Ingvild Goetz wird 80  |  | Kunst ist ihre große Leidenschaft: Ingvild Goetz wird 80 | |
Die angesehene Kunstsammlerin Ingvild Goetz feiert heute ihren 80. Geburtstag. Da alle größeren Festlichkeiten der Pandemie zum Opfer fallen, wird die Jubilarin mit dem Kurzfilm „Kunst ist meine große Liebe“ geehrt, der auf der Homepage der von ihr initiierten Münchner Sammlung hochgeladen wurde. 1941 im westpreußischen Kulm als Tochter Werner Ottos, des Gründers des Versandhauses Otto, geboren, studierte Goetz politische Wissenschaften. Ihre Leidenschaft für das Sammeln zeitgenössischer Kunst setzte in den 1960er Jahren mit der Gründung des Grafik-Verlages „art in progress“ ein. 1972 eröffnete sie in Zürich ihre erste Galerie und nahm an der jungen Art Basel teil. Ein Jahr darauf zog sie nach München in die Maximilianstraße um. Dort bot Ingvild Goetz heute namhaften Künstlern wie Christo, Jannis Kounellis und Sol LeWitt Raum.
Nachdem sie 1984 einen Teil des Familienvermögens erhalten hatte, widmete sie sich ausschließlich ihrer Sammlung. Frühe Schwerpunkte bildeten dabei Vertreter der Arte Povera und die Werke amerikanischer Künstler, wobei Ingvild Goetz auch Wert auf Schöpfungen von Künstlerinnen legte. Später folgten dann Arbeiten der Young British Artists sowie der Gruppe Gutai, der ersten modernen japanischen Künstlerbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg. Darüber hinaus erweiterte sie ihren Bestand mit Kunst aus Italien nach 1950 und Einzelwerken deutscher Künstlerinnen. Seit 1993 steht der Öffentlichkeit ein Bau der Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron mit ihrer privaten Sammlung in München-Oberföhring zur Verfügung. Hier sind unter anderem Arbeiten von Giulio Paolini, Hanne Darboven, Brice Marden, Annalies Klophaus, Neil Jenney, Michael Buthe, Jürgen Klauke und Mario Schifano zu sehen.
Den Münchner Institutionen hilft Goetz immer wieder mit Leihgaben aus, so gegenwärtig dem Haus der Kunst bei „Cyrill Lachauer – I am not sea, I am not land“ und der Pinakothek der Moderne mit „Au rendez-vous des amis“. Für ihr Engagement erhielt Ingvild Goetz bereits zahlreiche Preise, unter anderem den Kulturpreis „München leuchtet“, den Art Cologne-Preis und die Ehrenmitgliedschaft der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Seit 2019 ist sie Vorsitzende des Kuratoriums der Pinakothek der Moderne. Mit rund 4.700 Kunstwerken, darunter Fotografien, Arbeiten auf Papier, Skulpturen, Gemälde, Installationen und Videos besitzt sie eine der größten privaten Sammlungen zeitgenössischer Kunst in Deutschland. 2013 schenkte sie den Medienkunstteil ihrer Kollektion und das Museumsgebäude dem Freistaat Bayern und stellt die anderen Werke bayerischen Museen als Leihgabe zur Verfügung. „Für mich ist die leidenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk entscheidend. Man muss mit Herzblut herangehen“, beschrieb die Sammlerin in einem Gespräch mit dem Münchner Merkur ihr Leitbild. |