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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

116 mal Fotografie bei Grisebach in Berlin: Die Highlights

Rätselhafte Schönheiten



Ernest James Bellocq,  Storyville Portraits. New Orleans, um 1911/13

Ernest James Bellocq, Storyville Portraits. New Orleans, um 1911/13

1966 griff der amerikanische Fotograf Lee Friedlander bei einem Kunsthändler zu und kaufte 89 Glasnegativplatten aus dem Nachlass Ernest James Bellocqs. Von seinem vorher unbekannten Schatz fertigte er wenig später erste Abzüge an. Entdeckt hatte er die „Storyville Portraits“, die Bellocq einen späten Ruhm einbringen sollten: Um 1911/13 holte dieser Prosituierte des gleichnamigen Vergnügungsviertels von New Orleans vor seine Linse. Teils maskiert, teils deutlich erkennbar, mal lasziv nackt und mal bekleidet, geben Frauen bis heute Rätsel auf. Denn Bellocq zerbrach manche der Platten oder zerkratzte die Gesichter der Dargestellten bis zur Unkenntlichkeit. Wer eine archaische Anonymisierung erwartet, hat jedoch weit gefehlt: Auf anderen Abzügen sind dieselben Damen wieder zweifelsfrei zu identifizieren. Bellocq selbst hat seine Serie kaum jemandem gezeigt. Erst das New Yorker Museum of Modern Art erkannte ihren Wert und widmete den Bildern 1970 eine eigene Ausstellung. Elf Silbergelatineabzüge der 1970er Jahre aus einer rheinischen Privatsammlung sind nun bei Grisebach zu haben, und deren verruchte sowie mysteriöse Geschichte soll heute 40.000 bis 60.000 Euro einbringen.


Wenn das Berliner Auktionshaus am 9. Juni seine Streiflichter auf die Fotografiegeschichte verkauft, stehen jedoch nicht nur die eigenen Profite im Vordergrund. Unter den Prunkstücken des Abends verbergen sich einige Stücke, die als Charity-Lose über das Auktionspult wandern sollen. Das älteste darunter ist Sebastião Salgados dicht von Arbeitern bevölkerte riesige „Brasil. Gold Mine, Serra Pelada“ von 1986, die wie kleine Ameisen menschenunwürdig nach Gold schürfen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Seine Südamerika-Reisen brachten Salgado auch zu einem Wal, und er drückte 2005 im richtigen Moment den Auslöser, als die monumentale Heckflosse das Wasser unter sich mit nach oben zieht. Wie bei der Miene handelt es sich um einen letztjährigen Abzug (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Der Erlös beider Fotos kommt der Wim Wenders Stiftung zugute, die das Lebenswerk des Filmemachers erforscht und der Öffentlichkeit erhält. Eine Arbeit Liu Bolins unterstützt die Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. In seiner fortlaufenden Serie „Hiding in …“ nimmt der Chinese auch die schützenswerte Berliner Kirche in den Fokus und stellt die tiefblaue Glasfenster von Gabriel Loire ungewohnt nah heraus. Das große Format von 2017 lässt auf 7.000 bis 9.000 Euro hoffen.

Reizvoll abweisende Räume

Ansichten besonderer Innen- und Außenräume sind diesmal bei Grisebach besonders qualitätvoll vertreten. Darunter sticht Thomas Struths schwarzweißer Abzug „West 44th Street New York“ von 1978 hervor, wobei sich die Straße zwischen den Hochhäusern der Metropole scheinbar zentral in die unendliche Tiefe zieht (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Für den zweithöchsten Zuschlag des Abends soll Lewis Baltz sorgen. Für sein starkes Hochformat „Piazza Pugliese #2“ in einem Leuchtkasten aus der Serie „Generic Night Cities (and others)“ von 1991, in dem nur einige Autolichter und Straßenlaternen das Tiefblau der Nacht durchbrechen, sind 30.000 bis 40.000 Euro gefordert. Distanziert kühl ist seine flächige Aufnahme aus der Forschungseinrichtung CERN in Genf, die in der Serie „89-91 Sites of Technology“ erschien und vor einer strahlend blauen Wandverkleidung einen weißen Schaltschrank in die Mitte rückt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Prachtvoller sind da die Kronleuchter, die sich im glatt polierten Holzboden des „St. George’s Room, Kremlin, Moscow, Russia“ von Robert Polidori aus dem Jahr 2005 spiegeln; trotz des Prunks gibt sich auch hier der Saal eher abweisend (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Eisige Kälte spricht aus Axel Hüttes weiß-hellblauen C-Print der norwegischen Gletscherlandschaft „Folgefonnbreen“ der Serie „North/South“ von 2000 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Die selbe menschenleere unendliche Weite evoziert Harry Callahan mit seinem Silbergelatineabzug des Sandstrandes von „Cape Cod“ aus dem Jahr 1972 (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Zwei Arbeiten des Klassikers William Eggleston, ein verrostetes Blechschild mit der Aufschrift „H. C. VARNER GRO.“ von 1970 und eine Fotografie geschlossener undurchsichtiger Fenster eines Backsteinbaus in Memphis, Tennessee, von 1973, offeriert Grisebach innerhalb der Auktion „Ausgewählte Werke“ am Folgetag für jeweils 10.000 bis 15.000 Euro.

