Zwischen Original und Arbeitsmaterial: Arps Gipse in Bremen Das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen durchleuchtet aktuell die Atelierpraxis Hans Arps und präsentiert dazu mehr als 300 seiner Gipsplastiken. Für den Mitbegründer des Dadaismus und Surrealismus stand der Gips im Fokus seines bildhauerischen Schaffens, da ihm das flexible und formbare Material eine prozesshafte Formenfindung erlaubte. Die vorhandenen unterschiedlichen Gipsformen in seinem Nachlass entstanden, indem Arp fertige Formen abgießen ließ und diese durch Hinzufügen oder Entfernen von Material, Zersägen oder neue Verbindungen überarbeitete. Das finale Kunstwerk ließ er anschließend wieder in Gips gießen. In seinem Spätwerk übertrug der deutsch-französische Künstler immer mehr Handgriffe auf die Mitarbeiter seines Ateliers, das sich schließlich zu einem eigenständigen Produktionsunternehmen entwickelte. Die Schau „Die Firma Arp“ untersucht die Gipsmodelle in ihrer ambivalenten Rolle zwischen künstlerischen Originalen und für die Reproduktion genutztem Arbeitsmaterial und stellt die Frage: „Wie viel Arp steckt in den Gipsen?“ Die Schau entstand in Kooperation mit der Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e.V. in Berlin, die alle Leihgaben stellt.
Hans Arp trug mit seiner vielfältigen und biomorphen Formensprache maßgeblich zur Entwicklung der abstrakten Kunst bei und begeisterte ein breites Publikum für moderne Kunst. Seine Werke rufen aus unterschiedlichen Blickwinkeln jeweils andere Assoziationen hervor: So lässt der Gips „Frucht unterwegs“ von 1965 auf Grund seines Titels einerseits an den Bauch einer hochschwangeren Frau denken, andererseits könnte man in der Form ebenfalls den Kopf eines Nilpferds erkennen. Blickt man auf den Torso von 1957 könnte dieser entweder eine nackte Frau von vorne darstellen oder eine eingedrehte Figur von hinten. Diese hat an der Stelle, an der die Frauenschulter war, ihren Kopf und anstelle der Brust ein stark hervortretendes Schulterblatt.
Die Gipse und ihre Vervielfältigungen konnten jedoch auch als reines handwerkliches Zwischenprodukt auf dem Weg zum Bronzeguss oder der Ausführung einer Skulptur in Stein dienen. Das Gerhard-Marcks-Museum begibt sich auf die Suche nach der „Biografie“ der einzelnen Gipsmodelle, der Funktion des Materials in Arps Arbeitsprozess oder in den Arbeitsabläufen der Gießereien und Steinmetzbetriebe zu Lebzeiten des Künstlers und posthum. Im Gerhard-Marcks-Haus wird zum und letzten Mal das vollständige Konvolut der Gipsmodelle gezeigt, bevor die Arp-Stiftung den Bestand im nächsten Jahr als Schenkung auf Museen weltweit verteilt.
Die Ausstellung „Die Firma Arp. Formenkosmos und Atelierpraxis“ läuft vom 6. November bis zum 29. Januar. Das Gerhard-Marcks-Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr sowie donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Zur Schau erscheint eine Publikation.
Gerhard-Marcks-Haus
Am Wall 208
D-28195 Bremen
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