Affenkunst in Bern  |  | Hippolyte de Boug d’Orschwiller, Affenkonzert | |
Das Kunstmuseum Bern präsentiert in seiner aktuellen Sommerschau „Affen in Menschengestalt“. Die Exponate stammen aus der Singerie-Sammlung der „Zunft zum Affen“, einer der ältesten Handwerksgesellschaften der Stadt, die heuer ihr 700jähriges Bestehen feiert. Die Gemälde präsentieren karikierende Genreszenen von Affen mit menschlichen Zügen. Die Bildgattung „Singerie“, zu Deutsch „Nachäfferei“, entwickelte sich Ende des 16. Jahrhunderts aus der flämischen Genremalerei, wobei nicht Menschen, sondern modisch gekleidete Affen auf Dorffesten, bei Tischgelagen oder in häuslichen Szenen agieren. Kuratorin Anne-Christine Strobel erklärt, dass dadurch der komisch-satirische Charakter der moralisierenden Darstellungen, die sündhafte Verhaltensweisen wie Trunksucht, Streit, Eitelkeit oder Kuppelei erörtern, gesteigert werden sollte.
Die Anfänge dieser humorvollen Parodien finden sich beim Kupferstecher Pieter van der Borcht I. um 1575 in einer Serie von Drucken, die sich rasch verbreiteten und andere Künstler inspirierten. Als Hauptvertreter gilt David Teniers d.J., der den Typus zusammen mit seinem jüngeren Bruder Abraham Teniers weiterentwickelte. Sie waren erfolgreich, da ihre prägenden Bildformeln wegen ihres Unterhaltungswerts großen Zuspruch fanden. Die Motive der Brüder Teniers wurden vielfach rezipiert und wirkten bis in die folgenden Jahrhunderte. Ein wiederkehrendes Thema ist das Motiv der Affen in einer Wachstube. Inmitten eines Raumes mit Kamin und Waffen spielen Affen in Soldatenkleidung Karten oder ein Brettspiel, diskutieren und rauchen. Ein weiteres beliebtes Sujet ist die Katze beim Affenfriseur, der sich um ihre Schnurrhaare kümmert.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts eroberten die Singeries Frankreich und waren vor allem in der dekoraktiven Kunst bevorzugt. Zu den bekanntesten Arbeiten gehören etwa die Wandmalereien von Christophe Huet im Château de Chantilly, Jean-Antoine Watteaus Gemälde „Der Affe als Bildhauer“ um 1710 oder Jean Siméon Chardins „Der Affe als Maler“ von 1740. Im 19. Jahrhundert finden sich weitere Vertreter der Gattung vorwiegend in Belgien und Frankreich, aber auch in England und Deutschland. Die Inspiration seitens der Singerie zieht sich bis in die Gegenwart und wird unter anderem von Banksy in seiner Street Art verwendet.
Die Ausstellung „Affen in Menschengestalt. Die Singeries der Zunft zum Affen“ läuft bis zum 29. August. Das Kunstmuseum Bern hat dienstags von 10 bis 21 Uhr sowie mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr nach den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Franken, ermäßigt 5 bis 7 Franken.
Kunstmuseum Bern
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