Auch Österreich schließt die Kultur  |  | Auch das Kunsthistorisches Museum Wien liegt im November still | |
Zur Eindämmung der Corona-Pandemie und der damit steigenden Fallzahlen hat nun auch die österreichische Bundesregierung am Samstag einen zweiten Lockdown beschlossen. Damit steht den Kulturbetrieben in Österreich die Schließung bevor. Museen, Theater, Ausstellungs- und Konzerthäuser und Freizeitbetriebe sind davon betroffen; Veranstaltungen wie Vorträge oder Vernissagen sind ebenfalls verboten. Auch die „Art & Antique“ in der Wiener Hofburg, die vom 5. bis 8. November stattfinden sollte, ist inzwischen abgesagt. Die politische Entscheidung habe es verhindert, die Kunstmesse trotz eines hochkarätigen Ausstellerprogramms und professioneller Vorbereitungen durchzuführen, teilten die Veranstalter mit. Die Entwicklungen in dieser Schärfe seien nicht absehbar gewesen.
Österreichische Museumsleiterinnen, die in den letzten Monaten viel Energie in umfassende Corona-Präventionskonzepte gesteckt hatten, haben sich inzwischen zu Wort gemeldet und die Beschlüsse teilweise deutlich kritisiert. So ließ Ingried Brugger, Direktorin des Bank Austria Kunstforums in Wien, verlautbaren: „Die Maßnahmen der Bundesregierung sind einer Kulturnation nicht würdig. Wo sonst hat der Babyelefant so viel Platz wie in einem Museum? Das politische Versagen ist unüberlegter Aktionismus, statt faktenbasierte und effektive Pandemiebekämpfung.“ Stella Rollig, ihre Kollegin vom Belvedere, zeigte mehr Verständnis für die erneute Schließung. Die Eindämmung der Corona-Infektionen habe absolute Priorität. Zwar verfüge man in den Museen über erstklassige Sicherheitskonzepte, doch seien alle gesellschaftlichen Einrichtungen aufgefordert, zur Reduzierung von physischen Kontakten und Bewegungen im öffentlichen Raum beizutragen. Die Phase der Schließung will Rollig zur Reflexion, zur Entwicklung und zur Investition in die Zukunftsrelevanz bestmöglich nutzen. Bettina Leidl, Präsidentin des ICOM Österreich und Direktorin des Kunsthauses Wien, sprach von einer Schwächung der Museen als zentraler Diskursorte, die gesellschaftliche Entwicklungen reflektieren.
Ähnlich wie in Deutschland sind von dem Lockdown auch die Hotellerie und Gastronomie betroffen. Handel und Dienstleistungen, damit auch die Galerien und Kunsthandlungen, dürfen unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln geöffnet bleiben, ebenso die Kindergärten, Schulen und Universitäten. Zudem gilt eine nächtliche Ausgangssperre von 20 Uhr bis 6 Uhr früh; Ausnahmen davon sind unter anderem der Weg zur Arbeit, Sport und Erholung im Freien oder die Deckung von Grundbedürfnissen des Lebens. Die strikten Maßnahmen treten am 3. November in Kraft und sollen bis zum Ende des Monats andauern. Um die wirtschaftlichen Folgen abzumildern, will die österreichische Regierung den betroffenen Unternehmen, auch den Kulturbetrieben, 80 Prozent ihrer Umsätze erstatten, die sie im Vergleichsmonat 2019 erwirtschaftet hatten. |