Artcurial versteigert Gemälde des Leonardo-Schülers Salaì  |  | Gian Giacomo Caprotti, genannt Salaì, Büßende Magdalena, um 1515/20 | |
Ein seltenes Werk von Gian Giacomo Caprotti, einem Schüler und Werkstattmitarbeiter Leonardo da Vincis, steht in Paris zum Verkauf. Das Auktionshaus Artcurial offeriert in seiner Versteigerung „Maîtres anciens & du XIXe siècle“ die „Büßende Magdalena“ des Renaissance-Künstlers für 100.000 bis 150.000 Euro. Caprotti, dem sein Meister den Spitznamen Salaì gab, war 25 Jahre lang Modell, Schüler und Vertrauter Leonardos. Zwischen 1515 und 1520 entstanden, sei das 65 Zentimeter hohe und 51 Zentimeter breite Gemälde typisch für die Mailänder Phase der Malerwerkstatt, so Artcurial. Vor einem schwarzen Hintergrund ist die heilige Magdalena als Halbfigur ohne Nimbus dargestellt, wie sie mit vor der Brust gekreuzten Armen hilfesuchend nach oben blickt. Untypisch für Leonardo da Vinci, aber vermutlich ausschlaggebend für den weniger genialen Werkstattmitarbeiter Salaì sind die geradezu hart wirkenden Konturlinien, in die das Inkarnat gezwängt ist – von sfumato keine Spur; eine Malweise die eher an das Florenz des 15. Jahrhunderts erinnert. Die verschlungenen, lockigen Strähnen ¬– ein paar Haare haben sich an Leonardo erinnernd aus dem Geflecht gelöst – lassen an Sandro Botticelli denken. Einzig der monoton gehaltene Hintergrund und die Nähe des gewagten Aktes zum Betrachter zeigen Züge, die der Arbeitsweise des Universalgenies und somit der seiner Werkstatt entsprechen.
Neben dem Werk Gian Giacomo Caprottis kommen bei der Auktion für Alte Meister und Maler des 19. Jahrhunderts am 18. November noch 180 weitere Bilder bei Artcurial zum Aufruf. Dabei ragen unter anderem die flotte Skizze eines Reiters von Eugène Delacroix, die dramatische biblische Erzählung „Esther vor Ahasver“ von Jean-François de Troy und Werke von Joseph-Marie Vien, Jean-Baptiste Huet, Jean-Baptiste Le Prince und Hubert Robert heraus. Mit 400.000 bis 600.000 Euro rangieren eine gedrängte Szene mit „Judith und Holofernes“, die dem deutschen Renaissance-Maler Melchior Feselen zugeschrieben wird, und ein ruhiges nächtliches Seestück mit einsamem Boot von Jean-François Millet an der Spitze des Angebots. |