Berliner Nationalgalerie erhält Richter-Werke Gerhard Richter stellt der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin mehr als hundert seiner Arbeiten zur Verfügung. Ein Vertrag zwischen der Gerhard Richter Kunststiftung und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird demnächst unterzeichnet. Den Kern des Konvoluts bildet der vierteilige Zyklus „Birkenau“ aus dem Jahr 2014, der von heute an im Rahmen der Ausstellung „Reflexionen über Malerei“ in der Alten Nationalgalerie gezeigt wird. Die vier abstrakten Werke beruhen auf heimlichen Fotografien eines Häftlings des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Richter stellte die Szenen zunächst realitätsgetreu dar, übermalte sie jedoch anschließend vollständig. Dadurch entstand ein Dialog aus Offenbaren und Verbergen, Dokumentieren und metaphorischem Erinnern. Kulturstaatsministerin Monika Grütters betonte, der Zyklus sei für die Stadt Berlin, die wie kaum eine andere für die Brüche und Widersprüche unserer Geschichte und der Kunst des 20. Jahrhunderts steht, ein Schlüsselwerk.
Der Künstler selbst wünschte sich als Präsentationsort die Alte Nationalgalerie, da das Verhältnis von Abbildung und Darstellung als zentrale Frage der Kunstgeschichte in allen Jahrhunderten zu finden sei. „‚Reflexionen über Malerei‘ bilden einen Kern der Arbeit Gerhard Richters, die auch seine explizit auf die deutsche Geschichte gerichteten Zyklen wie ‚Birkenau‘ einschließen. Richters generelles Nachdenken über die Grenzen der Darstellbarkeit in der Kunst verbindet die Ausstellung mit der Präsentation in der Alten Nationalgalerie“, so Kurator Ralph Gleis. Neben den Fotovorlagen stellt er der Gemäldeserie in der Berliner Schau einen Spiegel gegenüber, der weiterführende Überlegungen hervorruft und den Betrachter in eine direkte Beziehung zum Objekt setzt.
Die Ausstellung des „Birkenau“-Zyklus steht am Beginn einer langfristigen Kooperation der Gerhard Richter Kunststiftung und der Nationalgalerie. Der Großteil der hundert Objekte soll ab 2023 zunächst in der Neuen Nationalgalerie ausgestellt werden, bis das Museum des 20. Jahrhunderts im Jahr 2026 eröffnet wird. Dazu gehören Einzelwerke wie „Besetztes Haus“ von 1989, Glas- und Spiegelarbeiten wie „6 stehende Scheiben“ von 2002/11 und späte Gemäldeserien wie „4.900 Farben“ von 2007 oder abstrakte Bildern der letzten Jahre. Im Museumsneubau sollen die Leihgaben einen eigenen Raum im Obergeschoss erhalten, in dessen Zentrum die vier „Birkenau“-Bilder stehen. Sie werden auf Grund ihrer geschichtsträchtigen Bedeutung dauerhaft zu sehen sein. Das Haus möchte immer wieder neue Sichtweisen auf das Werk Gerhard Richters ermöglichen, indem es den Saal mit regelmäßigen Präsentationen bespielt. Zeitgenössische Interaktionen sind von Richter erwünscht. Der Maler gründete im vergangenen Jahr die Gerhard Richter Kunststiftung mit dem Ziel, sein Werk dauerhaft über größere öffentliche Einrichtungen zugänglich zu machen. Ausschlaggebend für die Gründung war laut Richter der „Birkenau“-Zyklus, den er nicht auf den Kunstmarkt bringen wollte. |