 |  | Brosche „Retour d’Egypte“, Janesich, Paris um 1925 | |
1922 entdeckte Howard Carter das Grab des Tutanchamun im Tal der Könige. Die spektakuläre Auffindung der nahezu vollständig erhalten, kaum geplünderten Begräbnisstätte durch den britischen Ägyptologen löste in Europa nach der napoleonischen Ära eine zweite große Ägyptomanie aus. Von der Kleidung über Architektur bis zur Innenraumgestaltung prägte der „Neuägyptische Stil“ den Geschmack. Auch der Pariser Juwelier Janesich konnte sich dem nicht entziehen und legte 1925 die Brosche „Retour d’Egypte“ auf. Das Familienunternehmen, das 1835 von Leopoldo Janesich in Triest gegründet wurde und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert mit Dependancen in Frankreich, Monaco und England eines rasanten Aufschwung nahm, stand mit seinen Art Déco-Kreationen auf dem Höhepunkt und schuf die elegante Schmuckspange aus einem mit Saphiren, Rubinen, Onyxcabochons und 63 Diamanten besetzten Schnallenmotiv, das von einem breit gefächerten Lotosblatt bekrönt wird. In der Schmuckauktion bei Lempertz in Köln war sie eines der begehrten Stücke: Elf Interessenten an den Telefonen trieben ihren Wert von 8.000 Euro auf 32.000 Euro.
Das Augenmerk der Kundschaft lag bei der zweitätigen Versteigerung Anfang Juni vor allem auf dem Schmuck und einer Sammlung von Mörsern. Von den etwas über 260 Geschmeiden nahm sie am 2. Juni knapp 80 Prozent mit; den Bruttoumsatz von rund 960.000 Euro bezifferte Lempertz als über 100 Prozent der Gesamttaxe. Dazu trug die Sammlung aus dem Nachlass des Frankfurter Schmuckhändlers Günter Kauth einiges bei, die vor allem mit antiken oder nach der Antike gefertigten Pretiosen besetzt war: Eine weiß-braune Gemme des ersten Jahrhunderts nach Christus mit einem Gryllos, einem grotesken tierischen Mischwesen, die in einem neuzeitlichen Goldring gefasst war, kletterte von 1.200 Euro auf 13.000 Euro, ein Siegelring nach hellenistischem Vorbild mit einem Widderkopf wohl aus dem 19. Jahrhundert gar von 800 Euro auf 17.000 Euro.
Der Künstlerschmuck bildete wieder einen eigenen Schwerpunkt der Versteigerung. Den größten Erfolg verbuchte hier ein Paar kreisrunder, wasserblauer Ohrgehänge des Münchner Juweliers Hemmerle aus Aquamarinen und kleinen Chalcedonperlchen bei 22.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Aber auch der moderne „Rosenkranz III“, den der Karlsruher Schmuckkünstler Otto Jakob 2006 aus korallenroten tropischen Samen, Goldringen und -zapfen, silbernem Flechtmotiv, Hundekopf und schwarzem Holzkreuz kombinierte, ließ sich bei 14.000 Euro nicht lumpen (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR), ebenso wenig der bunte Armreif mit Multicolorsteinen des Darmstädters Theodor Hahn von 1967 bei 14.500 Euro (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Der moderne Schmuck trumpfte etwa mit einem amerikanischen Cartier-Ring aus Platin und einem strahlend blauen natürlichen Ceylonsaphir von rund 14 Karat bei 36.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) oder einer wandelbaren Blumenbrosche des Züricher Juweliers Binder aus den 1950er Jahren bei taxgerechten 30.000 Euro auf, deren zentraler Burmarubin sich gegen einen flaschengrün bestrahlten Diamanten austauschen lässt.
