Finalist*innen des Deutsche Börse Photography Foundation Prize  |  | Bieke Depoorter, Samuel Fosso, Arthur Jafa und Frida Orupabo sind für den Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2023 nominiert | |
Bieke Depoorter, Samuel Fosso, Arthur Jafa und Frida Orupabo können sich Aussichten auf den Preis der Deutsche Börse Photography Foundation im kommenden Jahr machen. „Die Nominierten reizen die Grenzen des fotografischen Mediums aus und bezeugen eindrucksvoll dessen Widerhall und Relevanz als kulturelle Kraft von heute“, heißt es in der Begründung für ihre Wahl. Die Bandbreite ihrer Projekte reiche vom Verwischen der Beziehung zwischen Fotograf*in und Motiv und dem Entschlüsseln einer Ethik des Fotografierens bis hin zur Erforschung von Geschlecht und Sexualität, Gewalt, Ungerechtigkeit und schwarzer Erfahrung. Am 11. Mai 2023 wird der Preisträger in London bekanntgegeben werden.
Installationen, Projektionen, Filme und Fotografien in der Ausstellung „A Chance Encounter“ machten die Jury auf Bieke Depoorter aufmerksam. Bei den Arbeiten der 1986 geborenen Belgierin verschmelzen die Grenzen zwischen Fotografiertem und Fotografierendem. Die beiden Zufallsbekanntschaften „Michael“ und „Agata“ regten Depoorter zu ihren fortlaufenden Arbeiten an. So thematisiert Depoorter eine Auseinandersetzung mit der Wahrheit oder Unwahrheit in der Darstellung sowie eine Obsession zum Objekt der Kamera.
Im Gegensatz dazu beschäftigt sich Samuel Fosso mit einem alten Thema der Kunst: dem Selbstportrait. Seine Retrospektive in der Maison Européenne de la Photographie, für die der 1962 in Kamerun geborene Fosso nominiert wurde, zeigte den Künstler besonders vielseitig, denn für seine Arbeiten eiferte er historischen Persönlichkeiten nach oder inszenierte sich in klassischen Archetypen zahlreicher Generationen. Gleichzeitig demonstrierte Fosso anschaulich die Rolle der Fotografie in der Konstruktion von Mythen.
Für emotional durchdringende, hochdynamische Filme und raumfüllende Installationen ist Arthur Jafa bekannt. Seit den 1980er Jahren sammelt er aus Büchern sowie Zeitschriften, aber auch aus YouTube seine Ideen. Jafa, Jahrgang 1960 aus Tupelo in Mississippi, montiert seine Anregungen in Alben und arrangiert dieses Bildmaterial in dynamischen Kunstprojekten immer wieder neu. So schafft er Kunst, die sich „die Kraft, die Schönheit und die Entfremdung schwarzer Musik“ zunutze macht.
Gedanken zu Rasse, Sexualität und Identität spürt Frida Orupabo in ihren Collagen und digitalen Arbeiten nach. Ihr Fundus, den die 1986 geborene farbige Norwegerin dabei verwendet, reicht von Fotografien aus der Kolonialzeit und ethnografischen Reliquien bis zu zeitgenössischem Bildmaterial. Heraus kommen anthropomorphe Gebilde, die aus einzelnen Schichten entstehen. Mittels Komplexität und Ambivalenz hinterfragt sie, wie Fotografie koloniale Machtverhältnisse und Gewalt mitunter stützte oder gar förderte. |