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Marktberichte |
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Zum Jahresauftakt versteigert das Heilbronner Auktionshaus Fischer wieder Glas von der Antike bis zur Gegenwart, bereichert um mehrere Sammlungen  Gläserne Treueschwüre

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 |  | Dale Chihuly, Zylindervase „Navajo Blanket Cylinder“, um 1975 | |
Die Vase, die Dale Chihuly mit „Navajo Blanket Cylinder“ betitelte, hat fast etwas Österliches. Inspiriert von der Webkunst des Indianerstamms lässt der renommierte amerikanische Glaskünstler auf der dicken Wandung drei Kreuze über einem graugrünen Grund schweben und stellt Gesteinsschichten dar, aus denen eine orangefarbene Masse hervorstößt. Autochthones trifft hier auf Aufbrechendes. Jürgen Fischer stellt Chihulys Ausführung aus der Mitte der 1970er Jahre nun bereit und hat dafür 2.000 bis 2.500 Euro vorgesehen. Seine erste Versteigerung im neuen Jahr bestreitet das Heilbronner Auktionshaus wieder mit zerbrechlicher Ware. Dafür hat der Glasspezialist rund 800 Stücke aus der Antike bis in die Gegenwart zusammengetragen. Die ältesten Gläser reichen bis in die Ägypter-Zeit zurück, wobei die nur wenige hundert Euro teuren Salbgefäße, Krüge oder das Alabastron in Sandkerntechnik mit ihrem buntfarbigen Streifen- und Wellendekor bemerkenswert modern anmuten.
Einen ersten Höhepunkt erreicht die Auktion mit einem sogenannten Krautstrunk um 1520, der laut Einlieferer bei Straßenarbeiten in den 1950er Jahren in der Nähe von Speyer gefunden wurde. Der bläulich-grüne Becher mit seinen alternierend zwei oder drei Nuppenreihen ist beinahe perfekt erhalten und daher auch mit 12.000 bis 18.000 Euro angesetzt. In die deutsche Glasproduktion des 17. Jahrhunderts weisen ein farbloses hohes Passglas für 6.000 bis 7.000 Euro und sein kleineres Pendant eines Bandwurmglases für 3.000 bis 3.500 Euro. Museales Format bringt auch eine olivfarbene Kugelflasche samt Rippenzügen mit, die ebenfalls im 17. Jahrhundert in Deutschland oder den Niederlanden geblasen wurde. Fischer preist sie als „vermutlich einziges intaktes Exemplar dieses Typs“ an (Taxe 6.000 bis 6.500 EUR). In der Sparte des Formglases werden zudem ein farbenfroh gesprenkeltes Maigelein aus Frankreich oder den Niederlanden um 1600 (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) und eine alpenländische Flaschensammlung des 17. und 18. Jahrhunderts versteigert, zu der zwei gerippte Kugelflaschen aus braunem Glas (Taxe je 2.500 bis 3.000 EUR) und eine birnförmige Warzenflasche aus kobaltblauem Glas gehören (Taxe 6.500 bis 7.500 EUR).
Die Sammlung Wolf-Horst Röhl
Hugo de Groot war früher Aufklärer sowie Vorkämpfer des Toleranzgedankens in religiösen Fragen. Zwischen 1635 und 1645 war er im Dienst der schwedischen Königin Christina als Botschafter in Frankreich tätig, so dass er im Dreißigjährigen Krieg eine Schlüsselrolle in den Verhandlungen zwischen Schweden und Frankreich als zwei der wichtigsten Kriegsparteien einnahm. Sein Bildnis prangt nun auf einem diamantgestippten Kelchglas des Graveurs David Wolff von 1785, das mit 40.000 bis 60.000 Euro zu den teuersten Objekten der Versteigerung zählt. Es gehört zur renommierten Kollektion des 2005 verstorbenen Patentanwalts Wolf-Horst Röhl, die schon im vergangenen Jahr bei Fischer im Angebot war. Was im Oktober liegenblieb, tritt nun erneut an, oftmals zur Hälfte der damaligen Schätzungen, darunter auch der Kugelfußbecher mit einer idyllischen Ruinenlandschaft, erstellt um 1665/70 von einem Hausmaler aus dem Umkreis des Nürnbergers Johann Schaper (Taxe 7.500 bis 9.000 EUR).
