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Ruhr-Ding: Klima vollständig geöffnet

Mariechen Danz und Kerstin Brätsch, Clouded in Vain, 2021

Mit dem Ausstellungsteil am Silbersee II in Haltern ist die Schau „Ruhr Ding: Klima“ im Ruhrgebiet seit dieser Woche nun komplett zu sehen. Unter diesem Titel behandeln an vier Orten – zudem in Gelsenkirchen, Herne und Recklinghausen – insgesamt 22 ortsspezifische Kunstwerke die Erderwärmung und das soziale Klima. Mit den Videoinstallationen, Audiowalks, Performances, skulpturalen Interventionen, künstlichen botanischen Landschaften oder schwimmenden Pavillons wollen die Künstler den miteinander verwobenen ökologischen und gesellschaftlichen Aspekten des Umweltdiskurses eine historische, fantastische und futuristische Dimension beifügen. So haben Mariechen Danz und Kerstin Brätsch am Silbersee ihre Sandskulptur „Clouded in Vain“ aufgeschichtet, die Dinosaurier, Fossilien und Organe, aber auch den Menschen als Spuren und Ergebnisse klimatischer Bedingungen und evolutionärer Prozesse vergangener Zeiten verbindet. Zwischen dem regulären Badestrand und dem FKK-Bereich des Sees steht Kasia Fudakowskis Installation „Climate Changing Room“, eine filigrane Umkleidekabine mit beweglichen Feigenblättern, die wenig verbirgt.

Dier vier Standorte widmen sich unterschiedlichen Aspekten des Themas. Im Heimatmuseum Unser Fritz der Stadt Herne präsentieren die Kuratoren Ralf Piorr und Katrin Lieske die Schau „Automobilism. Urbane Räume im Wandel“. Es geht um die Stadtentwicklung und den Fokus einer autogerechten Stadt ab den 1960er Jahren. Im Stadtraum ist dazu etwa noch die Videoarbeit „Geisterspiele“ der Netzkunst-Pionierin Natalie Bookchin in den Mitte der 1970er Jahre fertiggestellten Wohntürmen an der Kreuzkirche zu sehen, in der die New Yorkerin auf die leergefegten Straßen und verwaisten Innenstädte während der Corona-Pandemie eingeht. Den Menschen hinter diesen Transformationsprozessen widmet sich Silke Schönfelds Filminstallation „Family Business“ und zeichnet die Nutzung der ehemaligen McDonald’s-Filiale in der Herner Innenstadt und ihrer Besitzerfamilie Vossen vom ursprünglichen Haushaltswarenladen über eine der ersten Filialen der Schnellrestaurantkette im Ruhrgebiet bis zum heutigen Bandproberaum nach.

In Recklinghausen hat Monster Chetwynd ein ehemaliges Kiosk am Bahnhof von Fledermäusen in Besitz nehmen lassen. Mit ihrem „Futurology Kiosk“ spielt die britische Künstlerin auf die in sozialer und ökologischer Hinsicht vorbildhaften Tiere an, die jedoch durch die Corona-Krise als Virusüberträger wieder vermehrt in Verruf gekommen sind, was nicht zuletzt in ihrer Superimmunität begründet liegt. Unter dem Titel „Inverted Mine“ inszeniert Johannes Büttner in der Weißkaue der Zeche General Blumenthal aus surrenden Ventilatoren und auf dem Kopf stehenden Skulpturen eine kinetische Gesamtinstallation, geht den Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Natur und Technik nach und untersucht, wie die durch den Bergbau gewonnen Rohstoffe und technologischen Entwicklungen etwa erst den Hochhausbau möglich machten. Die Kunsthalle Recklinghausen steuert anlässlich der Ruhrfestspiele die Ausstellung „Clouded in Veins“ von Mariechen Danz bei. Sie nimmt die (Un-) Möglichkeiten der Kommunikation und des Wissenstransfers als Ausgangspunkt und stellt den menschlichen Körper ins Zentrum ihrer Arbeit. Ihre Skulpturen, Zeichnungen, Kostüme und Performances untersuchen Möglichkeiten und die Begrenztheit der Sprache, die Lesbarkeit von Zeichen und ihrer hierarchische Systeme.

Mit dem Thema Tierpräparation wartet das audiovisuelle Werk „Der lange Abschied“ des Duos Alisa Hecke und Julian Rauter als eine Art Andachts- und Erinnerungsraum auf, den sie gemeinsam mit dem Szenografen Franz Thöricht in einem 1950er Jahre-Pavillon in Gelsenkirchen eingerichtet haben. Dazu haben sie neues Recherchematerial im Ruhrgebiet gesammelt und machen darauf aufmerksam, dass im Hinblick auf das zunehmende Artensterben der Taxidermie als Mittel der Naturgeschichtsschreibung eine besondere Rolle zukommt.

Die von Britta Peters für Urbane Künste Ruhr konzipierte Ausstellung „Ruhr Ding: Klima“ läuft bis zum 27. Juni. Die diversen Orte sind jeweils mittwochs bis samstags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Abgesehen von der Schau in Recklinghausen und am Silbersee II ist der Eintritt ist frei. Für den Besuch ist jedoch eine online-Buchung vorab für das kostenfreie Tagesticket notwendig: www.ruhrding.de/tickets. Für einen Besuch in der Kunsthalle Recklinghausen, dem Heimatmuseum Unser Fritz in Herne und am Silbersee II muss eine separate Buchung stattfinden: www.kunsthalle-recklinghausen.de, https://silbersee2.de und in Herne über die Service-Hotline: 02325 /75255. An einigen Orten ist die Vorlage eines negativen Corona-Tests nötig.

Übergreifende Informationen zum Programm und den Standorten:


Infos: www.ruhrding.de


04.06.2021

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Veranstaltung vom:


02.05.2021, Mariechen Danz – Clouded in Veins

Veranstaltung vom:


08.05.2021, Ruhr Ding: Klima

Bei:


Kultur Ruhr GmbH

Kunstsparte:


Film und Video

Kunstsparte:


Installationskunst

Kunstsparte:


Skulptur

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Bericht:


Das Ding an sich

Bericht:


Keine Abkühlung, nirgends








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