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Marktberichte |
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Lempertz feiert Preußen: Für seine kommende Auktion hat der Versteigerer alles mit Bezug zu Berlin, Brandenburg und den Hohenzollern zusammengetragen und um mehrere illustre Privatsammlungen bereichert  Friedrichs bizarre Ideen

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 |  | Johann Joachim Kändler, Speiseteller aus dem „Japanischen Service“ für Friedrich II., 1762/63 | |
„Die Mahlery betreffend So soll solcher Servis am Rande gelb mit Mosique gemahlet und an der innern Cante etwas glinde wie gewöhnlich mit schönen Blau, daß sich das Gelbe hebet angedufftet werden. Zu jede Schüssel und Teller haben Ihro Königl. Majt. befohlen ein à partes Indianisches Thier und Vogel schön proportionirlich zu mahlen, als Camele, Elephanten, Renozeros, Panter-Thier, Pavian, Affen, Straußen, Casuaries, unterschiedliche Pappagoyen und andere indianische Thiere und Vogel… .“ Diese Aktennotiz Johann Joachim Kändlers hatte Friedrich II. am 11. November 1762 gegengezeichnet und damit seinen Willen zur Gestalt des „Japanischen Service“ bekundet. Für das Chinesische Haus im Park von Sanssouci bestellte der Preußen-König bei dem Chefmodelleur der Meißner Porzellanmanufaktur das „bizarrste“ aller Gedecke. Ursprünglich bestand es aus 96 Tellern und 72 Desserttellern sowie mehreren Terrinen und Vorlegeschüsseln. Heute sind die Teile in etlichen Museen und Privatsammlungen verstreut, etwa auch in der Kollektion des Münsteraner Ehepaares Renate und Tono Dreßen, das sich nun via Lempertz von einem Speiseteller mit Hasen auf einem Bodensockel in der Mitte des Spiegels für 6.000 bis 8.000 Euro trennt.
Mit dem zweiten Teil der auf Porzellanwaren fokussierten Sammlung Dreßen, die Lempertz im vergangenen November erfolgreich unter die Leute gebracht hat, eröffnet der Versteigerer am 24. April in Berlin seine Preußen-Auktion, die mit über 560 Positionen gut bestückt ist. Dass Friedrich II. noch häufiger Ideen für Porzellanentwürfe vorgab, macht zudem eine Blattschale wohl aus dem Dessertservice mit dem eisenroten Mosaikrand deutlich, bei dem der König um 1760 etwa die Farbwahl Rot und Gold für die indianischen Blumen vorgab (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). In die Meißner Manufaktur weist zudem eine Kratervase um 1830/40, die wohl als Nachtlicht gedient hat. Denn ihre Wandung besteht aus dünnem Porzellan für eine Lithophanie, durch die das Kerzenlicht schimmert und dann die Gemäldereproduktionen mit der Dresdner Hofkirche vom Elbufer aus und einem Amor nach Mengs zum Leben erweckt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).
Auch für Waren aus der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin interessierten sich Renate und Tono Dreßen und legten sich etwa zwei Speiseteller mit Blütenband aus dem Hochzeitsservice für Prinzessin Luise von 1825 (Taxe je 2.000 bis 3.000 EUR) oder eine rund fünf Jahre jüngere goldene Kratervase mit umlaufendem Blumenband zu (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Friedrich Wilhelm III. beschenkte Generäle nach den napoleonischen Feldzügen mit dem „Feldherrnservice“. In Verbindung damit stehen mehrere Teile, darunter auch ein Teller mit antikem Helm samt Federbusch und Lorbeer- und Eichenkranz, um 1817/18 bei KPM produziert (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Bisher nicht publiziert ist ein Teller mit vier russischen Soldaten der Artillerie, die eben eine Kanone zünden und aufgrund ihrer Uniform sich recht genau in die Jahre 1805 bis 1807 datieren lassen. Das Besondere an ihm ist, dass auf der Fahne nicht wie üblich der Preußenadler, sondern der russische Doppeladler umlaufend nebst Lyra mit Füllhörnern prangt; daher gilt er als Einzelstück (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).
