Pritzker Prize für Lacaton und Vassal  |  | Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal erhalten den Pritzker Prize 2021 | |
Der Pritzker Prize geht heuer an die Franzosen Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal. Bekannt sind die beiden dafür, dass sie bei ihren Projekten für Kommunen und Privatpersonen bewusst nachhaltig vorgehen. Dabei beleben sie dunkle ungenutzte Ecken in Gebäuden, verbessern die vorhandene Raumsituation und erhöhen die Langlebigkeit der Bauten. „Hoffnungen und Träume der Moderne, das Leben vieler zu verbessern, werden durch ihre Arbeiten wiederbelebt; Arbeiten, die sowohl auf klimatische und ökologische Problemstellungen unserer Zeit wie auch auf soziale Dringlichkeit eingehen. Sie erreichen dies durch ein starkes Gefühl für Raum und Materialität. Damit entwerfen sie Architekturen, die einerseits in ihren Formen und Überzeugungen fest, andererseits in ihrer Schönheit und Ethik transparent sind“, so die diesjährige Jury in ihrer Begründung.
Damit würdigt das Preisgremium die soziologischen und ökologischen Maximen des Duos, denn Anne Lacaton beschreibt ihr Verständnis von Architektur folgendermaßen: „Gute Architektur ist offen – offen zu Leben und offen, um die Freiheit des Einzelnen zu bestärken, damit derjenige machen kann, was er machen muss. Architektur sollte nicht demonstrativ oder erdrückend sein, sondern etwas Vertrautes, Nützliches und Schönes, mit der Fähigkeit das darin spielende Leben still zu unterstützen.“ Die Jury hob besonders die Nachhaltigkeit ihrer Bauten und die Achtung der bereits bestehenden Strukturen hervor, auf denen ihre Projekte meist gründen. Indem sie die Verbesserung des menschlichen Lebens durch Großzügigkeit und Nutzungsfreiheit in den Vordergrund stellen, seien sie in der Lage, den Einzelnen sozial, ökologisch und wirtschaftlich zu fördern und die Entwicklung einer Stadt zu unterstützen.
Jüngst bauten Lacaton und Vassal, die seit 1987 gemeinsam in Paris arbeiten und über 30 Projekte in Europa und Westafrika abgeschlossen haben, ein 17stöckiges Hochhaus mit 96 Sozialwohnungen um. Bei der „Tour Bois le Prêtre“, in den frühen 1960er errichtet, entfernten sie 2011 die ursprüngliche Betonfassade und erweiterten den Grundriss, indem sie die geschaffene Lücke an dieser Stelle mit bioklimatischen Balkonen schlossen. Somit verfügt jede Wohnung über großzügige Fenster, die einen herrlichen Blick auf Paris freigeben. Die Neukonzeption änderte unter anderem das negative Image dieser Bauten, eine Tatsache, die sie teils mit Kollegen bei ähnlichen Projekten in Bordeaux oder Saint-Nazaire mit wenigen Eingriffen umsetzten.
Seit 1979 vergibt die Hyatt Foundation jährlich den Pritzker Prize, der als weltweit bedeutendste Auszeichnung für Architektur gilt. Er ist mit 100.000 Dollar dotiert. Die Liste der Gewinner liest sich wie ein Who is who der Baukunst aus den vergangenen Jahrzehnten, darunter Philip Johnson, James Stirling, Ieoh Ming Pei, Richard Meier, Hans Hollein, Frank O. Gehry, Zaha Hadid, Richard Rogers und Peter Zumthor. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an die beiden Irinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara. Als bislang einzige Deutsche erhielten 1986 Gottfried Böhm und 2015 posthum Frei Otto die Ehrung. |