Warhols Marilyn wohl bald teuerstes Kunstwerk des 20. Jahrhunderts Christie’s wird im Mai ein Marilyn Monroe-Portrait von Andy Warhol versteigern, das es in sich hat. Denn mit einem Schätzpreis von rund 200 Millionen US-Dollar strebt es einen Spitzenplatz in der Liste der teuersten Kunstwerke an und steht in direkter Folge hinter Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“, der seit November 2017 mit einem Zuschlag von 400 Millionen Dollar das teuerste Kunstwerk bei einer Versteigerung ist. Damit übertrumpft das Bildnis sogar Pablo Picassos „Les femmes d’Alger (Version 0)“; das Gemälde des Spaniers wurde 2015 bei Christie’s in New York für 160 Millionen Dollar versteigert. Das Bild von Marilyn wäre zudem ein neuer Künstlerrekord, da es Warhols 2013 bei Sotheby’s für 94 Millionen Dollar verkauften „Silver Car Crash (Double Disaster)“ in den Schatten stellen und damit zum teuersten Kunstwerk des 20. Jahrhunderts avancieren soll.
Alexander Rotter, verantwortlich bei Christie’s für das 20. und 21. Jahrhundert, war daher mit seinen Worten nicht zurückhaltend und pries das Werk als das bedeutendste Gemälde des 20. Jahrhunderts, das innerhalb einer Generation versteigert wird. „Andy Warhols Marilyn ist der absolute Höhepunkt des amerikanischen Pop und das Versprechen des amerikanischen Traums. Das Bild vereint Optimismus, Zerbrechlichkeit, Berühmtheit und Ikonografie und transzendiert das Genre des Portraits. Es steht auf derselben Höhe wie Botticellis ‚Geburt der Venus‘, da Vincis ‚Mona Lisa‘ und Picassos ‚Les Demoiselles d’Avignon‘. Warhols Marilyn ist zweifellos eines der größten Gemälde aller Zeit und dies eine einmalige Gelegenheit, dieses Meisterwerk bei einer Auktion vorzustellen.“
Der Erlös für Warhols „Shot Sage Blue Marilyn“ von 1964 wird zur Gänze an die Thomas und Doris Ammann Stiftung in Zürich gehen, die das Bild verkauft. Die gemeinnützige Schweizer Organisation der beiden Galeristen-Geschwister hat das Ziel, die Humanmedizin sowie die Bildung von Kindern weltweit zu verbessern. Die Versteigerung ist somit auch die höchst angesetzte Auktion für humanitäre Hilfe seit dem 2018 getätigten Verkauf der Sammlung von Peggy und David Rockefeller. Für die Erfüllung ihrer Zwecke darf die Ammann Stiftung, die im vergangenen Jahr nach dem Tod von Doris Ammann errichtet wurde, auch die ihr überlassenen Kunstwerke veräußern.
„Shot Sage Blue Marilyn“ gehört zu den zentralen Werken in Warhols Œuvre. Die ersten Bildnisse der Filmdiva schuf der Maler nach ihrem Tod im August 1962. Es folgten weitere Reproduktionen ihres Gesichts in leuchtenden Farben, wobei die Züge etwas verwackelt waren. 1964 entwickelte Warhol eine verbesserte und zeitintensive Drucktechnik, die entgegen seiner bisherigen Tendenz für Massenproduktion, nur eine limitierte Anzahl an Portraits von Marilyn erlaubte. Die Drucktechnik war so schwierig, dass Warhol nie wieder auf sei zurückgriff. Die Provenienz des Gemäldes verzeichnet die Namen mehrerer bekannter Galerien des 20. Jahrhunderts, wie Leon Kraushar, Leo Castelli oder Fred Mueller in New York, bevor es zu Thomas Ammann nach Zürich kam. Das Monroe-Portrait war international zu sehen, etwa im Guggenheim Museum in New York, dem Centre Pompidou in Paris, der Tate Modern in London oder der Neuen Nationalgalerie in Berlin.
Thomas und Doris Ammann waren Geschwister und gründeten 1977 die Galerie Thomas Ammann Fine Art in Zürich. Sie legten einen Fokus auf Impressionisten, die Klassische Moderne, die Kunst nach 1945 und die zeitgenössische Kunst. Thomas Ammann starb 1993, Doris führte die Galerie in Zürich erfolgreich weiter und zählte Künstler wie Cy Twombly und Brice Marden zu ihren Freunden. |