Deutsche-deutsche Blicke auf Picasso in Köln Das Museum Ludwig in Köln widmet sich aktuell der Picasso-Rezeption in Ost- und Westdeutschland während des Kalten Krieges. Neben politisch bedeutsamen Werken des spanischen Malers stehen insbesondere mediale und autobiografische Zeugnisse zu seinen Arbeiten im Fokus, die Rückschlüsse auf das Picasso-Bild des jeweiligen Staates zulassen. Die Schau „Der geteilte Picasso“ macht deutlich, dass der Osten den Maler vor allem als Mitglied der kommunistischen Partei und einen gesellschaftskritischen Verfechter des Friedens instrumentalisierte, während der Westen sich ausschließlich auf die stilistische und künstlerische Pionierleistung Picassos konzentrierte. So wurde Pablo Picassos berühmtes Antikriegsgemälde „Guernica“ 1955 im Münchner Haus der Kunst ohne den Bezug zu den zerstörerischen Luftangriffen der deutschen Legion Condor auf den baskischen Ort Guernica im Jahr 1937 präsentiert, sodass sich westdeutsche Besucher mit den dargestellten Opfern identifizieren konnten.
Ein Bildnis der langjährigen Picasso-Muse Françoise Gilot trat gar unter zwei verschiedenen Titeln auf: Im Westen hieß es schlicht „Frau im Lehnstuhl“, der ostdeutsche Titel „Frau mit polnischer Jacke“ ging darauf ein, dass Pablo Picasso seine Geliebte nach einem Friedenskongress 1948 in Polen mit einem dort erworbenen Mantel porträtierte. So eignete sich Pablo Picasso als Galions- und Projektionsfigur in beiden Systemen. Er war Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs, unterstützte Befreiungskämpfe und Friedenskongresse. Aber er lebte im Westen und ließ es zu, dass die bürgerliche Kritik ihn zum unpolitischen Genie stilisierte. Welche Werke wurden im Sozialismus, welche im Kapitalismus gezeigt? Wie wurde Picasso vermittelt? Sah der Westen die Kunst, der Osten die Politik? Was sah der Künstler selbst? Diese Punkte will Kuratorin Julia Friedrich in der Schau vermitteln.
Den Besucher erwarten Ausstellungsansichten, Plakate und Kataloge, Presse- und Fernsehberichte, Filme, Briefe, Akten und ein Theatervorhang aus dem Berliner Ensemble, den Bertolt Brecht mit einer der vielen Friedenstauben Picassos gestalten ließ. Die rund 150 Exponate werden von einer hölzernen Architektur des Künstlers Eran Schaerf gerahmt, sodass jedes Motiv Picassos gewissermaßen ein eigenes Unterkapitel bestreitet. Ein Großteil der Objekte stammt aus dem Bestand des Pariser Musée national Picasso und der Sammlung von Peter und Irene Ludwig. Peter Ludwig nahm in den 1970er Jahren eine Vermittlerposition zwischen Ost und West ein, indem er Stücke seiner Sammlung an die Nationalgalerie in Ost-Berlin verlieh. Das historische Quellen- und Werkkonvolut wird durch Peter Nestlers jüngst gedrehten Film „Picasso in Vallauris“ von 2020 ergänzt, der rückblickend den künstlerischen, sozialen und politischen Kontext von Picassos Wandgemälde „Krieg und Frieden“ von 1952 im Temple de la Paix in Vallauris sowie die Beziehung der dortigen Bevölkerung zu dem monumentalen Werk dokumentiert.
Die Ausstellung „Der geteilte Picasso. Der Künstler und sein Bild in der BRD und der DDR“ läuft bis zum 30. Januar 2022. Die Schau hat dienstags bis sonntags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Aktuell ist der Besuch nur in einem vorab gebuchten Zeitfenster möglich. Der Eintritt beträgt daher 14,80 Euro, ermäßigt 9,85 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre erhalten freien Eintritt. Begleitend zur Schau erscheint ein Katalog im Verlag Walther und Franz König zum Museumspreis von 25 Euro, zum Buchhandelspreis von 29,80 Euro.
Museum Ludwig
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D-50667 Köln
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