Raffael und seine Wirkung in Hamburg  |  | Erwin Speckter zugeschrieben, Merkur schwebt vom Olymp herab, 1830/35 | |
Kein Künstler hatte vermutlich jemals so langanhaltend gute Presse, wie „il divino“ Raffael. Nach Giorgio Vasari mit allen Talenten und Gaben gesegnet, sorgte der in Urbino geborene Maler bereits zu Lebzeiten für die Verbreitung seiner genialen Schöpfungen. Zum 500. Todestag Raffaels haben die Kuratoren David Klemm und Andreas Stolzenburg rund 200 Druckgrafiken, Zeichnungen, Gemälde, Fotografien und Bücher aus dem Bestand der Hamburger Kunsthalle zusammengestellt, um die Verbreitung der Motive des führenden Kopfes der Hochrenaissance aufzuarbeiten. Ausgehend von den Stichen Marcantonio Raimondis läuft der Bilderbogen über die rezipierenden Zeichnungen Philipp Otto Runges bis zu einer Radierung des Italieners Raffaello Morghen, der die im Vatikan verwahrten „Transfiguration“ wiedergibt. Auch die genaue Reproduktion der „Schule von Athen“ in Form einer Gouache von Louis Jacoby ist mit von der Partie.
Den Glanzpunkt und den Blickfang der Exponate bilden fünf frisch untersuchte Blätter aus der Hand Raffaels, die aufgrund ihrer Empfindlichkeit nur selten in der Öffentlichkeit zu sehen sind, unter anderem ein runder Engelskopf, den Raffael um 1509 mit Kohle auf ein etwa Din A4 großes Blatt gebannt hat. Die Haarlocken und die Schatten beziehungsweise Schraffuren unterhalb des Kinns sind mit wenigen Strichen locker und flüchtig hingeworfen; einen scharfen Kontrast dazu bilden die festen Linien des pausbäckigen Gesichtes. Hier verschmelzen die einzelnen Striche zu einem plastischen und realistischen Gebilde aus Stupsnase, Augenbrauen und Mundpartie. So besticht Raffaels Zeichnung sowohl durch ihre „sprezzatura“, die Leichtigkeit, als auch durch ausgereifte detaillierte Natürlichkeit.
Die Ausstellung „Raffael. Wirkung eines Genies“ wurde coronabedingt um ein Jahr verschoben, läuft nun bis zum 3. Oktober und wird im Netz auf 1.500 Exponate erweitert. Die Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr unter den aktuellen Hygieneregeln geöffnet. Der Besuch mit Zeitfenstertickets wird empfohlen. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 8 Euro. Begleitend zur Präsentation ist ein ausführlich kommentierender, reich bebilderter Katalog mit 632 Seiten für 39 Euro im Michael Imhof Verlag erschienen.
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