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Marktberichte |
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Der Heilbronner Glasspezialist Fischer ist in den Beginn der Corona-Epidemie in Deutschland gerutscht und musste unerwartet auf das Publikum im Saal verzichten. Ein Abschwung ist dennoch nicht zu konstatieren  Stier und Zicklein in Blau

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 |  | Niederlande, Kuttrolf, Deutschland oder 17. Jahrhundert | |
Gleich eines der ersten Objekte auf der Versteigerung „Europäisches Glas & Studioglas“ des Auktionshauses Fischer machte einigen Wirbel, nicht nur der Form seines spiralförmig gedrehten Halses wegen, auf dem der wellenförmig geschwungene Ausguss ruht. Der in Deutschland oder in den Niederlanden im 17. Jahrhundert von unbekannter Hand gefertigte sogenannte Kuttrolf ließ auch die wegen Corona ausschließlich schriftlich, telefonisch oder via Internet abgegebenen Gebote der Kaufinteressenten in die Höhe schnellen. Angesetzt auf 3.000 bis 4.000 Euro, ging das gut 25 Zentimeter hohe Scherzgefäß schließlich für 8.500 Euro an einen Österreicher – einen der zahlreichen internationalen Kunden, die Fischer diesmal vermehrt frequentiert haben.
Noch mehrmals kamen am 21. März in Heilbronn bei den alten Gläsern schöne Zuschläge zustande. So erzielte eine rotbraune Schnapsflasche mit zehnpassförmig gewellter Wandung aus dem alpenländischen Raum 12.500 Euro noch 500 Euro über der Taxe. Das Dreifache der Schätzung gab es mit 4.500 Euro für eine ebenfalls aus dem späten 17. oder 18. Jahrhundert stammende Flasche, deren Besonderheit darin liegt, dass in den quaderförmigen Glaskörper ein tropfenförmiger Behälter eingeblasen ist, ohne dass sich die beiden Hohlräume zueinander öffnen. Folgerichtig haben sie jeweils einen eigenen Zinnschraubverschluss. 7.000 Euro erreichte eine in Thüringen oder Böhmen entstandene Sechskantflasche, die in hochovalen Bildfeldern Szenen aus der griechischen Mythologie zeigt, etwa die Bestrafung Amors oder die Züchtigung des lüsternen Pan durch eine Bakche (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).
Obwohl die Versteigerung wegen der Viruspandemie kurzfristig ohne physisch anwesende Bieter auskommen musste, verzeichnete Fischer keinen Rückgang gegenüber der letzten Glasauktion vom Oktober 2019. So lag die losbezogene Zuschlagsquote mit 49,2 Prozent sogar um sechs Prozentpunkte höher, der Nettoumsatz fiel mit 534.000 Euro bei etwas weniger abgesetzten Positionen etwa gleich hoch aus. Daran hatte auch ein gut 30 Zentimeter hoher, teilweise vergoldeter Deckelpokal einen Anteil. Auf seiner trichterförmiger Kuppa vergnügt sich erotisch ein Bauernpaar; darüber liest man die gereimte Inschrift „Vivant alle bauer Mädchens: Kurtz von leibe dick von wädchens / Derer bloses ja und nein: Ihre Complimenten sein“. Der Pokal aus der Zechliner oder Potsdamer Glashütte um 1730/40 legte von 2.000 auf 3.300 Euro zu. Das Wappen des niedersächsischen Adelsgeschlechts Asseburg prangt auf einem weiteren Deckelpokal, der um 1735 in der Glashütte Emde bei Brakel im Paderborner Land angefertigt wurde. Das schöne Stück schaffte die obere Grenze von 3.500 bis 4.000 Euro, während zwei weitere etwa gleichwertige Pokale aus demselben westfälischen Adelsbesitz unveräußert blieben.
Das 19. Jahrhundert begeisterte mit böhmischen Gläsern wie Friedrich Egermanns rot marmoriertem Lithyalinbecher mit Schmetterlingen von circa 1830 für 5.500 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) oder einem rubinroten Stangenpokal der Zeit um 1860, auf der Raffaels „Madonna della sedia“ abgebildet ist, für 4.600 Euro; Franz Paul Zach oder Karl Pfohl sollen seine Urheber sein (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Auf einen kugelrunden Briefbeschwerer der Gräflich Schaffgotsch’schen Josephinenhütte im schlesischen Schreiberhau hatten es die Käufer ebenfalls abgesehen. Das aus farblosem Glas mit zahllosen kleinen bunten Millefiori-Blüten und Sternen produzierte Stück kletterte von 500 Euro auf ertragreiche 2.600 Euro.
Französisches Jugendstilglas war diesmal zwar wieder reichhaltig, aber nicht mit höheren Preisklassen auf der Zuschlagliste vertreten. Spitzenreiter wurde eine mit Mohnblüten geschmückte Jardiniere von Daum Frères um 1901 für 3.600 Euro (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Passen mussten etwa Henri Bergés Vase mit drei Rosenblüten in diversen Stadien des Erblühens (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR) oder eine Tischlampe der Muller Frères mit einer abendlichen Landschaft aus den Vogesen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Bei den Arbeiten der berühmten Glashütte Lötz Witwe aus dem böhmischen Klostermühle schaffte eine Vase nach Entwurf von Josef Hoffmann mit 7.000 Euro den Höchstpreis. Auf ihrem rosafarbenen Körper liegt eine schwarze Gitterstruktur mit stilisierten Blüten- und Blattornamenten (Taxe 6.000 bis 9.000 EUR). Eine prachtvolle Vase aus sogenanntem „Kaiserroten Perlglas“ mit eingearbeiteten Silberkügelchen nach einer Idee von Otto Prutscher aus dem Jahr 1908 ging für 3.900 Euro über den Tresen (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).
