Christie’s im Umsatzplus  |  | Christie’s veröffentlicht für dieses Jahr wieder ein deutlich stärkeres Ergebnis | |
Mit 7,1 Milliarden Dollar Umsatz blickt Christie’s positiv auf das Geschäftsjahr 2021 zurück. Damit habe man das höchste Ergebnis in den letzten fünf Jahren erzielt und sei nun wieder stärker als vor dem Beginn der globalen Corona-Pandemie. Der Zuwachs gegenüber 2020 betrug 54 Prozent, gegenüber 2019 immerhin noch 22 Prozent. Das Auktionshaus ist besonders stolz, dass 87 Prozent der Objekte verkauft wurden. Außerdem kann sich Christie’s die beiden teuersten Kunstwerke des Jahres 2021 – ein Portrait Marie-Thérèse Walters von Pablo Picasso und ein Werk Jean-Michel Basquiats – in seine Bilanz schreiben. Mit „Femme assise près d’une fenêtre“, das die Muse des spanischen Malers als elegantes Kniestück wiedergibt, hat das Haus als einziges weltweit bei brutto 103,4 Millionen Dollar die neunstellige Hürde geknackt; netto standen 90 Millionen Dollar auf der Rechnung. Basquiats Fratze „In This Case“ von 1983 folgte ebenfalls in den New Yorker Mai-Versteigerungen bei 81 Millionen Dollar. „Wir haben auch große Fortschritte bei anderen Geschäftszielen erreicht, etwa dem Ausbau unseres Engagements in Asien, unserem Einsatz, bis 2030 klimaneutral zu sein, oder die Gleichberechtigung und die Diversität im gesamten Unternehmen zu fördern. Wachstum, Innovation und Verantwortung bleiben allerdings an der Spitze unserer Ziele für 2022“, so Guillaume Cerutti, Geschäftsführer des Auktionshauses.
Wie auch beim Erzrivalen Sotheby’s, der heuer mit dem hauseigenen Rekordumsatz von 7,3 Milliarden Dollar knapp Christie’s auf die Plätze verwies, spielen Kunden aus Asien eine zunehmende Rolle. So gingen fast 40 Prozent der Käufe an Bieter aus dem fernen Osten. Daher soll bis 2024 ein neues Hauptquartier in Hongkong bezogen werden. Ein Garant für anhaltenden Erfolg dürfte der Gewinn neuer Kunstinteressierter sein. Dieses Jahr waren 35 Prozent der erfolgreichen Mitsteigernden Neukunden von Christie’s. Hierbei boten Luxusgüter wie Schmuck, Uhren und Wein den größten Anreiz für Markteinsteiger. Dennoch setzt das Auktionshaus weiter besonders auf digitale Kunst, besonders auf die derzeit hippen NFTs, bei denen man sich als Marktführer sieht. So wechselte das teuerste digitale Kunstwerk „Everydays“ des US-amerikanischen Grafikers und Künstlers Beeple dank Christie’s bei 60,25 Millionen Dollar, brutto fast 70 Millionen Dollar, den Besitzer. Mit mehr als 100 NFT-Transaktionen generierte Christie’s gut 150 Millionen Dollar; 75 Prozent der Käufer seien neue Kunden, das Durchschnittsalter liege bei 42 Jahren.
Das umsatzstärkste Marktsegment waren wieder Objekte ab dem Impressionismus. Mit den Klassikern des 20. Jahrhunderts und den aktuellen Künstlern erzielte Christie’s allein gut fünf Milliarden Dollar. So erregte erst letzten Monat die Versteigerung der „Cox Collection“ besonderes Aussehen, bei der drei Bilder von Vincent van Gogh zum Aufruf kamen. Bei dieser Auktion machte das Getty Museum aus Los Angeles Gustave Caillebottes „Jeune homme à sa fenêtre“ mit 46 Millionen Dollar zum teuersten Kunstwerk, das im Jahr 2021 von einer öffentlichen Institution erworben wurde. Bei den Alten Meistern stellte Christie’s mit dem Verkauf einer Zeichnung eines Bärenkopfes von Leonardo da Vinci einen neuen Weltrekord auf. Bei dem kleinen Blatt fiel der Hammer bei 7,5 Millionen Pfund, was es zur teuersten Kunstwerk auf Papier machte. Dass auch abseits der beiden Kunsthandelszentren New York und London Auktionsrekorde aufgestellt werden, macht Jean Siméon Chardins Gemälde „La fontaine“ deutlich. Die Frau beim Wasserabzapfen aus einem großen Kupferkessel brachte es auf den neuen Spitzenpreis von 6 Millionen Euro. |