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Marktberichte |
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Nicht alles, was teuer und erlesen war, nahmen die Kunden in der Lempertz-Auktion der Sammlung Bernard De Leyes mit. Dennoch waren manche Preise überragend  Waschtag für die Geliebte des Königs

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 |  | Jean-Baptiste-François Chéret, Lavabogarnitur für den Marquis und die Marquise de Montmélas, Paris 1770 | |
Der dicke Katalog war aufwendig gestaltet und enthielt die exquisite Sammlung Bernard De Leyes. Der Brüsseler Kunsthändler gilt als einer der führenden Kenner auf dem Gebiet der Gold- und Silberschmiede, vor allem der eleganten französischen Kultur des 18. Jahrhunderts. So glänzte es auch häufig in der umfangreichen, gut erarbeiteten Publikation, mit der sich De Leye nun über das Kölner Auktionshaus Lempertz von seinen Schätzen trennte. Allerdings ließen sich die Käufer vom Glast der Waren nicht allzu häufig blenden. Die Resonanz, vor allem auf die hoch bewerteten Stücke, war eher zurückhaltend. So kam auch das Highlight der Auktion, Jean-Baptiste-François Chérets fein ziselierte vergoldete Silberkanne samt dazugehörendem Becken, in der Versteigerung nicht über ein Untergebot von 900.000 Euro hinaus. Dabei blieb es dann letztendlich auch. Für die erlesene, auf 1 bis 1,2 Millionen Euro taxierte Lavabo-Garnitur, die König Ludwig XV. seiner ehemaligen Mätresse Marguerite-Catherine Haynault zur Hochzeit schenkte, und vier originale Entwurfszeichnungen bewilligte ein belgischer Sammler keinen Cent mehr. Dennoch ist dieser Wert für ein Objekt der Goldschmiedekunst auf dem deutschen Auktionsmarkt herausragend.
Nicht so viel Glück hatte dagegen das um 1550/65 gefertigte „Eingehurn“, ein fein graviertes Elfenbein-Trinkhorn des Würzburger Domherrn Andreas von Thüngen, mit seinem Vorbehaltszuschlag von 500.000 Euro, bei dem sich Bernard De Leye nicht davon trennen wollte (Taxe 600.000 bis 700.000 EUR). Ebenso erging es Jean-Baptiste-François Chérets Salièrenpaar von 1768/69, bei dem jeweils zwei detailliert ausgeführte Hummer das facettierte Salzgefäß aus Bergkristall tragen, mit einem Untergebot bei 170.000 Euro (Taxe 180.000 bis 200.000 EUR), oder dem Zeremonienstab des Maître d’hôtel von Ludwig XVI. bei 230.000 Euro (Taxe 250.000 bis 280.000 EUR). Auf der Rückgangsliste standen zudem die von François-Thomas Germain 1753 als silbernes Segelboot mit Uhr gefertigte Schreibgarnitur (Taxe 700.000 bis 800.000 EUR), sein für Madame de Pompadour gestaltetes knapp zehn Jahre jüngeres Bassin im Rokoko-Stil (Taxe 250.000 bis 300.000 EUR) oder die prächtige römische Sanduhr , die Papst Sixtus V. 1589 Ferdinand I. Medici und Christine von Lothringen anlässlich ihrer Hochzeit schenkte (Taxe 400.000 bis 450.000 EUR). So hätten Lempertz und Bernard De Leye noch einen etwas höheren Bruttoumsatz als die 5,35 Millionen Euro einfahren können, wenn sie mehr als gut die Hälfte der 266 Positionen abgestoßen hätten.
Platz Zwei der Zuschlagsliste besetzte daher bei 260.000 Euro ein kleiner Bernsteinaltar mit Christus als Pantokrator, Heiligen und einer bekrönenden Madonna, den um 1690 wohl Christoph Maucher aus hellem, dunklem und transluzidem Bernstein sowie Elfenbein geschnitzt hat (Taxe 280.000 bis 300.000 EUR). Auf ihn folgten bei 210.000 Euro das silberne Trinkgefäß in Form eines Hirschs, das der Stuttgarter Meister Johann Jakob Wagner um 1680 bezeichnenderweise für die Schorndorfer Adelsfamilie Hirschmann geschmiedet hat (Taxe 200.000 bis 220.000 EUR), und bei ebenfalls taxgerechten 170.000 Euro ein dramatisches Elfenbeinrelief des flämischen Barockmeisters Frans van Bossuit mit der Häutung des Marsyas bei lebendigem Leib durch Apoll. Der subtil von innerem Schmerz gezeichnete Christus am Kreuz, den der ebenfalls im flämischen Kunstkreis tätige Mathieu van Beveren in meisterhafter Ausarbeitung der Körpermodellierung und aller Details geschnitzt haben soll, wurde erst im Nachverkauf bei 165.000 Euro von einem belgischen Sammler komplett erlöst (Taxe 180.000 bis 200.000 EUR).