Kunstvolle Mörser aus der Schwarzach-Collection
Die Liebhaber kunstvoll gestalteter Reibschalen kamen bei der Versteigerung des dritten Teils der Mörser-Sammlung Schwarzach, benannt nach ihrem Entstehungsort im Odenwald, wieder auf ihre Kosten. Von den gut 150 Positionen nahmen sie 81,5 Prozent mit und spülten brutto gut 388.000 Euro in die Kassen von Lempertz. Aus den zwanzig persischen Mörsern der historischen Region Khorasan östlich des Kaspischen Meeres, die zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert datiert waren, ragte ein frühes Exemplar mit Tropfenauflagen, Silbereinlagen, Vogelmotiven, Kalligrafiebändern und dazugehörigem Pistill für 10.500 Euro heraus (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). 37 Einhenkel-Mörser aus dem 15. Jahrhundert stammten zumeist aus Nürnberg und Umgebung. Ein besonders imposanter Vertreter dieses Kapitels mit Akanthusblattrelief ging bei 15.000 Euro in den englischen Handel (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Ein gotischer Zweihenkelmörser auf vier Tatzenfüßen, wohl ebenfalls aus Nürnberg, erzielte 13.000 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).
Neben französischen Mörsern der Renaissance, darunter einem kleinen Exemplar mit gefalteter Wandung und bärtigen Maskarons als Handhaben für 5.500 Euro (Taxe 500 bis 800 EUR), listete der Katalog auch wieder niederländische und niederrheinische Zerkleinerer. Ein Fokus lag hier auf den Erzeugnissen der Gießerfamilie Hachmann aus Kleve. Sie reüssierte mit einem goldbraunen Bronzeguss von 1550 samt zoomorphen Griffen und den Namen der Auftraggeber bei 3.600 Euro oder mit einer vergleichbaren Ausführung samt laufendem Hund und Hasen und zwei Sinnsprüchen in gotischen Minuskeln bei 4.600 Euro (Taxe je 3.000 bis 3.500 EUR). Ein musealer Mörser aus anderem Privatbesitz, den Albert Hachmann 1548 mit gewundenem Perlband, geflügelten Halbfiguren samt vakantem Wappenschild, Wolfsköpfen als Handhaben und der Datierung samt Hund, Hase, Sonne und Blüte verzierte, wanderte bei taxgerechten 19.000 Euro in eine niederländische Sammlung.
Kunstgewerbe
In der Hauptauktion, die sich bei einer losbezogenen Verkaufsrate von 65,25 Prozent insgesamt gut behauptete, gab es doch einige deutliche Ausfälle, vor allem bei den Anwärtern auf die Spitzenposten. So blieben sowohl der aus Obstholz geschnitzte „Baseler Büttenmann“, ein Werk des Goldschmieds Hans Heinrich Oberried und eines Bildhauers mit dem Monogramm „HS“ aus der Zeit um 1660, trotz adeliger Provenienz bei 80.000 bis 90.000 Euro, als auch die eindrucksvolle rund 30 Zentimeter hohe Elfenbeinplastik des Herkules im Kampf mit der Hydra aus dem süddeutschen oder österreichischen Raum trotz C14-Datierung auf die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts bei 120.000 bis 150.000 Euro ohne Kaufinteresse. An erster Stelle behauptete sich daher das silberne Scherztrinkgefäß in Form einer kleinen Kanone des Nürnberger Meister Johann Eißler um 1665/80 mit einem kleinen konischen Tummler in der Mündung bei taxgerechten 34.000 Euro.
