Lynette Yiadom-Boakye in Düsseldorf Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen hat am Wochenende die erste große Einzelschau zu Lynette Yiadom-Boakye in Deutschland eröffnet. Mit der Präsentation in K20 möchte Kuratorin Maria Müller-Schareck die 1977 in London geborene Malerin ghanaischer Abstammung hierzulande dem Publikum bekannter machen. Die Schau, eine Kooperation des Moderna Museet in Stockholm, der Londoner Tate Britain und dem Mudam Luxembourg, zeigt die Spannweite von Yiadom-Boakyes Schaffen. Die britische Künstlerin, deren Werk vor allem Darstellungen von fiktiven menschlichen, meist schwarzen Figuren umfasst, will zeigen, dass Malerei noch immer aktuell sein kann. Auf ihren Bildern scheint die Zeit still zu stehen: Menschen ruhen, gehen, schauen, tanzen oder sprechen. Wer sie aber sind oder was sie von uns wollen, erklärt sich durch die Malerei nicht. Die Dargestellten sind mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Stimmung erzeugt Yiadom-Boakye durch die behutsame Beobachtung von Mimik, von Gesten und Farbigkeit. Selten greift die Malerin den Stil, die Mode oder die Kultur einer bestimmten Zeit auf. So sind die Figuren gewissermaßen zeit- und ortlos.
In „Condor and the Mole“ von 2011 spielen zwei dunkelhäutige Mädchen am Ufer des Meeres mit ihren Füßen in einer Pfütze. Das Eine scheint zu sprechen, das Andere wirkt gedankenverloren. Mit unscharfen, aber farbintensiven Pinselstrichen entwirft Yiadom-Boakye die Szene. Poetisch, mystisch oder der Welt entrückt wirkt die Landschaft. Die Künstlerin selbst bezeichnet ihre Kompositionen als „Chiffren“ oder „Rätsel“. Sie seien zwar von dieser Welt, „aber nur teilweise mit ihr befasst. Befasst mit dem Teil, der ihnen Leben gibt, weniger beunruhigt durch den Rest.“ So wirkt jede gemalte Szene wie eine eigenständige Geschichte, die ein weiteres Kapitel haben könnte. Die evokativen Titel ihrer Bilder nennt Lynette Yiadom-Boakye einen „zusätzlichen Pinselstrich“. Sie gehören zum Werk, bieten Hinweise auf mögliche Erzählungen an, aber sie beschreiben oder erklären nicht.
Die Schau „Lynette Yiadom-Boakye. Fliegen im Verbund mit der Nacht“ läuft bis zum 13. Februar 2022. Die Kunstsammlung NRW hat dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie am Wochenende ab 11 Uhr geöffnet. Geschlossen bliebt an Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Silvester. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, für Kinder zwischen 6 und 17 Jahren 2,50 Euro. Begleitend erscheint bei Hatje Cantz ein Katalog, der im Museum 38 Euro, im Handel 44 Euro kostet.
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen – K20
Grabbeplatz 5
D-40213 Düsseldorf
Telefon: +49 (0)211 – 83 81 204
Telefax: +49 (0)211 – 83 81 209 |