Kauflust bei Raritäten
Reger war die Nachfrage bei einigen Kuriositäten im unteren und mittleren Preissegment, etwa bei einer tragbaren Kleinorgel aus dem Brüsseler Kloster Berlaymont. Das sogenannte „Bibelregal“, das wohl im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts in Nürnberg hergestellt und mit zwei musizierenden Engeln bemalt wurde, legte auf 95.000 Euro zu (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Ausgefallen war zudem das Mitglieder- und Gästebuch der „Confrérie des Roi Mages“ aus selbigem Frauenkloster, angelegt 1671, dem Gründungsjahr der Bruderschaft, mit zahlreichen Wappenmalereien oder biblischen Szenen, das sich erst bei 38.000 Euro aus dem Kölner Auktionshaus bitten ließ (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Steigerungen gab es auch für ein in Hirschhorn und vergoldeter Bronze gearbeitetes süddeutsches Pulverhorn mit Darstellung der Lucretia um 1600, das sich ein norwegischer Käufer bei 30.000 Euro gönnte (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).
Bei den Silberwaren waren zwei Reliefplatten der späten Renaissance erfolgreich. Bei der runden Darstellung des Gottes Apoll in Gesellschaft seiner musizierenden Musen griff wohl Hans Jamnitzer II. um 1570/80 direkt auf einen Kupferstich Giorgio Ghisis nach einer Zeichnung Luca Pennis zurück und holte sich nun 26.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Etwas jünger war eine um 1600/10 wohl in den nördlichen Niederlanden getriebene und Arent van Bolten zugeschriebene Versuchung Christi im Oval, die sich von 10.000 Euro auf 34.000 Euro verbesserte. Schon ins frühe Barock ging es mit einer wohl in Augsburg geschmiedeten Reiterstatue Kaiser Ferdinands III., die ins Jahr seines Regierungsantritts 1637 datiert wird und bei taxgerechten 65.000 Euro davontrabte. Ein kleines, aus Silber und Bergkristall erstelltes österreichisches Altarkreuz aus der Mitte des 17. Jahrhunderts konnte sich ein Schweizer Sammler erst bei 110.000 Euro zulegen (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).
Bernard De Leyes Schatzkammer war auch mit mittelalterlichen oder antiken Kunstwerken bestückt. Eröffnet wurde die Versteigerung mit einer godronierten römische Silberschale des 2. bis 3. nachchristlichen Jahrhunderts für 23.000 Euro (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Unter den mittelalterlichen Emailarbeiten aus Limoges platzierten sich ein vierpassiges Reliquiar vom Ende des 12. Jahrhunderts mit einer Kreuzigungsszene bei 80.000 Euro, zwei Kerzenleuchter des frühen 13. Jahrhunderts mit Rauten- und Rankendekor bei 40.000 Euro und eine etwas jüngere Schale mit königlich-französischem Wappen und höfisch gekleideten Frauen in tänzerischer Bewegung bei 100.000 Euro jeweils an der unteren Schätzgrenze. Eine teils vergoldete, spätgotische Silbertazza mit doppelköpfigem Reichsadler aus Venedig um 1500 hatte es da mit 40.000 Euro etwas besser (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Begehrt war eine Tapisserie der südlichen Niederlande aus dem frühen 16. Jahrhundert mit einem Hortus Conclusus, in dem sich um eine prachtvolle überdachte gotische Brunnenarchitektur zahlreiche Tiere und Blumen drängen, bei hohen 70.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).
Zeitlich auf der anderen Seite standen Kunstwerke des Symbolismus und des Jugendstils, für die sich Bernard De Leye ebenfalls interessierte. Am Ende der Auktion erfuhren sie viel Zuspruch, etwa Constant Montalds atmosphärische Gouache mit badenden Nymphen bei 11.000 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Walter Sauers Kreidezeichnung einer versunken träumenden Frau in weitem Umhang spielte 10.000 Euro ein, sein farbiges Blatt mit einer Frau samt buntem Turban und ebenfalls ekstatisch geschlossenen Augen sogar 13.000 Euro (Taxe je 5.000 bis 7.000 EUR). Bei Henry de Groux’ intensiv leuchtenden Pastellen reüssierten der „Ritt der Walküren“ und die „Versuchung des heiligen Antonius“ bei jeweils 26.000 Euro (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR), seine an sturmgepeitschter See stehende „Senta“ bei 37.000 Euro (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Während Anto Cartes quadratische symbolistische Leinwand „Satyre et Nymphe“ von 1914 die Zielgerade mit 26.000 Euro um 1.000 Euro übertraf, hielt sich sein bunter realistischer „Bouquet de fleurs“ bei 44.000 Euro an die Zielvorgaben.