Die Silberauswahl bei Lempertz war wieder bedeutend, mit 232 Positionen gut bestückt und schlug sich mit einer Verkaufsquote nach Losen von 62 Prozent bewährt. Ein spätgotischer Messkelch, um 1500 in Halberstadt für den Domherrn Johannes von Mahrenholtz geschaffen und für die St. Georgskapelle zu Gifhorn bestimmt, machte sich gleich zu Beginn bei 21.000 Euro davon (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Aus Augsburg folgten eine Renaissance-Schale mit Fruchtgebinden, Beschlag- und Rollwerk, Cherubköpfen und einer Landschaft mit springendem Hund von Hans Lutz I. um 1600 bei 10.000 Euro (Taxe 11.000 bis 14.000 EUR) oder ein Birnpokal von Jeremias Flicker II. aus der Mitte der 1620er Jahre mit Schweifwerk und filigranem Schmeck bei 16.000 Euro (Taxe 15.000 bis 17.000 EUR). Melchior Burtenbach stellte eine gut 30 Jahre jüngere sechspassige Schraubflasche mit fein ziselierten Barockblumen für 14.000 Euro an der oberen Schätzgrenze zur Verfügung, Matthäus Baur III. eine hohe vergoldete Régence-Schale um 1725/30 mit Bandelwerk und Portraitmedaillons für 4.300 Euro (Taxe 3.800 bis 4.000 EUR).
Vielfältige Silberwelten
Bei den Nürnberger Kollegen überzeugten Hans Wolf Hager mit seinem Deckelhumpen in Kürbisform und großflächig verteilten Blumen um 1661/64 bei taxkonformen 11.000 Euro und Georg Müllner mit seinem hohen Fassbecher aus den 1620er Jahren bei 6.500 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), während der Akeleipokal von Philipp Plappert um 1643/46 bei 18.000 bis 20.000 Euro wieder seine Heimreise antreten musste. Geteilt war auch der Zuspruch für Leipziger Silberwaren. Johann Paul Schmidts reich mit Tropaia und Imperatorenmedaillons dekorierte sechseckige Schraubflasche vom Ende des 17. Jahrhunderts fand kein Gefallen (Taxe 28.000 bis 30.000 EUR), Balthasar Lauchs Deckelbecher mit der Löwenjagd einiger Muselmanen um 1685 verabschiedete sich bei den erwarteten 7.000 Euro. Höhepunkt einer norddeutschen Sammlung mit Straßburger Silbers war der Magistratsbecher der Stadt Hagenau von Johann Ludwig Imlin I. aus dem Jahr 1698 bei 19.000 Euro (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR), gefolgt von einem Lederkasten mit einem umfangreichen 73teiligen vergoldeten Dessertbesteck von Jacques-Henri Alberti aus dem Jahr 1772 bei 15.000 Euro (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR).
Der Klassizismus war dann mit zwei ansehnlichen Deckelterrinen erreicht. Gottlieb Benjamin Vogtmann führte in Breslau seine noch etwas schlichtere Version 1776/78 für 8.000 Euro mit Zapfenknauf aus (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR), in Dorpat – heute Tartu in Estland – Johann Gustav Löwström um 1805 seine große Terrine mit Lorbeerkranz und Palmettenzier für 14.000 Euro, gut hundert Jahre später noch ergänzt durch einen passenden Présentoir aus der Maison Odiot in Paris (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Das moderne Silber hatte etwa einen ausgefallenen Fischheber der Manufaktur Magnus Aase aus Bergen in Form eines Stachelrochens, wohl ein Entwurf Emile Hoyes um 1910, für 2.200 (Taxe 800 EUR) oder Johan Rohdes 1928 schlicht in runden Formen gestaltete Kaffeekanne No. 533 für 3.000 Euro zu bieten, die bei Georg Jensen in Kopenhagen ausgeführt wurde (Taxe 3.000 bis 3.400 EUR). Jensens bekanntes Service „Magnolia“, hier mit Kaffee- und Teekanne, Zuckerdose und Milchkännchen, blieb bei 7.000 bis 8.000 Euro indes stehen.
