Lawrence Weiner gestorben  |  | Der international renommierte Konzeptkünstler Lawrence Weiner ist gestorben | |
Erst Ende November ist ihm der Oskar Kokoschka-Preis 2022 zugesprochen worden, doch an der Preisvergabe im März kommenden Jahres wird Lawrence Weiner nicht mehr teilnehmen können: Der große Konzeptkünstler, der oft als „Bildhauer der Worte“ tituliert wurde, starb gestern im Alter von 79 Jahren. Das machte Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler heute öffentlich. „Mit Lawrence Weiner verliert die Kunstwelt eine Persönlichkeit, die durch eine unverkennbare Formensprache zwischen dem Poetischen und dem Politischen wirkte. Die Kunstwelt wird ihn als Künstler und seine Formensprache vermissen“, würdigte Kaup-Hasler den Verstorben. Als einer der wichtigsten Vertreter der Konzeptkunst sei er eine internationale Größe. Durch seinen Umgang mit Sprache und seinem Verständnis derselben sei ihm eine einzigartige Stellung innerhalb der Kunst des 20. Jahrhunderts gelungen. Seine Textarbeit „Art is really and truly a very social activity“ spreche ihr aus der Seele: „Diese Arbeit offenbart sein Verständnis von Kunst; was Kunst für den Einzelnen wie für die Gesellschaft zu bedeuten und bewirken vermag.“
Lawrence Weiner kam 1942 im New Yorker Stadtteil Bronx als Sohn eines Süßwarenhändlers zur Welt, gab das Studium der Literatur und Philosophie am New Yorker Hunter College auf und trat in den 1960er Jahren mit ersten künstlerischen Arbeiten hervor. Internationale Bekanntheit erlangte er dann am Ende des Jahrzehnts mit einer Gruppe Gleichgesinnter, darunter Sol LeWitt, Robert Barry, Douglas Huebler und Joseph Kosuth, für die nicht das ausgeführte Kunstobjekt im Vordergrund stand, sondern vielmehr seine Idee. Für Weiner entstand die Kunst nicht im Auge des Betrachters, sondern in dessen Kopf. Daher genügte es ihm, Worte zur Grundlage seiner Arbeiten zu machen, die er dann auch oft wirkmächtig im öffentlichen Raum einsetzte. In diesem radikalen Ansatz war die Ausführung eines verbal definierten Werkes für Weiner und seine Kollegen nicht mehr erforderlich.
Lawrence Weiner setzte die Sprache dabei nicht zur Reflexion über Kunst ein. Seine Arbeiten waren Kunst an sich, die oft auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen Bezug nahmen und im Betrachter Empfindungen, Erinnerungen und Vorstellungen auslösen sollten. Er verstand Sprache als physisch erlebbare, nahezu greifbare Existenz; daher sah er sich auch als Bildhauer und nutzte dafür verschiedene Medien wie Druckgrafik, Malerei, Handzeichnungen, Künstlerbücher, Videoarbeiten und Filme. Immer wieder ging Weiner mit seinen knappen Botschaften in die Öffentlichkeit und bespielte große Flächen im Stadtraum, etwa 1991 den Flakturm im Wiener Esterházypark mit der zweisprachigen Arbeit „Zerschmettert in Stücke (im Frieden der Nacht) / Smashed to pieces (in the still of the night)“, die heute Nacht für Nacht an die Fassade der Universität für Angewandte Kunst in Wien projiziert wird.
Seine deskriptiven, typografischen Texte waren weltweit zu sehen, etwa im Museum Ludwig in Köln, im Stedelijk Museum in Amsterdam, im Kunsthaus Bregenz, im Museu d’Art Contemporani de Barcelona, im Museum of Modern Art in New York oder im British Museum in London. 2007/08 richteten ihm das Museum of Contemporary Art in Los Angeles und das Whitney Museum of American Art in New York eine umfangreiche Retrospektive aus. Weiner nahm 1972, 1977 und 1982 an der Documenta in Kassel teil, war mehrmals auf der Biennale in Venedig zugegen und durfte sich über zahlreiche Auszeichnungen freuen, darunter den Kölner Wolfgang-Hahn-Preis, den Aspen Award for Art oder den Züricher Roswitha Haftmann-Preis. Der Oskar Kokoschka-Preis muss ihm nun posthum verliehen werden. |