Überraschend waren die 9.000 Euro für Victor Rousseaus im beinahe klassischen S-Schwung stehende junge Frau namens „Tanagra“, womit sich der belgische Bildhauer auf die antiken kleinen Frauenfiguren als Glücksbringen bezog und den Kunstgeschmack des Fin de siècle bediente (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Das Paradestück dieses Abschnitts führte wieder zu Bernard De Leyes zentraler Beschäftigung mit Gold- und Silberarbeiten zurück: 1893 gestalteten der Pariser Goldschmied Jules Brateau und der Emailleur Paul Grandhomme gemeinsam den überragenden Jugendstil-Goldbecher „Les Vendanges“ für die Weltausstellung in Chicago. Den musealen Qualitäten des Gefäßes mit den drei Maskarons eines Faunkopfes, eines Bacchantinnenkopfes und Pantherkopfes, zusammengefasst von einer breiten Banderole mit fein in Email gemalten bacchantischen Szenen, entsprach auf der Preis von 120.000 Euro. Pariser Kunsthandel erfüllte damit die Erwartungen.
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Kunsthaus Lempertz Neumarkt 3 DE-50667 Köln |
 | Telefon:+49 (0221) 92 57 290 | Telefax:+49 (0221) 92 57 296 |  |  | E-Mail: info@lempertz.com |
07.09.2021 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 18 | Seiten: 1 • 2
 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (15) |  | •  | Veranstaltung vom: 15.07.2021, The Exceptional Bernard De Leye Collection |  | •  | Bei: Kunsthaus
Lempertz |  | •  | Bericht: Die Sanduhr des
Papstes |  |  | •  | Kunstwerk:  Schale mit
königlich-französischem Wappen, Limoges, 1. Hälfte 13. Jahrhundert |  | •  | Kunstwerk:  Anto Carte, Bouquet de fleurs |  | •  | Kunstwerk:  Anto Carte, Satyre et Nymphe, 1914 |  |  | •  | Kunstwerk:  Henry de Groux, Die Versuchung des heiligen Antonius |  | •  | Kunstwerk:  Henry de Groux, Senta |  | •  | Kunstwerk:  Walter Sauer, Frau mit Turban, 1919 |  |  |
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 Limoges, Schale mit
königlich-französischem
Wappen, 1. Hälfte 13.
Jahrhundert |  | Taxe: 100.000 - 120.000 EURO Zuschlag: 100.000,- EURO Losnummer: 5 |  |  |  |  |  | 
 Silberschale,
römisch, 2. bis 3.
Jahrhundert nach
Christus |  | Taxe: 25.000 - 30.000 EURO Zuschlag: 23.000,- EURO Losnummer: 1 |  |  |  |  |  | 
 Christoph Maucher,
Christoph Maucher
zugeschrieben,
Bernsteinaltar,
Danzig Mitte bis
zweite Hälfte 17.
Jahrhundert |  | Taxe: 280.000 - 300.000 EURO Zuschlag: 260.000,- EURO Losnummer: 51 |  |  |  |  |  | 
 Nürnberg, Tragbare
Orgel, sogenanntes
„Bibelregal“, aus
dem Brüsseler
Kloster Berlaymont,
wohl letztes Viertel
16. Jahrhundert |  | Taxe: 60.000 - 80.000 EURO Zuschlag: 95.000,- EURO Losnummer: 34 |  |  |  |  |  | 
 Jules Brateau, Jules
Brateau und Paul
Grandhomme, Becher
„Les Vendanges“,
1893 |  | Taxe: 120.000 - 130.000 EURO Zuschlag: 120.000,- EURO Losnummer: 245 |  |  |  |  |  | 
 Anto Carte, Satyre et
Nymphe, 1914 |  | Taxe: 20.000 - 25.000 EURO Zuschlag: 26.000,- EURO Losnummer: 260 |  |  |  |  |  | 
 Constant Montald,
Badende Nymphen |  | Taxe: 5.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 11.000,- EURO Losnummer: 249 |  |  |  |  |  | 
 Henry de Groux, Senta |  | Taxe: 35.000 - 40.000 EURO Zuschlag: 37.000,- EURO Losnummer: 256 |  |  |  |  |  | 
 Anto Carte, Bouquet
de fleurs |  | Taxe: 40.000 - 50.000 EURO Zuschlag: 44.000,- EURO Losnummer: 261 |  |  |  |  |  | 
 Johann Jakob Wagner,
Trinkgefäß in Form
eines Hirschen,
Stuttgart um 1680 |  | Taxe: 200.000 - 220.000 EURO Zuschlag: 210.000,- EURO Losnummer: 92 |  |  |  |  |  | 
 Frans van Bossuit,
Frans van Bossuit
zugeschrieben, Die
Häutung des Marsyas |  | Taxe: 160.000 - 180.000 EURO Zuschlag: 170.000,- EURO Losnummer: 74 |  |  |  |  |  | 
 Henry de Groux, Die
Versuchung des
heiligen Antonius |  | Taxe: 25.000 - 30.000 EURO Zuschlag: 26.000,- EURO Losnummer: 257 |  |  |  |  |  | 
 Walter Sauer, Frau
mit Turban, 1919 |  | Taxe: 5.000 - 7.000 EURO Zuschlag: 13.000,- EURO Losnummer: 254 |  |  |
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