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Berlin feiert den 100. Geburtstag seines Baumeisters Werner Düttmann

Gesicht und Struktur einer Stadt



Werner Düttmann, Hansabücherei, 1957

Werner Düttmann, Hansabücherei, 1957

Werner Düttmann war ein äußerst umtriebiger Berliner Vollblutarchitekt und Künstler. In den Nachkriegsjahrzehnten zählte er zu den zentralen Akteuren in der Bau- und Kulturszene im Westen der geteilten Metropole. Bis heute nachhaltig durch sein effektvolles spartenübergreifendes Bauschaffen im Stadtbild präsent, feiert die Hauptstadt ihn nun mit einem mehrschichtigen Vermittlungsprogramm. Zentrales Element dabei ist die erste umfassende Ausstellung seines Werkes unter dem Titel „Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk“ im von ihm geplanten Brücke Museum, begleitet von Infotafeln vor rund 30 seiner Gebäude.


Der am 6. März 1921 in Berlin geborene Sohn des Bildhauers Hermann Düttmann wollte eigentlich Maler werden. Während der kriegsbedingten Unterbrechung seines Architekturstudiums an der Technischen Universität Berlin beteiligte er sich ab 1946 als freischaffender Maler und Bildhauer an mehreren Ausstellungen. Nach dem Studienabschluss trat der Schüler von Hans Scharoun 1949 in die Berliner Bauverwaltung ein. Auf Stationen als Regierungsbaurat und der einflussreichen Position des Senatsbaudirektors von 1960 bis 1966 folgte eine ordentliche Professur für Entwurfslehre an der Technischen Universität. Zu den vielen Funktionen des rastlos tätigen Musikliebhabers und Freundes bildender Künste zählten die von 1971 bis 1983 währende Präsidentschaft der Akademie der Künste oder die Mitgliedschaft im Documenta-Rat. Omnipräsent und das Leben in vollen Zügen genießend, verstarb er nur 61jährig am 26. Januar 1983 an den Folgen eines Schlaganfalls.

Wie stark Werner Düttmann seine Heimatstadt Berlin prägte, offenbart das 126 Projekte umfassende Werkverzeichnis, das sich wie ein Glossar aus baulichen Kernaufgaben der Zeit liest. Schon die ersten beiden größeren, um 1953 datierenden Bauvorhaben, ein Seniorenheim in Wedding und ein Jugendzentrum in Zehlendorf, offenbaren Grundzüge seiner oft als humanistisch titulierten Architektur. Sie besitzt ein dienendes, nie erdrückendes Maß; seine Bauten geben sich eher bescheiden als glamourös, sind leicht, offen, farbig und Orte, an dem man sich gerne aufhält. Wie ein Fingerzeig sticht bis heute signalhaft Düttmanns Verkehrskanzel über dem U-Bahneingang am Joachimstaler Platz ins Auge, ein 1955 errichteter, futuristischer und voll verglaster Hochsitz auf einem Betonpfeiler über einer Kiosk-Anlage.

Zu seinen Meisterwerken zählt die bis 1960 errichtete Gebäudegruppe der West-Berliner Akademie der Künste im Tiergarten. Der klare, kantige Stil leitet unpathetisch in den Duktus der 1960er Jahre über. Den Ausstellungs-, Vortrags- und Verwaltungstrakt akzentuierte Düttmann durch verschiedene Materialien wie Beton, Putz oder Schiefer. Einladende, ineinanderfließende Raumfolgen und die enge Verzahnung von Innen und Außen reflektieren dezidiert seine Persönlichkeit. Im Anschluss oblag ihm die Gesamtleitung des Märkischen Viertels, damals Deutschlands größtes Bauvorhaben mit 20.000 Wohnungen. Hier gab sich die öffentliche Meinung ebenso gespalten, wie bei der Neuinterpretation des barocken Rondells um den Mehringplatz in der Form einer Doppelringanlage aus Wohnriegeln. Beim bungalowartigen Ensemble des 1967 vollendeten Brücke Museums besticht Düttmanns unaufgeregte, gattungsunabhängige Herangehensweise an diese Bauaufgabe.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, etwa dem inzwischen abgerissenen Annex an die Kunsthalle Bremen, plante Werner Düttmann nur für Berlin. Neben weiteren Wohnparks, Messe- oder Geschäftsgebäuden, U-Bahnstationen oder Einfamilienhäusern geriet in den letzten Jahren der rau verputzte Stahlbetonbau der katholischen St. Agnes-Kirche in Berlin-Kreuzberg ins öffentliche Blickfeld. Die in massiver wuchtiger Gestalt initiierte Leere aus den Jahren 1964/67 wurde ab 2011 von Arno Brandlhuber zu neuen Räumen für die Galerie Johann König umgestaltet.

Die Ausstellung „Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk“ läuft vom 17. April bis zum 11. Juni. Das Brücke Museum hat täglich außer dienstags von 11 bis 17 Uhr unter den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zusätzlich wurden an 28 Bauten in Berlin Informationstafeln aufgestellt, die in die Historie der Gebäude einführen. Weitere Innenraumpräsentation sind im Foyer der Akademie der Künste, der Hansabücherei, der König Galerie in St. Agnes und dem Haus der Kulturen der Welt geplant.

Begleitet wird das Vorhaben von einer umfangreichen Projektwebsite www.wernerduettmann.de. Empfehlenswert ist der umfangreiche Ausstellungskatalog des Wasmuth & Zohlen Verlages, der weit über das Œuvre Düttmanns hinaus geht und in zahlreichen fundierten Fachbeiträgen in das Leben des Architekten und die Verhältnisse der Zeit einführt. Er kostet im Museum 39,90 Euro.

Kontakt:

Brücke Museum

Bussardsteig 9

DE-14195 Berlin

Telefax:+49 (030) 83 15 96 1

Telefon:+49 (030) 83 12 02 9

Telefon:+49 (030) 83 26 01 2



10.04.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Werner Düttmann, Wohnbebauung am Mehringplatz, o.J.

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Werner Düttmann, Akademie der Künste, 1958/60

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