Dan Graham gestorben  |  | Dan Graham ist in New York gestorben | |
Dan Graham ist tot. Der US-amerikanische Bildhauer, Architekt und Theoretiker starb am vergangenen Samstag im Alter von 79 Jahren in New York. Er gilt als einflussreicher und experimentierfreudiger Konzeptkünstler, der auch mit Fotografie, Video und als Performer arbeite, fünf Mal an der Documenta in Kassel und zwei Mal bei den Skulptur Projekten Münster teilnahm. Sich selbst sah Graham eher als Autor, der Kunst nur als „passioniertes Hobby“ pflegte. International bekannt wurde er vor allem durch seine Glas- und Spiegelpavillons, die im öffentlichen Raum für Vexierspiele bei den Betrachtern sorgen. Seine Installationen aus Rahmen mit halbdurchsichtigen Spiegeln, Fensterglas und Mattscheiben von Fernseh-Monitoren prägen den Raum und können als transzendente Gedankengebäude betrachtet werden. Die Kunstkritiker verstörte US-Amerikaner, indem er respektlos Bertolt Brecht mit Jean-Luc Godard und Rock ’n’ Roll verschmolz und Ludwig Wittgenstein und Britney Spears in einem Atemzug nannte.
1942 in einem Akademikerhaushalt in Illinois geboren, beschritt Dan Graham den herkömmlichen Bildungsweg lediglich bis zu High School und lernte dann als Autodidakt, wobei sein Schwerpunkt auf Philosophie lag. Mit 22 Jahren gründete er in New York seine eigene Galerie. Von den dort ausstellenden Künstlern wie Carl Andre oder Sol LeWitt angeregt, schuf Graham ab 1965 Kunst, die starke Parallelen zum Minimalismus hatte. So entstanden seine ersten Installationen, Videos und Skulpturen. In Europa wurde er durch die Teilnahme an der Documenta 1972 und durch eine Einzelausstellung in Eindhoven 1977 bekannt. Seine transparenten Kabinette, die im öffentlichen Raum neue Seherfahrungen generieren sollten, brachten ihm Ruhm. So wurde Graham etwa von der Stadt Stuttgart zur „Gate of Hope“ beauftragt: Der teils offene, teils aus Spiegeln bestehende Tetraeder entstand 1993 für die Internationale Gartenbauausstellung und dient als Portal für den Leibfriedschen Garten. Neben zahlreichen solcher Pavillons in vielen Städten der Welt spielt auch das „Café Bravo“ im Innenhof der Berliner Kunst-Werke mit der Reflexion und der Bewegung des Betrachters. Seine letzte große Soloausstellung fand 2015 in Marseille statt. Dan Grahams äußerte sich mitunter auch als Kunstkritiker; seine zahlreiche Schriften wurden 2011 von Brian Wallis herausgegeben. |