Theaster Gates erhält Friedrich Kiesler-Preis  |  | Der Friedrich Kiesler-Preis geht an Theaster Gates | |
Die Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung in Wien zeichnet Theaster Gates mit ihrem Würdigungspreis aus. So gehen nun 55.000 Euro an den Konzeptkünstler, Bildhauer, Keramiker und sozialen Innovator aus Chicago. Der 48jährige Amerikaner, der sich mit der Raumplanung sowie Revitalisierung und Reaktivierung von Gebäuden in städtischen Räumen befasst, experimentiere wie der einst in die USA ausgewanderte Friedrich Kiesler, so die Jury. „Sein Werk, in Verbindung mit dem visionären Wirken von Friedrich Kiesler gedacht, eröffnet neue Horizonte. Sein Interesse gilt der Frage, wie mit künstlerischen Mitteln soziale Räume geschaffen werden können, und ist damit höchst relevant für die Zivilgesellschaft. Die künstlerische Bandbreite, über die Theaster Gates verfügt – von der Töpferkunst bis zur Musik – ist ein spannendes Spiegelbild der Heterogenität urbanen Lebens. Dabei verliert er auch in jahrelangen Prozessen nie das Ziel aus den Augen, das Leben für alle Bewohner einer Stadt besser zu machen“, erläutert Veronica Kaup-Hasler, Kulturstadträtin der Stadt Wien.
Als Sohn eines Bauarbeiters arbeitete Theaster Gates zuerst als Stadtplaner. Mit seiner Rebuild Foundation in Chicago verschmilzt Gates Kulturgeschichte und Gemeinschaftsbildung, indem er im wahrsten Sinn des Wortes Ruinen in etwas Neues verwandelt. Er komponiert Materialien, Räume und Aktivitäten mit einer ganzheitlichen Sensibilität sowohl für das Große und Ganze als auch für das Detail. Der nebenbei als Sänger aktive Künstler und Professor für bildende Kunst an der University of Chicago gestaltete bei der 13. Ausgabe der Kasseler Documenta im Jahr 2012 im dortigen Hugenottenhaus eine kulturelle Wohn-, Arbeits- und Ateliersituation, angelehnt an seine Rebuild Foundation. 2016 fand seine erste große europäische Einzelausstellung im Kunsthaus Bregenz statt, 2018 folgten Personalen im Kunstmuseum Basel und im Sprengel Museum in Hannover. „Räume und Plattformen, die die Leistung schwarzer Künstler*innen und Designer*innen hervorheben, wurden lange Zeit übersehen. Projekte, die den Menschen ebenso beachten wie die Implikationen einer gebauten Form, verdienen Anerkennung“, äußerte sich Theaster Gates zur Preisverleihung.
Der Österreichische Friedrich Kiesler-Preis für Architektur und Kunst wird im Abstand von zwei Jahren vergeben. Die Ehrung von 2020 wurde auf Grund der Corona-Situation um ein Jahr verschoben. Sie erinnert an den 1890 in der heutigen ukrainischen Stadt Czernowitz geborenen und 1926 in die USA ausgewanderten Künstler, Designer, Bühnenbildner und Architekten Friedrich Kiesler und wird für „hervorragende Leistungen im Bereich der Architektur und der Künste, die den experimentellen und innovativen Auffassungen Friedrich Kieslers und seiner Theorie der correlated arts entsprechen“, verliehen. Die Preisübergabe ist für diesen Spätherbst angesetzt. Die Liste der Ausgezeichneten umfasst bekannte Namen wie Frank O. Gehry, Bruce Nauman, Olafur Eliasson, Toyo Ito, Andrea Zittel, Heimo Zobernig und Yona Friedman. |