Berlin erhält Roger-Melis-Archiv  |  | Roger Melis, Wolf Biermann und Freunde, Berlin 1967 | |
Die Akademie der Künste in Berlin richtet für das Werk Roger Melis’ ein Archiv ein. Darauf hat sie sich mit Matthias Bertram, dem Nachlassverwalter des 2009 verstorbenen Fotografen, geeinigt. In einem ersten Schritt übernimmt die Kunstsammlung der Akademie die Künstler- und Autorenporträts von Roger Melis, der in den 1960er Jahren in seiner Heimat DDR, aber auch im Westen als einfühlsamer Porträtist Bekanntheit erlangte. Das Konvolut umfasst mehr als 900 Fotografien, zu denen mehr als 700 eigenhändige Abzüge gehören. Es enthält Porträts von mehr als 500 Schriftstellern, Grafikern, Malern, Bildhauern, Fotografen und darstellenden Künstlern aus fünf Jahrzehnten, darunter umfangreiche Porträtserien von Peter Huchel, Franz Fühmann, Heiner Müller, Volker Braun, Christa Wolf, Wolf Biermann, Sarah Kirsch, Rainer Kirsch und Thomas Brasch, die Melis in unterschiedlichen Phasen ihres Leben und Schaffens abgelichtet hat.
Später sollen in das Roger-Melis-Archiv weitere eigenhändige Abzüge seiner bekannten Aufnahmen, Negative, Kontakte, Korrespondenz, Arbeitsbücher, Kalender und Datenbanken aufgenommen werden. Die Materialien erlauben die Erschließung und Datierung seiner Arbeiten, beleuchten entstehungsgeschichtliche Hintergründe und ermöglichen zugleich Einsicht in den künstlerischen und dokumentarischen Schaffensprozess des Fotografen. Außerdem geben sie exemplarisch Aufschluss über die sozialgeschichtlichen Bedingungen der Arbeit eines freiberuflichen Fotografen in der DDR.
Roger Melis, 1940 in Berlin geboren, absolvierte bis 1960 eine dreijährige Fotografenausbildung und gilt als Mitbegründer des ostdeutschen Fotorealismus. 30 Jahre lang dokumentierte er das Leben in der DDR. Seine dichten und symbolhaften Fotografien zeigen den Alltag in der Stadt und auf dem Land, die Arbeits- und Lebensbedingungen oder die politischen Rituale des Sozialismus. Auch als Modefotograf trat Roger Melis hervor und schuf für die „Sibylle“, das bekannteste Magazin für Mode und Kultur in der DDR, zahlreiche Fotostrecken. Sein 1986 erschienenes Fotobuch „Paris zu Fuß“ war der erste Bildband eines ostdeutschen Fotografen, der allein mit den Mitteln der Straßenfotografie vom Leben in einer fremden Stadt erzählte. Heute wäre Melis 80 Jahre alt geworden. |