Impressionisten-Highlights: Sammlung Cox bei Christie’s  |  | Gustave Caillebotte, Jeune homme à sa fenêtre, 1876 | |
Wenn am 11. November bei Christie’s in New York die Sammlung von Edwin Lochridge Cox auf dem Programm steht, werden die Augen der Impressionismus- und Postimpressionismus-Liebhaber leuchten. Selten kommen so geballt und qualitativ hochwertig Gemälde von Caillebotte, Cézanne, van Gogh, Monet, Sisley, Redon oder Vuillard unter den Hammer. Unter dem Titel „Cox Collection: The story of impressionism“ hat Christie’s 23 Werke ausgesucht, die der im November 2020 verstorbene Unternehmer Cox von den 1970er bis zu den 1990er Jahren zusammengetragen hat, und erwartet einen Erlös von etwa 200 Millionen US-Dollar. Eines der teuersten Werke und ein Höhepunkt ist Gustave Caillebottes Gemälde „Jeune homme à sa fenêtre“ von 1876. Der Maler zeigt seinen Bruder René in Rückenansicht, wie er aus dem Fenster des Familienhauses in Paris blickt. Für die alltägliche Szene im Milieu der Bourgeoisie in einer eleganten Pariser Wohnung, die 1886 auch in der ersten Schau impressionistischer Kunst in den USA zu sehen war, hat Christie’s rund 50 Millionen Dollar und damit den neuen Rekordpreis für Caillebotte vorgesehen.
Aber schon mit 20.000 bis 30.000 Dollar kann man in der Cox-Sammlung fündig werden. Das günstigste Bild ist die getupfte Gartenansicht „L’Hôtel de Mademoiselle Ernestine“ im Küstenort Saint-Jouin in der Normandie von Gustave Loiseau aus dem Jahr 1908. Auch seine schillernde Klippenlandschaft „Rocher la Teignouse, Cap Fréhel“ in der Bretagne von 1906 liegt mit 30.000 bis 50.000 Dollar nicht viel höher. Die Preise schrauben sich dann stetig höher über Arbeiten auf Papier wie Henri de Toulouse-Lautrecs farbiger Ölskizze „La Goulue en Almée“ von 1895 (Taxe 80.000 bis 120.000 USD), Blumenbilder, Landschaften oder Portraits, darunter Pierre Bonnards rot und grün gesättigtes Stillleben „Fleurs et carafe“ um 1910 (Taxe 150.000 bis 250.000 USD) oder Edgar Degas’ bewegtes Pastell „Danseuse sur une pointe“ um 1877 (Taxe 500.000 bis 800.000 USD).
Zu den Anfängen des Impressionismus gehören Claude Monets „Bassin d’Argenteuil“ und Alfred Sisleys „Seine à Argenteuil“. Hier zeigt sich, wie die Künstler eine neue Wiedergabe der Landschaft anstrebten. Sisleys 1872 in Freilichtmalerei vollendetes Werk spiegelt sein Interesse an natürlichen Lichteindrücken und einer hellen Farbpalette. In seiner duftigen Malweise ist die frühlingshafte Atmosphäre über dem Wasser mit Segelschiff und weitem Himmel greifbar (Taxe 2 bis 3 Millionen USD). Ein ähnliches, etwas kräftigeres Kolorit hat Monet im Jahr 1874 für sein „Bassin d’Argenteuil“ verwendet und portraitiert wie Sisley die Freuden des Segelns auf der Seine (Taxe 12 bis 25 Millionen USD). Bei teuren Landschaften darf Paul Cézanne nicht fehlen, der um 1883/85 den Küstenort „L’Estaque aux toits rouges“ gesehen hat. Die kubischen Häuser mit blauem Meer im Hintergrund reduzierte Cézanne auf die wichtigsten Elemente und schuf eine abstrakte Bildwelt mit leuchtenden Farben und sich überlappenden Farbflächen (Taxe 35 bis 55 Millionen USD).
Vincent van Gogh brilliert mit der sonnigen, in Saint Rémy gemalten Provence-Landschaft „Cabanes de bois parmi les oliviers et cyprès“. In expressivem Gestus hat er 1889 die gerundeten Olivenbäume und die aufragenden Zypressen als Gegensatzpaar gestaltet, genauso wie die Farbwahl von Azurblau und Goldgelb. Auch hier gibt Christie’s auf Anfrage die Schätzung von rund 40 Millionen Dollar preis. Das ist nicht das einzige Highlight Vincent van Goghs in der Sammlung Cox. Dazu tritt das 1890 gefertigte Konterfei „Jeune homme au bleuet“. Van Gogh verewigt mit typischem Impasto einen braun gebrannten jungen blonden Mann mit Kornblume im Mundwinkel und abfliegendem Haar, das sein Pendant in einem ebenso bewegten Hintergrund findet (Taxe 5 bis 7 Millionen USD). Eine Besonderheit bildet sein Aquarell „Meules de blé“ von 1888. Die Farbsymphonie in Sonnengelb mit blauem Kontrasthimmel ist eine Restitution von Nazi-Beutekunst, wird in Übereinkunft mit den Erben der ursprünglichen Besitzer Max Meirowsky und Alexandrine de Rothschild versteigert und strebt mit 20 bis 30 Millionen Dollar den neuen Auktionsrekord für eine Papierarbeit Van Goghs an, zumal das Aquarell eines der ersten aus der Serie an Erntebildern mit Heuballen in Arles ist.
Dass es auch in den USA einen Impressionismus gegeben hat, machen mehrere Werke deutlich. Anmutig und zurückhaltend lässt Berthe Morisot 1888 ein junges Mädchen mit Korb im Wintermantel vor einem kühl blauen, nicht weiter definierten Hintergrund auftauchen (Taxe 2 bis 3 Millionen USD). Ebenso viel soll Childe Hassams Damenportrait bei der Handarbeit auf der Terrasse neben den titelgebenden roten „Geraniums“ aus den späten 1880er Jahren einbringen. Gleich mit zwei weiß gewandeten, ätherischen Frauengestalten hat er seine abendliche Dachterrasse „Le Crépuscule“ um 1888/93 bestückt (Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen USD). Auch Frederick Carl Frieseke stammte aus den USA, lebte aber vorwiegend in Frankreich, wo er auch 1939 im Calvados starb. Charakteristisch für ihn sind Frauendarstellungen, die er etwa um 1910 in „The Parrots“ mondän in einem Interieur neben einem Käfig mit drei Papageien platzierte (Taxe 600.000 bis 900.000 USD). |