Zwei Berliner Privatsammlungen steuern weitere Porzellane bei, die Friedrich II. für die Ausstattung seiner Schlösser bei KPM bestellt hat, etwa das seltene und mit blauen Blumenbouquets bemalte Kaffee- und Teeservice in Reliefzierrat aus der Mitte der 1760er Jahre (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Aus der ersten kurzlebigen Berliner Porzellanmanufaktur von Wilhelm Caspar Wegely stammt eine Deckelvase mit Putto obenauf, an deren weißer Wandung bunte Blumen emporranken (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Für das friderizianische Rokoko stehen zudem ein Paar Wandleuchter mit floral wuchernden Armen aus vergoldeter Bronze, das Johann August Nahl d.Ä. um 1745 gegossen haben soll (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), zwei gleichaltrige Wandkonsolen in seinem Stil mit Blütengehängen und Drachenmotiven (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) oder eine vergoldete, mit Blumen und Bändern gezierte Toilettendose des Berliner Silberschmied Christoph Conrad Meyer um 1757/70 (Taxe 20.000 bis 24.000 EUR).
Neben den Konvoluten aus Sammlungszusammenhängen ist die Auktion nach Epochen aufgeteilt, nimmt zuerst die Zeit von Friedrich I. bis zu Friedrich Wilhelm II. und damit die Kunst vom Hochbarock bis zum beginnenden Klassizismus in den Blick. Die ältesten Objekte datieren in die Jahre um 1700 und führen drei silberne Münzbecher der Berliner Meister Jochim Sigismund Meissner und Georg Konrad Kressel für Schätzungen zwischen 3.000 und 6.000 Euro sowie eine hexagonale Tischuhr von David Nicolaus Albrecht für 17.000 bis 19.000 Euro an. Einige Jahrzehnte jünger sind ein ovale Schatulle mit Tierdekor auf rotem Lackgrund, die Andreas Völkert um 1720/30 zugeschrieben wird (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), und eine schlesische, wohl Breslauer Kommode um 1730/40 mit geschwungener Front und Seiten, auf denen sich kleine Elfenbeinintarsien verstreut von der braunen Marketerie aus Nussholz, Palisander und Mahagoni abheben (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Am Ende des Abschnitts steht das schon klassizistisch strenge Girandolenpaar mit geschwungenen Kandelaberaufsätzen des Berliner Silberschmieds August Ferdinand Gentzmer um 1790 (Taxe 5.000 bis 5.500 EUR).
Die allseits beliebte Königin Luise von Preußen eröffnet den zweiten Teil von Friedrich Wilhelm III. zu Friedrich Wilhelm IV. Der Meininger Maler Johann Heinrich Schröder zeigt ihre zarte Gestalt mit weißem Chemisenkleid und blauem Umhang im Profil (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Als Silhouette tritt Luise nochmals in weißem Biskuitporzellan mit ihrer Familie auf preußisch-blauem Fond an. Der Tondo mit den Reliefbildnissen wurde bei KPM um 1815 nach Vorlagen Leonhard Poschs gefertigt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Zur Wohnraumausstattung des Klassizismus gehört ein geschmackvoller Klappsekretär aus Mahagoni und Pflaume, den wohl Johann Gottlob Fiedler um 1790/95 zurückhaltend mit vergoldeten Beschlägen und einer weiß-blauen Porzellanplakette verziert hat (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Etwas mehr macht ein Gueridon mit Bogenzarge und drei Delphinstützen um 1820 her (Taxe 22.000 bis 25.000 EUR). Noch prunkvoller ist eine Deckenkrone wohl aus der Manufaktur Werner & Mieth mit reichem Glasprismenbehang um 1797/1815, die einst bei den Fürsten von Hohenlohe-Langenburg in ihrem Anwesen in Nizza hing und nun mit 60.000 bis 80.000 Euro die Offerte anführt. Wem dies zu teuer ist, kann auf einen halbreisförmigen Tischleuchter von Werner & Mieth zurückgreifen, der, vor einen Spiegel aufgestellt, sich zu einer Tischkrone mit zehn Lichtquellen dupliziert. Er kostet nur ein Zehntel.