Porzellan aus Sammlungskontexten
Im Porzellansektor bediente sich die Kundschaft vor allem bei der Münsteraner Sammlung Renate und Tono Dreßen, die Lempertz schon seit Herbst vergangenen Jahres erfolgreich im Programm hat. Die jetzige Auswahl an Meißner Porzellanen vor allem mit Dekoren nach asiatischen Vorbildern und Blumenmalerei verzeichnete eine Zuschlagsquote von knapp 80 Prozent und lag damit deutlich über dem Auktionsdurchschnitt. Die Sammler umwarben eine verspielte Rokoko-Teekanne um 1739/40 mit Tasse und Untertasse in Schmetterlingsdekor mit 3.800 Euro (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR), einen etwas jüngeren Korb nach einem Modell von Johann Joachim Kändler mit Jahreszeitenmaskarons und ebenfalls flatternden Schmetterlingen mit 5.200 Euro (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).
Ein Koppchen mit Untertasse, bemalt mit einem „Fächerchinesen“ im Stil von Johann Ehrenfried Stadler, freute sich über einer Vervierfachung der Schätzung auf 2.000 Euro, der separate Deckel einer Terrine aus dem Deutschordensservice, belegt mit einer Zitrone und Blüten als Knauf, Mandeln, Zimtstange und Nelkengewürz, nach einem Modell von Johann Friedrich Eberlein über 3.200 Euro (Taxe 600 bis 800 EUR). Besonders beliebt waren bei der Sammlung Dreßen die von dem böhmischen Hausmaler Franz Ferdinand Mayer aus Pressnitz in der Mitte des 18. Jahrhunderts verzierten Stücke, darunter ein Koppchen mit Untertasse, bemalt mit Jägerin und Jäger, bei 4.800 Euro (Taxe 500 bis 800 EUR) und zwei Teller mit Hirsch- und Bärenjagd bei 8.000 Euro (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).
Aus einem Pfälzer Privatbesitz mit Meißner und Nymphenburger Waren pickten sich die Sammler bei einer Zuschlagsquote von 57,7 Prozent die Objekte gezielter heraus, etwa eine Terrine und Schale mit dem „Gelben Löwen“ um 1734/39 für 5.500 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) oder eine Schüssel aus dem Tafelservice für den Grafen Sulkowski mit prächtigem, von zwei Löwen gehaltenem Allianzwappen zum gleichen Preis (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Besonders begehrt waren Meißner Malereien mit Fabeltieren nach Ideen Adam Friedrich von Löwenfincks. In golden-purpurfarbener Ausführung stand es auf einer Landschaftsinsel und zierte damit die Spiegelmitte einer nun 3.600 Euro teuren Schale von etwa 1745 (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), in polychromem Dekor schnüffelte das zottelige Wesen auf einem Bodenstück an Sträuchern und schmückte mit Insekten und Streublumen eine Schüssel um 1739. Hier verdoppelte sich der Wert auf 8.000 Euro. Auch in einem Flechtkorb machte es sich das hundeartige Fabeltier für 6.000 Euro gemütlich und bewachte die Jahreszeitenmaskarons an den Henkelansätzen (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Highlight der pfälzischen Sammlung hätte eigentlich das um 1750 von Johann Joachim Kändler und Peter Reinicke modellierte, seltene „Ungarische Paar“ werden sollen. Doch bei einer Schätzung von 40.000 bis 60.000 Euro blieben die Gebote aus.
Ein bisher unbekanntes Relief mit einer Beweinung Christi, das in der Frühzeit der Meißner Manufaktur um 1710 im rotbraunen Böttgersteinzeug entstand, musste sich mit 18.000 Euro bescheiden (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Da taten sich bei den Porzellanen aus unterschiedlicher Provenienz die Produkte mit Chinoiserien nach Johann Gregorius Höroldt leichter: Eine Kumme mit zwei fernöstlichen Figurenszenen in Vierpasskartuschen schnellte von 2.500 Euro auf 12.000 Euro, ein vergleichbares Koppchen mit Untertasse gar von 1.300 Euro auf diesen Zuschlagswert. Eine Sakeflasche, deren Dekor aus goldenem Bandelwerk und Kartuschen mit chinesischen Szenen der Augsburger Hausmalerin Anna Elisabeth Auffenwerth um 1725 zugewiesen wird, gab sich mit 19.000 Euro zufrieden (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Keinen Abnehmer fand indes die repräsentative russische Vase aus der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg mit einer Reiterszene des Manufakturleiters Jacques François Joseph Swebach auf dem vergoldeten Fond (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).