4.700 Euro und 4.500 Euro erlösten zwei Weingläser aus der Werkstatt Meyr’s Neffe im böhmischen Adolf, die Prutscher mit einem gelben geometrischen Dekor auf farblosem Grund verziert hatte (Taxen je 3.000 bis 4.000 EUR). Bei 4.500 Euro schlug der Hammer für eine originelle, im Wesentlichen aus dem rubinroten Stiel bestehende Champagnerschale aufs Pult, die Peter Behrens 1900 für die Rheinische Glashütten-Actien-Gesellschaft in Köln-Ehrenfeld gestaltete (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Aus dem von demselben Designer um 1905 kreierten Trinkservice „Aegir“ konnte Fischer ein Kelchglas mit kegelförmiger Kuppa und achtseitigem rubinrotem Nodus für 6.500 Euro absetzen (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). In der Abteilung Murano-Glas reüssierten Paolo Veninis in Schwarz, Weiß und Grau melierte Vase „A puntini murrine“ von 1957 bei 8.000 Euro und Fulvio Bianconis Vase „A fasce ritorte“ aus bunten Diagonalbändern bei 7.500 Euro (Taxen je 6.000 bis 8.000 EUR). Die Skulpturen eines kobaltblauen Stiers und eines aquamarinblauen Zickleins nach Pablo Picasso wechselten zur jeweils unteren Schätzung von 7.000 Euro und 6.000 Euro die Besitzer.
Ansonsten zeichneten vor allem wieder die Tschechen für moderne Glasskulpturen verantwortlich. Hier wurden auch fünfstellige Preise erzielt, etwa 11.000 Euro für ein makellos glattes Schalenobjekt namens „Intense Apricot“ von Frantisek Vízner (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder 13.000 Euro für einen kristallin gebrochenen rotbraunen „Helmkopf“ von Stanislav Libensky und Jaroslava Brychtová aus den späten 1980er Jahren (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Weitere Arbeiten des Ehepaares Libensky/Brychtová wurden für bis zu 18.000 Euro allerdings nur unter Vorbehalt zugeschlagen, da die Schätzpreise zum Teil deutlich unterschritten wurden. Dale Chihulys Vasenobjekt aus der Serie „Macchia“ mit türkisfarbenem Inneren und rotvioletten Punkten auf dem weißen Äußeren von 1986 spielte gute 4.000 Euro ein (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Krönender Abschluss der Auktion war Bodo Sperlings gemäldehaftes Kristallbild „519 Blau“, das an einen südamerikanischen Wüstenhimmel erinnern soll, für 15.000 Euro (Taxe 13.000 bis 16.000 EUR).
Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Dr. Jürgen Fischer Heilbronner Auktionshaus Elbinger Straße 11 DE-74078 Heilbronn |
 | Telefax:+49 (07131) 15 55 720 | Telefon:+49 (07131) 15 55 70 |  |  | E-Mail: info@auctions-fischer.de |  | Startseite: www.auctions-fischer.de |
01.04.2020 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 Fulvio Bianconi,
Vase „A Fasce
Ritorte“, um 1951 |  | Taxe: 6.000 - 8.000 EURO Zuschlag: 7.500,- EURO Losnummer: 858 |  |  |  |  |  | 
 Friedrich Egermann,
Lithyalinbecher mit
Schmetterlingen, um
1830 |  | Taxe: 2.000 - 3.000 EURO Zuschlag: 5.500,- EURO Losnummer: 341 |  |  |  |  |  | 
 Paolo Venini, Vase „A
Puntini Murrine“,
1957 |  | Taxe: 6.000 - 8.000 EURO Zuschlag: 8.000,- EURO Losnummer: 856 |  |  |  |  |  | 
 Otto Prutscher,
Weinglas, um 1909 |  | Taxe: 3.000 - 4.000 EURO Zuschlag: 4.700,- EURO Losnummer: 788 |  |  |  |  |  | 
 Josef Hoffmann,
Vase, 1911 |  | Taxe: 6.000 - 9.000 EURO Zuschlag: 7.000,- EURO Losnummer: 721 |  |  |  |  |  | 
 Peter Behrens,
Champagnerschale,
1900/01 |  | Taxe: 4.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 4.500,- EURO Losnummer: 663 |  |  |  |  |  | 
 Otto Prutscher,
Weinglas, um 1906 |  | Taxe: 3.000 - 4.000 EURO Zuschlag: 4.500,- EURO Losnummer: 789 |  |  |  |  |  | 
 Glashütte Emde,
Deckelpokal mit dem
Wappen der
Adelsfamilie von
Asseburg, um 1735 |  | Taxe: 3.500 - 4.000 EURO Zuschlag: 4.000,- EURO Losnummer: 197 |  |  |  |  |  | 
 Otto Prutscher, Vase
„Kaiserrot
Perlglas“, 1908 |  | Taxe: 2.000 - 3.000 EURO Zuschlag: 3.900,- EURO Losnummer: 602 |  |  |  |  |  | 
 Tirol,
Schnapsflasche,
wohl 17. oder 18.
Jahrhundert |  | Taxe: 10.000 - 12.000 EURO Zuschlag: 12.500,- EURO Losnummer: 67 |  |  |  |  |  | 
 Peter Behrens,
Kelchglas aus dem
Service „Aegir“, um
1905 |  | Taxe: 5.000 - 7.000 EURO Zuschlag: 6.500,- EURO Losnummer: 787 |  |  |  |  |  | 
 Karl Pfohl, Karl
Pfohl oder Franz Paul
Zach zugeschrieben,
Stangenpokal mit der
„Madonna della
sedia“, um 1860 |  | Taxe: 2.000 - 3.000 EURO Zuschlag: 4.600,- EURO Losnummer: 405 |  |  |
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