Tinguelys „Cyclop“ frisch restauriert Nach eineinhalb Jahren Restaurierungsphase ist „Le Cyclop“ von Jean Tinguely in der zentralfranzösischen Gemeinde Milly-la-Forêt wieder für Besucher geöffnet. 15 Künstler hatten Ende der 1960er Jahre mit dem Bau der monumentalen begehbaren Skulptur begonnen und konnten die Arbeiten erst 25 Jahre später abschließen. Den 22,5 Meter hohen Kopf aus 350 Tonnen recycelten Metalls zieren 62.000 spiegelnde Mosaiksteine. Diese lassen das Monster beinahe im Wald verschwinden. Gerade der Forst machte die umfangreichen Restaurierungsarbeiten unausweichlich, die das „Centre national des arts plastiques“ (Cnap) Anfang 2021 aufgenommen hatte. Tiere drangen in die Arbeit ein, und das verwendete Holz war hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt. Sowohl das Holz, als auch alle Spiegel, die ihre Farbe inzwischen verändert hatten und immer wieder herausfielen, sind nun ausgetauscht. Dafür arbeiteten die Restauratoren mit einer 3D-Vermessung des Kopfes und verlegten anschließend insgesamt 325 Quadratmeter Mosaiksteine.
Zentraler Bestandteil des einäugigen Monsters im Wald ist ein Eisenbahnwagon von 1930, der an die Deportationen von Menschen erinnern soll. Innerhalb des Wagons sind eigenständige Werke von verschiedenen Künstlern installiert. Hier versuchte das Cnap bessere raumklimatische Bedingungen zu schaffen. Eva Aeppli, die erste Frau von Jean Tinguely, steuerte 28 Puppen von sitzenden oder niedergeworfenen Frauen bei und thematisierte damit die Zwangsverschickungen. Bei ihrer Arbeit mussten einige Textilien restauriert werden. Yves Klein, ein enger Freund von Tinguely, installierte ein Wasserbecken am Kopf der Konstruktion. In ihm soll sich das Blau des Himmels widerspiegeln, was durch die herabfallenden Blätter zur ständigen Herausforderung wurde. Ebenso musste das Becken richtig entwässert werden. Niki de Saint Phalle, die zweite Ehefrau Tinguelys, war für das verspiegelte Gesicht des Zyklopen zuständig. Auch die anderen Kunstwerke nahmen die Restauratoren unter die Lupe, beispielweise die „Hommage an den Mai 68“ von Larry Rivers, ein Penetrable von Jesús Rafael Soto oder die Arbeit „Jauge“ von Jean-Pierre Raynaud. An „Le Cyclop“ waren unter anderem noch Bernhard Luginbühl, Rico Weber, Arman, César oder Daniel Spoerri beteiligt.
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