Einige Lücken
Eine südeuropäische Privatsammlung, besetzt vorwiegend mit Kleinplastik aus Renaissance, Barock und Klassizismus, verfehlte ihre Wirkung. Von den 18 Positionen gingen nur vier weg, an erster Stelle die um 1820 in Rom gegossene Bronzegruppe eines Satyrs mit Zimbeln, der auf seiner Schulter einen kindlichen Dionysos trägt, bei taxkonformen 6.500 Euro. Ebenso erging es einer kleinen Kollektion mit sechs Schatullen aus der Werkstatt Abraham Roentgens. Nur sein schlichtes Kästchen für Tee mit konkav geschwungenem Deckel um 1755/60 machte sich ebenfalls bei 6.500 Euro davon (Taxe je 6.000 bis 8.000 EUR). Das Paradestück, ein vorzüglich restauriertes Schatullenpaar mit Rautenmosaik und Messingzier, hatte bei 120.000 bis 130.000 Euro vor allem das Nachsehen.
In der Möbelabteilung hielten sich ein frühbarockes Reisekabinett aus Süddeutschland oder Norditalien, um 1600 detail- und kontrastreich mit Blumenranken, Vögeln und Figuren aus Elfenbein in dem braunen Holz eingelegt, mit 10.000 Euro oder zwei Rokoko-Stühle in bewegten Muschel- und Rocaillenmotiven wohl aus Amsterdam um 1745/55 mit 7.000 Euro an ihre Vorgaben. Auf mehr Gegenliebe stießen einige Keramiken, darunter eine Raerener Sirupkanne von 1591 aus grauem Steinzeug mit teils blau gefärbtem Rollwerk für 5.700 Euro (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR) oder eine oktogonale Platte für einen Teetisch aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts für 16.000 Euro, die vielleicht in der Fayencemanufaktur Bayreuth im Régence-Stil mit Ranken- und Volutenbordüren, Akanthus und weiblichen Köpfen verziert wurde (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Bei den Fayencen taten sich zu den anvisierten Preisen eine Braunschweiger Teekanne um 1720 über oktogonalem Grundriss mit Adlerkopfausguss und Blüten- und Akanthusblattornamenten für 5.000 Euro oder das Paar Magdeburger Netzvasen mit Landschafts- und Figurenszenen in Rocaillekartuschen um 1765/80 für 4.000 Euro hervor.
Eine Bracket Clock, die der Londoner Uhrmacher John Monkhouse um 1760/70 rot lackierte und mit Chinoiserien vergoldete, konnte sich bei 9.000 Euro an der unteren Schätzgrenze durchsetzen. Kauflust löste beim alten Kunsthandwerk ein Messingleuchter in Gestalt eines Mannes des späten 16. Jahrhunderts aus, der seine Arme weit von sich streckt und mit ihnen die Kerzentüllen hält. Aufgrund seiner Renaissance-Kleidung könnte er in den südlichen Niederlanden produziert worden sein, aber auch eine Nürnberger Gießerei kommt in Betracht. Jedenfalls vervierfachte sich der Wert auf 32.000 Euro. Messing war ein Werkstoff, der auch Jean Dunand faszinierte. 1913 stellte er in Paris erstmals seine Vase „Genêts“ mit stilisierten Ginsterblütenstielen vor, die vom Kontrast zwischen den brünierten und goldenen Partien lebt und nun bei 26.000 Euro aus dem Saal wanderte (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Das Art Déco bezauberte die Anwesenden nochmals in Gestalt eines rot lackierten Sessels von Fritz August Breuhaus de Groot mit halbrunder, geometrisch durchbrochener Lehne und eingesetzten floralen Motiven in Gold zu 6.500 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |