Kapitales Richter-Werk bei Sotheby’s Sotheby’s wird am 14. Oktober in London ein Schlüsselwerk Gerhard Richters versteigern. Sein Farbkartenbild „192 Farben“ malte der heute 90jährige Künstler 1966 in Düsseldorf und verabschiedete sich damit von seiner frühen fotorealistisch verschwommenen Malerei in die Ungegenständlichkeit. Inspiriert von industriell gefertigten Musterkarten aus Malereifachgeschäften, führte er auf dem Gemälde 192 Farbquadrate in einem strengen Raster zusammen. Es ist das erste und einzige in Öl ausgeführte Werk dieser ikonischen Serie, zu der weitere 18 Arbeiten in unterschiedlichen Größen, Farbkombinationen oder rein in Grautönen gehören. Dabei stand für Richter der Eigenwert der Farbe im Zentrum. Hier präsentiert er die Farbe als Farbe ohne symbolische Bedeutung, den Zufall machte er zum Prinzip für die Bildgenese.
Auch die Provenienz der „192 Farben“ ist herausragend. Seit 40 Jahren gehört es zur Sammlung von Elisabeth und Gerhard Sohst, die es von 1997 bis dato als Leihgabe der Hamburger Kunsthalle zur Verfügung stellten. Ab den 1970er Jahren widmete sich das in Hamburg ansässige Sammlerehepaar dem Aufbau einer der gelungensten Sammlungen zeitgenössischer Kunst. Das schlägt sin nun auch im Preis nieder: Die „192 Farben“ sollen 13 bis 18 Millionen Pfund erbringen.
Nur heute zeigt Sotheby’s Richters Meistwerk in Köln. Außerdem ist im Palais Oppenheim das Angebot der aktuellen, bis zum 7. September laufenden Online-Auktion „Modern & Contemporary Auction“ zu sehen. Auch hier stehen farbstarke Abstraktionen im Mittelpunkt, etwa Katharina Grosses Farbwellen für 100.000 bis 150.000 Euro, Bernard Frizes horizontal-vertikale Farbverflechtung „Romani“ für 50.000 bis 70.000 Euro oder Walter Stöhrers dynamische Komposition mit dem bedeutungsschwangeren Titel „Ich nahm den Dingen die Illusion, die sie erzeugen, um sich vor uns zu bewahren und ließ ihnen den Anteil, den sie uns zugestehen I“ für 24.000 bis 35.000 Euro. Auch gleichem Niveau bewegt sich Marcello Lo Giudices blau gesättigtes Quadrat „Eden Notturno“. Preislicher Höhepunkt sind die 260.000 bis 350.000 Euro für Albert Oehlens figurative Zeltformation „Draußen“, auf die er 1985 noch den Satz „Gewalttätige machen alles kaputt!“ anbrachte. |