Das Interesse Wolf-Horst Röhls galt vor allem dem barocken Schnittglas und daher auch einem Kelchglas mit dem malerisch gestippten Bullen in einer Hügellandschaft von Gillis Hendricus Hoolaart (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), einem Hochzeitspokal, in den Anton Wilhelm Mäuerl ein Liebespaar mit zwei Hunden in einem Schlosspark und zwei durch ein Band verknüpfte Herzen geschnitten hat (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), oder einem Pokal mit dem Allianzwappen der von Wallenberg und Knobelsdorff aus der Hand Friedrich Winters um 1709 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Noch einmal hochpreisig wird es mit einem 40 Zentimeter hohen Deckelpokal zur Silberhochzeit von Jan Westendorp und Sara van Wijlick am 7. Februar 1759 mit zahlreichen Treuesymbolen. Das Glas, das aus Norwegen oder England stammt, besticht durch seine feine Gravur des in Amsterdam tätigen Graveurs Jacob Sang.
Glas des 20. Jahrhunderts
Beim Jugendstil und Art Déco hat Fischer wieder eine umfangreiche Auswahl der bekannten Entwerfer und Firmen, aber auch kleinerer Manufakturen zusammengetragen. Sie beginnt mit einer Vase in Keulenform der Daum Frères, für die sich Henri Bergé um 1900 eine Zier in Rosa und dunklem Orange mit einer Libelle zwischen Lilienblüten ausgedacht hat (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Bei einer grün-braun-gelben Enghalsvase mit Freesien um 1919 ist die Urheberschaft Bergés oder seines Kollegen Emile Wirtz nicht ganz gesichert (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR). Für seine zylindrische Vase nahm sich Désiré Christian im frühen 20. Jahrhundert Früchte und Blätter des Eichenbaums her, färbte sie in verschiedenen Grüntönen ein und montierte sie in einen Silberfuß, der ebenfalls mit Eichenlaub reliefiert ist (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).
Schöne Produkte mit niedrigen Schätzpreisen sind beiden formgleichen Soliflore „Oignons de Jemeppe“ aus beigefarbenem Opalglas mit blauer Fadenaufschmelzung, deren Entwurf für die Cristallerie du Val Saint Lambert Jeanne Gevaert zugeschrieben wird (Taxen zwischen 500 und 900 EUR), oder Marcel Goupys farblose Vasenschale mit einem stilisierten Blütenfries in bunter Emailmalerei um 1925 für 600 bis 800 Euro. Auch René Laliques rotbraun patinierte und formgepresste Vase „Néfliers“ steht für das Art Déco (Taxe 900 bis 1.000 EUR). Gut bestückt ist das Angebot diesmal mit knapp 50 Vasen, Schalen und skulpturalen Gegenständen von WMF, zu denen Karl Wiedmann in den 1920/30er Jahren die abstrakte farbenprächtige Dekortechnik namens „Ikora“ beisteuerte. Hier rangieren die Preise meist bei ein paar hundert Euro, können aber auch die Tausender-Grenze streifen, wie bei einer bauchigen Vase mit verlaufenden Farb- und Oxydeinschmelzungen in Rot und Blau um 1928.