Wege zwischen Surrealismus und Abstraktion

Mit seinen Fotogrammen fand Man Ray über den Surrealismus früh Wege in abstraktere fotografische Darstellungsformen. In seiner nach ihm benannten Methode der „Rayographie“ drapierte er 1922 einen Filmstreifen und einen Kreisel und 1924 unter anderem eine Pistole mit Buchstaben-Spielsteinen auf den lichtempfindlichen Träger. Beide Abzüge vom Originalnegativ entstanden 1963/67 und sollen je 7.000 bis 9.000 Euro kosten. Als Vintage ist eine Komposition Otto Steinerts im Angebot, der sich 1948 derselben Technik bediente. Mit Bällen formte er Kreise und Ovale, die ineinandergreifen und damit an die Ungegenständlichkeit heranreichen (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Eher grafisch und linienbetont sind sein „Verspielter Punkt“ ebenfalls von 1948 und sein „Luminogramm II“ von dem Lampen der Place de la Concorde aus dem Jahr 1952 (Taxen je 5.000 bis 7.000 EUR).

Richard Oelze lässt in seinem Vintage eines surrealen Doppelbildnisses von etwa 1925 einen Mann und eine Frau zu einem chimärenhaften Wesen verschmelzen (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Mit verschiedenen Belichtungen experimentierte in dieser Zeit Heinz Hajek-Halke. Während die „Eisenbahnsignalmasten“ vor einem Sonnenuntergang fast noch in realer Szenerie erscheinen, hinterfängt sie im zweiten Abzug des Konvoluts eine Roulette-Scheibe, was den Titel „Glückliche Fahrt ins Neue Jahr“ unterstreicht (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Eine abstrahierend anmutende Gesamtstruktur schuf 1995 Hiroshi Sugimoto, der in seinem Schwarzweiß-Bild aus dem Tempel „Sanjusangen-do (Hall of Thirty-Three Bays)“ Buddha-Köpfe mit Strahlengloriolen so ablichtete, dass sie ein geometrisches Netz der heiligen Figuren in der Serie „Sea of Buddha“ ergeben (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Alltägliches?

Dem Alltäglichen Besonderes zu entlocken, macht ein geschultes Fotografenaugen aus. 1953 half dem Italiener Mario De Biasi dafür eine Menge Männer, die am Straßenrand gebannt zu einer nur rücklings zu sehenden, auf sie zuschreitenden Schönheit in einem weißen Kleid blicken (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Gewohnt scheint zunächst der Mann bei Duane Michals, der schick gekleidet vor einem Teller sitzt. Auf den zweiten Blick fällt bei der Sequenz aus neun Fotografien allerdings auf, dass dieser Geld verspeist. Die Serie „Eating Money“ um 1980/81 hat damit noch heute kapitalismuskritische Relevanz (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Mit einer gewissen Dekadenz wird auch der Golfsport verbunden. Larry Sultan gab ihm noch eine komische Note mit, indem er einen älteren Herrn beim Üben in ein mit Kunstrasen ausgelegtes Wohnzimmer drapierte. „Practicing Golf Swing“ aus der Serie „Pictures from Home“ von 1986 soll ebenso 7.000 bis 9.000 Euro einspielen. Etwas hochpreisiger ist mit 15.000 bis 20.000 Euro noch sein Mann namens „Antioch Creek“ unter einem rosafarben blühenden Baum aus der Serie „Homeland“ von 2008 veranschlagt, der von einem illegal in Kalifornien arbeitenden mexikanischen Tagelöhner in einer traumhaften melancholischen Idylle handelt und wiederum bei den „Ausgewählten Werken“ zu erwerben ist. Das Blütenmotiv wiederholt sich als schwarzweißes Stillleben bei Nobuyoshi Araki. Dieser Schönheit der Natur steht in der zweiteiligen Arbeit kontrastreich eine gefesselte und gepeinigt wirkende Frau in Reizwäsche gegenüber. Beide Unikate übermalte der Japaner 2008 mit je einem gestischen Acrylstrich (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Grisebach versteigert die Fotografie am 9. Juni in Berlin ab 18 Uhr. Eine Vorbesichtigung ist zum 7. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr und am 8. Juni von 10 bis 15 Uhr möglich. Alle Lose stehen zudem unter www.grisebach.com zur Ansicht bereit.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com

Startseite: www.grisebach.com



02.06.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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