Der sitzende nachdenkliche Odysseus als Heimkehrer hat ebenfalls adelige Wurzeln und bezeugt als einziges überliefertes zeitgenössisches Werk den Skulpturenschmuck im ehemaligen Teesalon der Prinzessin Elisabeth. In Kooperation mit Karl Friedrich Schinkel arbeitete Christian Friedrich Tieck ab 1825 an einer Gruppe von 15 mythologischen Figuren, die den für kulturelle Empfänge dienenden Salon im Berliner Schloss zierten. Die bei Lempertz für 18.000 bis 25.000 Euro angebotene Zinkplastik wurde in den 1840er Jahren bei Albert Meves in Berlin gegossen. Skulptural bleibt es mit der idealisierten Büste einer jungen Frau mit Lorbeerkranz, die Eduard Mayer 1845 in Rom aus weißem Marmor schlug (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Zum Porzellan geht es nochmal mit zwei Bildern aus den späten 1830er Jahren, die mit der Bauakademie und dem Direktionsgebäude des Neuen Packhofes nach Carl Daniel Freydanck zwei Bauwerke Schinkels in den Blick nehmen (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), und mit einer KPM-Vase aus dem Jahr 1840. Sie wurde mit dem „Huldigungs-Festmahl der Stadt Berlin“ anlässlich der Krönung Friedrich Wilhelm IV. am Abend des 17. Oktober vor dem Königlichen Opernhaus bemalt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).
In diese Epoche gehört auch noch eine weitere Privatsammlung, die alleine knapp 200 Losnummern an Berliner Eisenkunstguss oft nur im dreistelligen Euro-Bereich beisteuert. Die Sammelleidenschaft des Niederländers C. Lith begann mit dem Erwerb einer großen Parure des ersten Viertel des 19. Jahrhunderts aus der Werkstatt von Johann Conrad Geiß, die nun wieder für 6.000 bis 8.000 Euro eine neue Trägerin finden will. Im Katalog schließt sich daran die Sammlung Elena Solovyeva aus Berlin an, die sich auf KPM-Porzellane aus der Zeit nach 1880 mit aufwendigen Emaildekoren sowie Maler- und Reliefemails am Übergang von Historismus zum Jugendstil konzentriert. Höhepunkte sind hier das hohe, noch traditionelle Vasenpaar nach einem Modell von Julius Wilhelm Mantel mit Puttenpaaren in Wolken und auffälligen Schlangenhenkeln um 1890 (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR) oder die schon modernere Enghalsvase mit Lotusblattdekor und transparenten Glasperlen von 1901 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).
Der letzte Teil des Katalogs gilt der Kaiserzeit und dem 20. Jahrhunderts. Wie strak man sich um 1900 der großen alten Zeiten vergewisserte, macht Cuno von Uechtritz-Steinkirchs Bronzefigur des Alten Fritz’ deutlich, der ein wenig müde auf seinem Pferd sitzt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Etwas forscher und fescher ist da schon der junge Husar zu Pferd, den Pierre-Nicolas Tourgueneff in den 1880/90er Jahren ebenfalls in Bronze schuf (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Eher die Schrecken des Krieges dokumentiert Emil Hünten in dem verwundeten Infanteristen „Nach der Schlacht bei den Düppeler Schanzen am 18. April 1864“, dem auch der siegreiche Prinz Friedrich Karl von Preußen in der Uniform der Zieten-Husaren zu Hilfe kommt (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Nicht ganz so martialisch, aber immer noch militärisch ist Adolph von Menzels Kreidestudie für das Portrait des Generalleutnants Hans Karl von Winterfeldt, den er in einem eher privaten Moment beim Binden einer Schärpe einfängt (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR).