Beim böhmischen Glas ragt die Manufaktur Johann Lötz Witwe schon allein zahlenmäßig heraus und stellt zuerst einige Artefakte des Historismus zur Verfügung, wie ein Paar Helmkannen mit rot-rosafarben geädertem Opalglas in einer goldenen Messingmontierung im Stil der Neorenaissance (Taxe 1.200 bis 1.400 EUR). Ein Höhepunkt ist die Vase „Metallgelb Phänomen Gre „2/314“ um 1902 mit gelbem Unterfang, braunvioletten Auflagen samt silbergelben Fäden, die zu Zungen nach unten ausgezogen sind, und kräftigen Tupfen in Silbergelb (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). In diese Preiskategorie reiht sich zudem Marey Beckert-Schiders Entwurf für die Ausstellung „Bemaltes Glas“ im Kunstgewerbemuseum Prag von 1924, der mit einem energischen Zackendekor und schematisierten Blüten in Schwarz-Blau-Weiß überzeugt. Die Vase soll 4.500 bis 5.500 Euro einspielen. Die Glasraffinerie Joh. Oertel & Co. in Haida produzierte 1918 eine facettierte Vase mit kobaltblauem Unter- sowie opakweißem Überfang, in den dann der geometrische Dekor nach einer Idee Dagobert Peches geschliffen wurde (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Für die Josephinenhütte im schlesischen Schreiberhau gestaltete Alexander Pfohl um 1921/22 eine Fußvase aus hellopakem Glas mit stilisierten Pflanzenranken in Dunkelrot und Blau (Taxe 1.800 bis 2.200 EUR).
Murano und Studioglas
Dann sind Waren aus Murano an der Reihe, unter anderen drei Exemplare der Vase „Libellula“ von Vittorio Zecchin aus den 1920er und 1930er Jahren in unterschiedlichen Farbstellungen, aber immer mit großem Tellerfuß und ausladenden Henkeln für Bewertungen zwischen 200 und 2.500 Euro. Für Venini arbeitete auch Carlo Scarpa und gestaltete um 1938 eine dunkelviolette Vase mit dicken Einkerbungen, deren irisierte Oberfläche säuregeätzt ist und daher „Corroso“ heißt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), ebenso Mario Bellini, dessen Tazza von 1992 aus der Serie „Sogni infranti“, also „Zerbrochene Träume“, mit den wilden Applikationen aus farbigen Glasfragmenten kein Gebrauchsgegenstand mehr ist (Taxe 3.400 bis 3.800 EUR). Drei Jahre jünger ist Gae Aulentis Kugelvase „Gaecolor“ mit dichten wabernden Farbaufschmelzungen in kräftiger Reliefstruktur (Taxe 2.300 bis 2.600 EUR). Klassischer sind etwa Ermanno Tosos Vasen „Nerox a petoni con rettangoli bianchi“ um 1957/58 mit anthrazit-metallisch schimmernder Oberfläche (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) oder sein Exemplar „Kiku“ mit einem Netz aus bunten Murrinen von 1964 (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Etwas exaltiert kommt der Wiedehopf daher, den Toni Zuccheri 1964 aus roten, schwarzen und farblosen Glasfeder auf einem Bronzeskelett schuf. Die „Upupa“ ist mit 13.000 bis 15.000 Euro das teuerste Objekt aus Murano.
Die letzte Abteilung der Auktion ist das Studioglas mit abstrakten, häufig auch skulpturalen Schöpfungen, etwa dem „Blue Fan“ des ungarischen Glaskünstlers László Lukácsi für 1.700 bis 1.800 Euro. Ein reichhaltiger Bestand, zu dem auch Dale Chihulys „Navajo Blanket Cylinder“ gehört, stammt aus einer norddeutschen Privatsammlung. Hier bestechen etwa noch Mary Ann Zynskys Fächerschale „Harlekin“ von 1989 aus feinen, selbstgezogenen und verschmolzenen Glasfäden, die dann an das Gewand eines Harlekins erinnern (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR), Paolo Martinuzzis über einem groben Holzring schwebendes Kugelobjekt mit gravierten, ineinander verschlungenen Menschengestalten aus den 1980er Jahren (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR) oder Kyohei Fujitas etwa gleichaltrige dunkelblaue Deckeldose mit Farbkröseln in opakem Blau und Weiß sowie gerissener Gold- und Platinfolienaufschmelzung (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Einen Großteil der Objekte aus der Sammlung steuern die deutschen Glaskünstler Klaus Moje und seine Frau Isgard Moje-Wohlgemuth bei, etwa eine Mosaikvase aus hellrotem zylindrischem Schaft und grauen gestreiften Plättchen auf dem Kugelbauch von 1995 (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR) oder einen Teller von 1988 in gleicher Technik, aber farbenfroher Gestalt (Taxe 3.500 bis 4.500 EUR). Schon fast als Fischers Hauskünstler kann man Bodo Sperling ansprechen, denn über das Heilbronner Auktionshaus kommen seit einigen Jahren seine gemäldehaften Kristallbilder auf den Kunstmarkt, diesmal „Pink 1820“ aus Sperlings Serie „Objectivism Art“. Hier stehen immerhin 46.000 bis 50.000 Euro auf dem Preisschild.
