Goslarer Kaiserring für Hans Haacke und Adrian Piper  |  | Hans Haacke mit dem Goslarer Kaiserring 2020 geehrt | |
Die Stadt Goslar hat am vergangenen Samstag ihren renommierten Kaiserring an zwei Kunstschaffende offiziell bei einer Ratssitzung verliehen, auch wenn Hans Haacke und Adrian Piper persönlich nicht anwesend waren. Die letztjährige Ehrung an Haacke fiel wegen der Corona-Pandemie aus. Auch in diesem Jahr konnte der 1936 geborene Kölner, heute in New York lebende Künstler aus gesundheitlichen sowie familiären Gründen und auch angesichts der Pandemie nicht in der Harz reisen. Haacke steht für ein aktivistisches und politikkritisches Kunstschaffen und geht seit den 1970er Jahren einer investigativen Arbeit in den Bereichen Kunst, Ökonomie, Politik und Gesellschaft nach. „In seinem Werk legt er von Beginn an die Mechanismen von Machtstrukturen und Abhängigkeitsverhältnissen in der Gesellschaft und somit auch in der Kunst offen. Die verhängnisvollen ideologischen Verschränkungen von Nationalität, Klasse, Ethnie werden in seinen Arbeiten in ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz und eleganten Oberflächlichkeit auf verstörende Weise sichtbar, der Weg des Kapitals in seiner globalen Dominanz unleugbar“, so die Begründung der Jury.
Susanne Pfeffer, Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, würdigte in ihrer Laudatio Haackes waches Auge für das Besondere im Alltäglichen. Motive wie Möwen auf dem Meer, freigelassene Schildkröten im Unterholz, Müllberge am Strand oder Erde auf einem Dach würden den Betrachter dazu verleiten, seine Umgebung bewusster wahrzunehmen. Der Künstler dankte der Jury in einer Videobotschaft für die Auszeichnung und freute sich sehr über die Prämierung der amerikanischen Konzeptkünstlerin Adrian Piper, der der Preis in diesem Jahr zugesprochen wurde. Sein Motto „Adrian Piper und ich sind der Meinung: Wir alle sind das Volk“ soll in zwölf Sprachen in Goslar plakatiert werden.
Die 1948 in New York geborene Künstlerin und Philosophin Piper wurde für ihre konzeptuelle Arbeit ausgezeichnet, mit der sie seit Mitte der 1960er Jahre die Kunstwelt bereichert. Die Jury zeigte sich von dem konsequenten und gleichzeitig freien Vorgehen der Künstlerin beeindruckt, die in Form von Zeichnungen, Gemälden, Skulpturen, Filmen und Performances die harschen Strukturen des Normativen entblöße und den Betrachtenden nonchalant vor Augen führe, dass es immer noch auf uns selbst, unser Denken und unser Handeln ankomme. Pipers Aussagen seien „biografisch und politisch – ihre Kunst ist schonungslos ehrlich. Es gefällt ihr, uns zu fixieren, indem sie gleichzeitig Subjekt und Objekt ist. Alle Begegnungen mit ihrer Kunst sind außergewöhnlich und von großer, gesellschaftlicher Bedeutung“, so Udo Kittelmann, künstlerischer Leiter des Museums Frieder Burda in Baden-Baden. In seiner Laudatio resümierte er, nur die Betrachtung ihres gesamten Schaffens sei aussagekräftig für Piper. Die Künstlerin, die seit 2005 in Berlin lebt und arbeitet und dort schon im September den Kaiserring erhielt, zeigte sich von der Auszeichnung überwältigt: „Der Kaiserring ist die größte Ehre der Welt! Ich bin sehr geehrt, ich bin total privilegiert.“ |