jenseits kulturpolitischer Trends durchzusetzen. Die 1952 in der ehemaligen Tschechoslowakei geborene Autorin darf sich nun über 3.000 Euro freuen.
In der Jurybegründung heißt es: „Noemi Smolik arbeitet seit sehr vielen Jahren an der Aufarbeitung der osteuropäischen und russischen Kunstgeschichte. Sie scheut dabei weder die Auseinandersetzung mit akademischen Zirkeln noch die Ansprache eines breiten Publikums, so dass sie eine beeindruckende Bandbreite an Formaten der Kunstkritik – das kurzweilige Feuilleton, den Essay als Long-Read oder den Vortrag – perfekt beherrscht und bedienen kann. Immer wieder gelingt es ihr, tradierte Narrative nachhaltig zu durchbrechen und umzuschreiben. Besonders aber zeichnet sie auch aus, immer wieder mit großer Aufmerksamkeit und Genauigkeit verschüttete Befunde aus der Geschichte der nichtstaatlichen und dissidenten Kunst in den sozialistischen Gesellschaften herauszuarbeiten und sich den Glättungen und Einebnungen historischer Konflikte zu widersetzen. Erst im vergangenen Jahr (und mitten in der sommerlich euphorisierten Hochphase des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums) klärte Noemi Smolik die Leserschaft einer überregionalen Tageszeitung beispielsweise darüber auf, dass Kasimir Malewitsch nicht nur in Russland, sondern auch von seinen vermeintlichen ‚Gesinnungsgenossen‘ in Dessau zensiert worden war. Mit forensischem Spürsinn werden dabei stereotype Bilder der russischen Avantgarde auf den Kopf gestellt und die westliche Perspektive auf die Oktoberrevolution dekonstruiert.“
Noemi Smolik kam nach dem Abitur nach Deutschland. In Köln und New York absolvierte sie das Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie. An der Kölner Universität wurde sie mit der Dissertation „Von der Ikone zum gegenstandslosen Bild: der Maler Vasilij Kandinskij“ im Jahr 1987 promoviert. Sie hatte eine Gastprofessur an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn inne und unterrichtet Theorie und Kunstkritik an den Universitäten in Köln und Münster. Ihre Artikel erschienen unter anderem in der FAZ, im New Yorker Artforum oder im Artblog-Cologne.
Der ADKV-Art Cologne Preis für Kunstkritik wird seit 1999 von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV), seit 2006 gemeinsam mit der Kölnmesse vergeben, die auch das Preisgeld stellt. Die Würdigung zeichnet freie Kunstkritikerinnen und -kritiker aus, die sich in der Fach- und Tagespresse oder in anderen Medien mit zeitgenössischer Kunst und ihrem sozialen Kontext auseinandersetzen. Zu den Preisträger gehören unter anderem Renate Puvogel, Gregory Williams, Catrin Lorch, Barbara Buchmaier, Kolja Reichert, Astrid Mania, Stefan Kobel, Jörg Scheller, Kito Nedo und im vergangenen Jahr Antje Stahl. Der Preis wird zusammen mit dem ADKV-Art Cologne Preis für Kunstvereine auf der nächsten Art Cologne im November verliehen. |