Polkes Bildstörung in Düsseldorf Aktuell widmet sich die Kunsthalle Düsseldorf in Kooperation mit der Anna Polke-Stiftung dem Werk Sigmar Polkes und bereichert dieses mit aktuellen Positionen. Der Mitbegründer des Kapitalistischen Realismus hätte heuer seinen 80. Geburtstag begehen können. Zeit seines Lebens interessierte sich der Maler und Fotograf für massenmedial verbreiteten Bilder, die er bereits als Student an der Kunstakademie Düsseldorf transformierte, störte und umcodierte. Die früh zu seinem Markenzeichen gewordenen Werke, die im Zeitalter von Fake News und Virtual Reality eher noch an Aussagekraft zugelegt haben, stellen die Kuratoren Kathrin Barutzki, Nelly Gawellek und Gregor Jansen neuen Schöpfungen lebender Künstler, darunter Kerstin Brätsch, Phoebe Collings-James, Trevor Paglen, Seth Price, Max Schulze oder Avery Singer, gegenüber.
Polkes „Primavera“ von 2003 ist ein gutes Beispiel für die Aktualität seiner Kunst. Ein splitterfasernackter Mann pflügt mit einem Ackergaul ein Feld. Die durch das Polyestergewebe scheinenden Latten, die die Leinwand spannen, und das blau gefärbte Band mit geometrischen Mustern unterstreichen, dass man eindeutig ein manipuliertes Bild vor sich hat; dennoch kommt man nicht umhin, sich zu fragen, ob hier nicht ein bedächtiger Boris Johnson in langen Furchen schreitend seiner bäuerlichen Arbeit nachgeht. Raphael Heftis Farbfotografie eines Bismuthkristalls hingegen spielt eindeutig auf Polkes größten Auftrag an, den Glasfensterzyklus im Züricher Grossmünster. Camille Henrot fördert ebenfalls die Verwirrung des Betrachters. Eine verzerrte dicke Gestalt, nur in den Umrissen mit einem dicken Filzstift angelegt, bildet den Hintergrund für verschiedene, verzerrte Computerscreenshots. So zeugt „Dos and Don’ts – Smoke without Fire (Heart Attack)“ von einem Albtraum eines jeden, der vor dem Bildschirm arbeitet.
Die Ausstellung „Produktive Bildstörung. Sigmar Polke und aktuelle künstlerische Positionen“ läuft bis zum 6. Februar 2022 in der Kunsthalle Düsseldorf. Ein besonderes Vermittlungsprogramm ist organisiert. Der begleitende Katalog erscheint noch diesen November im Distanz Verlag. Das Haus ist bis auf montags von 11 bis 18 geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.
Kunsthalle Düsseldorf
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