Goldene Löwen für schwarze Künstlerinnen  |  | Sonia Boyce hat den Goldenen Löwen für ihren Beitrag in britischen Pavillon erhalten | |
Die fünfköpfige Jury der Biennale von Venedig, bestehend aus den Kuratorinnen und Kuratoren Adrienne Edwards, Lorenzo Giusti, Julieta González, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Susanne Pfeffer, hat die Gewinner der Löwen bekanntgegeben. Die Auszeichnung für den besten Länderbeitrag geht an Großbritannien und die 1962 geborene afro-britische Künstlerin Sonia Boyce. Ihre Arbeit „Feeling Her Way“ besteht aus einer die sechs Räume des Pavillons einnehmenden Videoinstallation, die Sängerinnen beim Improvisieren und Musizieren zeigt und auf bunten kleinteiligen collagierten Wandbildern präsentiert wird. „Sonia Boyce schlägt eine andere Lesart der Geschichte mit Hilfe des Klangs vor. In der Zusammenarbeit mit anderen schwarzen Frauen entfaltet sie eine Fülle von verstummten Erzählungen. Dafür hat Boyce eine sehr zeitgemäße künstlerische Sprache aus fragmentierten Formen entwickelt, die der Betrachter zusammensetzen muss. Ihre Arbeit stellt wichtige Fragen über das Verhältnis einer Probe zur perfekten Ausführung sowie die Beziehungen unterschiedlicher Stimmen eines Chores.“
Auch zwei besondere Erwähnungen sprach die Jury für Länderpavillons aus. „Für den Blick auf die komplexe Geschichte des Kinos jenseits des Westens und die vielfältigen Geschichten des Widerstands in ihrer Arbeit“ lobte das Preisgremium den Beitrag aus Frankreich. Die 1963 geborene französisch-algerische Künstlerin Zineb Sedira hat das algerische Kino zum Thema ihrer Arbeit gemacht und untersucht darin die Verbindungslinien von politischen Umbrüchen und Feminismus. Zudem lobte die Jury den Beitrag Ugandas von Acaye Kerunen und Collin Sekajugo „in Anerkennung ihrer Vision, ihres Ehrgeizes und ihres Engagements für die Kunst ihrer Heimat“. In der Wahl ihrer skulpturalen Materialien, etwa Bast aus Baumrinden, stünden sie konkret für eine Nachhaltigkeit, die über die Stufe der Strategie oder Konzepts hinausgehe.
Als beste Künstlerin in dem vom Biennale-Leiterin Cecilia Alemani kuratierten zentralen Ausstellungsteil „The Milk of Dreams“ hat die Afroamerikanerin Simone Leigh, Jahrgang 1967, den Goldenen Löwen erhalten. Ihre monumentalen Statuen, häufig abstrakte überdimensionierte Frauengestalten, spiegeln die selbstbewusste Rolle der schwarzen Community wider und würden einen überzeugenden Einstieg zur Schau im Arsenale liefern. Von ihnen gingen die Stimulanz neuer Ideen und eine hohe Sensibilität aus. Über den Silbernen Löwen kann sich der 1976 geborene Libanese Ali Cherri freuen. Der vielversprechende Video- und Installationskünstler überzeugte durch seine „interdisziplinäre und vielschichtige Präsentation“. Die multimediale Arbeit „Of Men and Gods and Mud“ sei eine Meditation über Erde, Feuer und Wasser und führe aus einer konstruktiven Perspektive in eine mythische Dimension.
Auch die Schöpfungen der Inuk-Künstlerin Shuvinai Ashoona und der US-Amerikanerin Lynn Hershman Leeson stachen der Jury besonders ins Auge. Ashoonas Zeichnungen und Gemälde offenbarten eine Tiefe der indigenen Inuit-Kosmogonien: „Die Verletzungen des Kolonialismus anerkennend, schlägt Ashoona in ihrer Arbeit Möglichkeiten vor, der Sackgasse zu entkommen, indem sie dem indigenen Wissen zuhört, zurückhört und nach vorne lauscht.“ Hershman Leesons kybernetische Betrachtungen zögen sich durch die gesamte Ausstellung und würden den Einfluss der Technologie auf unseren Alltag beleuchten. Bereits im März waren Katharina Fritsch und Cecilia Vicuña für ihr Lebenswerk mit der prestigeträchtigen Auszeichnung geehrt worden. Der Beitrag der 66jährigen Deutschen zur Skulptur sei unvergleichlich, hieß es in der Begründung. Für die 1948 in Santiago de Chile geborene Vicuña sprächen das fragile und sensible Gleichgewicht ihre Objekte aus Materialresten. |