Lourdes Castro gestorben  |  | Lourdes Castro | |
Lourdes Castro ist tot. Die portugiesische Malerin starb am 8. Januar in ihrem Geburtsort Funchal auf Madeira. Sie wurde 91 Jahre alt. Portugals Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa würdigte sie als „eine der unverwechselbaren portugiesischen Künstlerinnen“. Castro war vor allem für ihre markanten Silhouetten-Portraits und Stillleben im Stil der Pop Art bekannt. Neben der Malerei auf Leinwand arbeitete sie auch mit Stickerei auf Stoffbahnen, Wandzeichnungen oder Ausschnitten aus Acryl. Um ihre Stillleben zu malen, stellte sie etwa eine Vase mit Blumen auf einen Tisch mit Papier, schaltete die Beleuchtung an und zeichnete den Schattenumriss mit Tusche nach. Ihr thematisches Interesse lag auf der Frage der Gegenwart und Abwesenheit einer Person oder eines Objekts. Dabei ging es ihr darum, was das Wesen eines Menschen oder eine Sache ausmacht.
1930 geborenen, verließ Maria de Lourdes Bettencourt de Castro nach ihrem Kunststudium in Lissabon 1957 das diktatorische Portugal und zog nach Paris. Zunächst arbeitete sie abstrakt und gründete in der französischen Hauptstadt ein Jahr später das experimentelle Kunstmagazin KWY, das sie bis 1963 gemeinsam mit dem Maler René Bertholo herausgab. KWY entwickelte sich zu einer Bewegung, der sich Christo, der Deutsche Jan Voss und portugiesische Emigranten wie António Costa Pinheiro oder José Escada anschlossen. Unter dem Einfluss der Nouveaux Réalistes wandte sich Castro Anfang der 1960er Jahre einer figurativen Kunst sowie Collagen und dem Siebdruck zu, um die vergängliche Realität einzufangen.
Eine ihrer ältesten Silhouetten-Arbeiten widmete sie 1964 mit „Sombra Projectada de Claudine Bury“ einer Freundin, die dunkel im Profil vor weißem Grund sitzt und sich eben eine Zigarette anzündet. Eine Erweiterung ihrer Malerei in den Raum schuf sie im selben Jahr mit René Bertholo: Für „Sombras projetadas“ zeichneten sie ihre Umrisslinien auf eine Wand, brachten davor einen realen Tisch mit Essensutensilien und einen Stuhl an und taten so, als ob sie gerade beim Frühstücken wären. Eine folgerichtige Ergänzung war dann seit den 1970er Jahren ihr Schattentheater, für das sie gemeinsam mit ihrem Partner Manuel Zimbro die Puppen entwickelte.
Lourdes Castro, inzwischen zur erfolgreichen Künstlerin in Europa und Südamerika avanciert, kehrte 1983 in ihre Heimat auf Madeira zurück. 1998 gestaltete sie gemeinsam mit Francisco Tropa den Beitrag Portugals für die Kunstbiennale in São Paulo. Zu ihrem 90. Geburtstag erhielt sie vom portugiesischen Kulturministerium die Medalha de Mérito Cultural, 2021 wurde sie zum Comendador da Ordem Militar de Sant’Iago da Espada ernannt. Lourdes Castros Arbeiten befinden sich unter anderem im Victoria and Albert Museum in London, im Moderna Museet in Stockholm, dem Ludwig Forum in Aachen, dem Nationalmuseum in Warschau, dem Centro de Arte Moderna und der Fundação Calouste Gulbenkian in Lissabon sowie der Fundação de Serralves in Porto. |