Die Auktion „Europäisches Glas & Studioglas“ beginnt am 20. März um 10 Uhr. Eine Besichtigung der Objekte ist nur nach Terminvereinbarung bis zum 18. März täglich von 10 bis 17 Uhr, am 19. März von 9 bis 16 Uhr möglich. Der Internetkatalog ist unter www.auctions-fischer.de abrufbar. |  | Kontakt: Dr. Jürgen Fischer Heilbronner Auktionshaus Elbinger Straße 11 DE-74078 Heilbronn |
 | Telefax:+49 (07131) 15 55 720 | Telefon:+49 (07131) 15 55 70 |  |  | E-Mail: info@auctions-fischer.de |  | Startseite: www.auctions-fischer.de |
18.03.2021 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |  |
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 Jeanne Gevaert,
Jeanne Gevaert
zugeschrieben,
Soliflore „Oignons
de Jemeppe“, um
1909/27 |  | Taxe: 500 - 600 EURO Losnummer: 445 |  |  |  |  |  | 
 László Lukácsi, Blue
Fan |  | Taxe: 1.700 - 1.800 EURO Zuschlag: 7.000,- EURO Losnummer: 721 |  |  |  |  |  | 
 Warzenflasche, wohl
Kramsach, 18.
Jahrhundert |  | Taxe: 6.500 - 7.500 EURO Losnummer: 44 |  |  |  |  |  | 
 Marey
Beckert-Schider,
Vase, 1924 |  | Taxe: 4.500 - 5.500 EURO Zuschlag: 4.000,- EURO Losnummer: 478 |  |  |  |  |  | 
 Toni Zuccheri,
Upupa, 1964 |  | Taxe: 13.000 - 15.000 EURO Losnummer: 613 |  |  |  |  |  | 
 Gae Aulenti,
Kugelvase
„Gaecolor“, 1995 |  | Taxe: 2.300 - 2.600 EURO Losnummer: 626 |  |  |  |  |  | 
 Karl Wiedmann, Vase
„Ikora-Kristall“,
um 1928 |  | Taxe: 900 - 1.100 EURO Zuschlag: 1.000,- EURO Losnummer: 485 |  |  |  |  |  | 
 Anton Wilhelm
Mäuerl,
Hochzeitspokal, um
1720 |  | Taxe: 4.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 6.500,- EURO Losnummer: 184 |  |  |  |  |  | 
 Kyohei Fujita,
Deckeldose
„Kazaribako“, um
1980 |  | Taxe: 3.000 - 4.000 EURO Zuschlag: 6.500,- EURO Losnummer: 747 |  |  |  |  |  | 
 Karl Wiedmann,
Schale
„Ikora-Kristall“,
um 1929 |  | Taxe: 650 - 750 EURO Zuschlag: 650,- EURO Losnummer: 486 |  |  |  |  |  | 
 Frankreich
Frankreich,
Maigelein,
Frankreich oder
Niederlande, um 1600 |  | Taxe: 2.000 - 3.000 EURO Zuschlag: 13.000,- EURO Losnummer: 36 |  |  |  |  |  | 
 Carlo Scarpa, Vase
„Corroso“, um 1938 |  | Taxe: 6.000 - 8.000 EURO Zuschlag: 19.000,- EURO Losnummer: 605 |  |  |  |  |  | 
 Johann Schaper,
Johann Schaper
Umkreis,
Kugelfußbecher mit
Ruinenlandschaft,
um 1655/70 |  | Taxe: 7.500 - 9.000 EURO Losnummer: 275 |  |  |
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