 |  | Pestmaske, 16. Jh. | |
IKEA scheint heutzutage die Adresse zu sein, um das gewisse Etwas für die heimischen Wände zu finden und einen besonderen Lebensstil zu dokumentieren. Aber warum dahingehen, wo viele ihre Erfüllung suchen? Auch mit Antiquitäten und Kunstgegenständen aus vergangenen Zeiten lässt sich die Wohnung originell einrichten. Die Jubiläumsversteigerung des Stuttgarter Auktionshauses Fritz Nagel, das nunmehr seit 80 Jahren auf dem Kunstsektor tätig ist, bietet da am 19. und 20. September eine interessante Gelegenheit, Eindrücke und Inspirationen zu sammeln und möglicherweise fündig zu werden. Rund 1440 Objekte aus den Bereichen Möbel, Gemälde, Zinn und Silber, Keramik, Skulpturen oder Waffen sollen an diesen beiden Tagen unter den Hammer kommen.
Eine große Zunftkanne der Schuhmacher von Jöhstadt befindet sich unter den ersten Offerten. Der Zinngegenstand aus Annaberg in Sachsen wurde 1665 von Christoph Dürr gefertigt. Der sich nach oben verjüngende Gefäßkörper steht auf drei Löwenfüßen und zeigt auf der Vorderseite ein eingraviertes Medaillon in ovaler Form. Das Schild mit der Widmungsinschrift wird von einer kleinen Figur gehalten, die Dürr auf dem Deckelknauf befestigt hat. Der Schätzpreis beträgt 1.700 Euro.
Zu den etwas ausgefalleneren Auktionsobjekten gehören sicherlich die jagdlichen Pirschbüchsen von Christian Körber. Das Exemplar, das um 1810 entstanden ist, wird für 26.000 Euro angeboten. Die aufwendig gestaltete Waffe ist mit silbernen Ranken verziert. Auf dem Schaft, der aus Nussbaumholz besteht, ist ein geschnitztes Wappen zu erkennen.
Auch für Malereiinteressierte hat das Stuttgarter Auktionshaus einiges im Angebot. Eine ortsansässige Privatsammlung steuerte mehrere Bilder von Altmeistern bei, die über eine fast lückenlose Dokumentation ihrer Provenienz verfügen. Aus diesem Bestand stammt unter anderem ein Bild von Cajetan Roos, das eine Hügellandschaft mit Kühen und Ziegen zeigt und auf 1768 datiert ist. Dieses Ölgemälde soll für 3.000 Euro einen neuen Besitzer finden.
Die „Rast der Jagdgesellschaft vor alten Mauern“, die Johann Georg Pforr zugeschrieben wird, soll ebenfalls versteigert werden. Das Ölgemälde zeigt im Vordergrund ein rastendes Paar. Die Treiber warten bei den Pferden, die an einem alten Torbogen stehen. Das Bild wird auf 14.000 Euro geschätzt. Der Schätzpreis des Stilllebens von Lubin Baugin wird auf Anfrage mit 30.000 Euro beziffert. Für die Komposition des Ölgemäldes aus dem 17. Jahrhundert hat der Künstler eine Korbflasche, ein Brötchen und einen Zinnteller nebst Messer auf einem Tisch arrangiert.
Zu den offerierten Werken neuerer Meister zählt Josef Wopfners „Stürmische Überfahrt“. Das auf 1887 datierte Ölbild zeigt die hilflosen Versuche mehrerer Menschen, die in einem Rettungsboot gegen einen gewaltigen Sturm auf hoher See ankämpfen. Der Betrachter kann die Anstrengungen fast mitfühlen, die die Insassen haben, um das Boot nur ein Stückchen von der Stelle zu bewegen. Der Schätzpreis beträgt 30.000 Euro. Im Skulpturenangebot befindet sich eine „Anna Selbdritt“, die um 1520 aus Holz geschaffen wurde und für 18.000 Euro unter den Hammer kommen soll.
Ein Hallenschrank aus dem Raum Trier soll für 40.000 Euro einen neuen Besitzer finden. Das auf 1777 datierte Möbelstück ist über zwei Meter hoch und wurde aus Nussbaum gefertigt. Das massive Objekt wird von kugelförmigen Füßen getragen. Rocaillen schmücken die beiden Türen. Im Angebot der Auktion befindet sich auch die komplette Einrichtung eines Salons aus dem unmittelbaren Familienbesitz von Johannes Klinckerfuß, seines Zeichens württembergischer Hofebenist und Roentgenschüler. Neben einem Salontisch, einem Konsoltisch und sechs Stühlen gehört auch ein Sofa zu diesem Set. Das um 1810 in Stuttgart entstandene Sitzutensil hat einen hellblauen Dekorbezug. Die Armlehnen sind seitlich ausgestellt und oben eingerollt. Die Rückenlehne ist in zwei geschwungene Elemente unterteilt. Das Sofa aus Mahagoni und Ebenholz ist mit 2.500 Euro taxiert.
Die 58. Varia-Auktion des Stuttgarter Auktionshauses findet am 23. und 24. September statt. Das Angebot könnte abwechslungsreicher und ausgefallener nicht sein. Neben Gemälden, Skulpturen, Möbeln und Schmuck befinden sich auch gotische Apothekerdosen, eine Pestmaske aus dem 16. Jahrhundert, Lepra-Rasseln oder Tierzähne unter den Offerten, die das Interesse am Mitsteigern wecken sollen. Schmuck und Juwelen werden am 19. September ab 14 Uhr versteigert.
Interessierte können die Auswahl an Kunst und Antiquitäten der 385. Auktion schon im Vorfeld vom 13. bis 16. September täglich von 11 bis 18 Uhr und am 17. September bis 20 Uhr besichtigen. Beginn der zweitägigen Auktion ist am 19. September um 10 Uhr.
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