Ferdinand Hodler in Berlin  |  | Ferdinand Hodler, Die Nacht, 1889/90 | |
Zur Berlin Art Week würdigt die Berlinische Galerie seit dem Wochenende den Maler Ferdinand Hodler und legt erstmals den Fokus auf die Schaffensphase des Schweizers zwischen 1898 und dem Beginn des Ersten Weltkrieges, in der Hodler fast jährlich in der deutschen Hauptstadt ausstellte. Werken vo Vertretern der Berliner Secession, unter anderem von Lovis Corinth, Walter Leistikow, Hans Thoma und Julie Wolfthorn, rahmen rund 50 Arbeiten des Symbolisten, darunter 30 aus dem Bestand des Kunstmuseums Bern. Die Schau präsentiert neben idealistischen Figurenkompositionen auch ausdrucksstarke Porträts sowie charakteristische Landschaftsansichten Hodlers.
Bei ersteren vermischt Ferdinand Hodler teils hagere Gestalten eines Egon Schiele mit floralen Jugendstilmotiven eines Gustav Klimt und den mystischen Welten eines Gustave Moreau oder Francisco de Goya. So scheinen die auf oder unter dunklen Tüchern lagernden Protagonisten seines Querformats „Die Nacht“ von 1889/90 zunächst in einen traumlosen und schweren Schlaf gefallen. Die Ruhe wird jedoch durch einen angsterfüllten Mann in der Mitte des Bildes gestört, der mit verzerrtem Gesicht versucht, eine in ein schwarzes Tuch gehüllte, kauernde Gestalt von seinem Unterleib zu schieben. Hat Goyas Alp seine Träume gestört? Freundlicher und in Klimtscher Manier präsentiert sich im Gegensatz dazu die „Heilige Stunde“ von 1911: Vier Frauen, womöglich Musen, in langen blauen Gewändern und lockeren Haarknoten haben auf einer Bank inmitten eines Meeres aus weißen und roten Blumen Platz genommen und posieren mit anmutigen Drehungen des Oberkörpers für den Betrachter. In manchen Porträts, darunter dem Selbstbildnis von 1916 oder dem „Blick ins Unendliche“ von 1915, lässt sich ausgehend von dem breiten Pinselstrich und der in Ockertönen gehaltenen Palette eine Parallele zu den Werken Paul Cézannes herstellen.
Nach ersten Präsentationen in der Schweiz erlangte Ferdinand Hodler durch Beziehungen nach Wien, Paris oder München auch international Bekanntheit. In der deutschen Hauptstadt konnte man seine Werke auf der Großen Berliner Kunstausstellung, in der Berliner Secession und in den Galerien von Fritz Gurlitt und Paul Cassirer bewundern. Letzterer führte Hodler durch die Beteiligung an einer Gruppenausstellung 1907, in der das naturalistische Frühwerk des Schweizers sowie Porträts und Landschaften gezeigt wurden, in die Berliner Gesellschaft ein. Eine von Cassirer organisierte Einzelschau im Jahr 1911, die auch in Frankfurt am Main und München zu sehen war, machte den symbolistischen Maler insbesondere auf Grund seiner strahlenden, in Blautönen gehaltenen Berglandschaften in Sammlerkreisen beliebt. Mit seinen auf Konturen basierenden Kompositionen in freier Farb- und Formensprache gilt Hodler heute als Wegbereiter des Expressionismus und der Abstraktion, die ab 1910/11 Einzug in die Berliner Kunstszene hielten.
Die Ausstellung „Ferdinand Hodler und die Berliner Moderne“ läuft bis zum 17. Januar 2022. Die Berlinische Galerie ist täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro. Begleitend zur Schau erscheint ein Katalog zu 39,90 Euro im Wienand Verlag.
Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124-128
D-10969 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 78 902 600
Telefax: +49 (0)30 – 78 902 700 |