Während sich Paul Schley 1885 bei seinem prunkvollen Deckelleuchter aus Porzellanarmen und -blumen in Weichmalerei noch dem Rokoko anschließt (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR), geht Adolph Amberg bei seinem bekannten Hochzeitszug 1908 stilistisch neue Wege und verbindet Klassizismus mit Jugendstil und Weltoffenheit. Mehre Teile daraus in unterschiedlichen Versionen, darunter die Kandelaber, die Jardiniere oder den Afrikaner mit Waldhorn, hat Lempertz für bis zu 4.000 Euro zu bieten. Die jüngsten Arbeiten datieren in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg; mit dabei sind hier zwei KPM-Vasen des Modells Kruke von Trude Petri, für die sich Sigrid von Unruh und Luise Charlotte Koch unterschiedliche Dekore in Streifen oder geschwungenen zerlegten Blättern in Feldern ausdachten (Taxe je 1.200 bis 1.400 EUR).
Die „Preußen Auktion“ findet am 24. April bei Lempertz in Berlin statt. Eine Vorbesichtigung ist nach vorheriger Anmeldung bis zum 22. April täglich von 11 bis 17 Uhr, am 23. April nach Vereinbarung möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.lempertz.com. |  | Kontakt: Kunsthaus Lempertz Poststraße 21-22 DE-10178 Berlin |
 | Telefon:+49 (030) 278 760 80 | Telefax:+49 (030) 278 760 86 |  |  | E-Mail: info@lempertz.com |  | Startseite: www.lempertz.com |
21.04.2021 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |  |
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 Andreas Völkert,
Andreas Völkert
zugeschrieben,
Schatulle mit
Tierdekor, um
1720/30 |  | Taxe: 5.000 - 6.000 EURO Losnummer: 117 |  |  |  |  |  | 
 Johann August Nahl
d.Ä., Johann August
Nahl d.Ä.
zugeschrieben, Paar
Wandleuchter, um
1745 |  | Taxe: 6.000 - 8.000 EURO Losnummer: 146 |  |  |  |  |  | 
 Karl Friedrich
Schinkel, Karl
Friedrich Schinkel
zugeschrieben,
Tischleuchter zur
Aufstellung vor
einem Spiegel, um
1800 |  | Taxe: 6.000 - 8.000 EURO Zuschlag: 15.000,- EURO Losnummer: 215 |  |  |  |  |  | 
 Speiseteller aus dem
Hochzeitsservice
für Prinzessin
Luise, KPM, 1825 |  | Taxe: 2.000 - 3.000 EURO Zuschlag: 3.600,- EURO Losnummer: 60 |  |  |  |  |  | 
 Berlin, Gueridon mit
Bogenzarge, wohl um
1820 |  | Taxe: 22.000 - 25.000 EURO Losnummer: 217 |  |  |  |  |  | 
 Teller aus einem
Feldherrnservice,
KPM, um 1817/18 |  | Taxe: 6.000 - 8.000 EURO Losnummer: 71 |  |  |  |  |  | 
 Breslau, Kommode,
wohl um 1730/40 |  | Taxe: 15.000 - 20.000 EURO Zuschlag: 28.000,- EURO Losnummer: 123 |  |  |  |  |  | 
 Vase mit der
Königshuldigung
Friedrich Wilhelms
IV., KPM, um 1840 |  | Taxe: 8.000 - 10.000 EURO Zuschlag: 8.500,- EURO Losnummer: 236 |  |  |  |  |  | 
 Christian Friedrich
Tieck, Sitzender
Odysseus, 1825/27 |  | Taxe: 18.000 - 25.000 EURO Zuschlag: 20.000,- EURO Losnummer: 222 |  |  |  |  |  | 
 Johann Gottlob
Fiedler, Johann
Gottlob Fiedler
zugeschrieben,
Klappsekretär,
Berlin 1790/95 |  | Taxe: 25.000 - 35.000 EURO Losnummer: 220 |  |  |  |  |  | 
 Kratervase mit
Lithophanie als
Nachtlicht, Meißen,
um 1830/40 |  | Taxe: 8.000 - 10.000 EURO Zuschlag: 8.000,- EURO Losnummer: 90 |  |  |  |  |  | 
 Speiseteller aus dem
Hochzeitsservice
für Prinzessin
Luise, KPM, 1825 |  | Taxe: 2.000 - 3.000 EURO Zuschlag: 3.600,- EURO Losnummer: 61 |  |  |
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