Neuerwerbungen der Potsdamer Plattner-Sammlung  |  | Henri Edmond Cross’ „Rio San Trovaso, Venedig“ von 1903/04 ist bereits im Museum Barberini zu sehen | |
Im November war Hasso Plattner wieder einmal auf Einkaufstour in New York und hat bei Christie’s und Sotheby’s vier Gemälde des französischen Impressionismus und Postimpressionismus erworben, die nun in den Bestand seines Museums Barberini integriert werden. Neben alten Hasen wie Gustave Caillebotte und Henri Edmond Cross halten nun auch die bisher nicht vertretenen Maler Pierre Bonnard und Maximilien Luce in Potsdam Einzug. Auf der legendären Christie’s-Auktion mit der Sammlung des Mircosoft-Mitgründers Paul Allen kaufte die Hasso Plattner Foundation Cross’ pastos ausgeführtes Spätwerk „Rio San Trovaso, Venedig“ für den Auktionsrekord von 8 Millionen US-Dollar ein. Entstanden 1903/04 bei einem Aufenthalt des Künstlers in der Serenissima, ist der stille Kanal in leuchtenden Farbentupfern seit gestern im Ausstellungskapitel „Küsten Europas“ zu sehen. 1912 bereits auf der wegweisenden Ausstellung des Kölner Sonderbundes gezeigt, ergänzt das Gemälde in Potsdam drei weitere pointillistische Arbeiten Henri Edmond Cross’ sowie Ansichten der Lagunenstadt von Claude Monet.
Für die anderen drei Gemälde langte Hasso Plattner dann wenige Tage später am 14. November bei Sotheby’s zu und spendierte für Gustave Caillebottes „Wilden Garten bei Le Petit Gennevilliers“ 1,8 Millionen Dollar. Der Impressionist ließ sich dabei von der Umgebung seines Landhauses bei dem gleichnamigen, nahe Paris gelegenen Seine-Dorf inspirieren und bannte die sommerliche Wiese, in deren Hintergrund sich ein kleines Häuschen hinter einem Baumgürtel versteckt, mit freiem Pinsel und einem Farbdreiklang aus Gelb, Rot und Grün auf die Leinwand. Das Werk entstand zwischen 1882 und 1884 zu Beginn von Caillebottes Beschäftigung mit der Landschaft und wird, aus Privatbesitz stammend, im Museum Barberini erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Dem Motiv des städtischen Treibens widmete sich dagegen Maximilien Luce um 1900 mit der Paris-Vedute „Seine bei der Pont Saint-Michel“, deren strenge Perspektive durch die pointillistische Malweise und die zahlreichen Staffagefiguren aufgelockert wird. Das Gemälde, das mit einem Zuschlag von 3,6 Millionen Dollar nahe an Luces Rekordpreis von 3,7 Millionen Dollar heranreicht, wird zukünftig gemeinsam weiteren Paris-Ansichten von Caillebotte und Camille Pissarro gezeigt, an die Luce mit seinem Sujet anknüpft.
Pierre Bonnards „Nature morte“ aus dem Jahr 1939 rundet das Konvolut ab. Das Arrangement einer Schale mit Äpfeln und Zitrusfrüchten auf einem weiß gedeckten Tisch, in dessen Hintergrund einige Stühle angeschnitten sind, irritiert zunächst durch seinen eng gewählten Bildausschnitt und die gedrungene Perspektive. Bonnard, der sich passenderweise selbst als „der Letzte der Impressionisten“ bezeichnete, verband hier Anleihen aus Monets Kunst mit der intensiven Farbigkeit Paul Cézannes und den organischen Mustern Henri Matisses. Das 3,8 Millionen Dollar teure Gemälde war bereits von 1990 bis zu diesem Jahr als Dauerleihgabe der William S. Paley Foundation im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen.
Mit vier weiteren Werken von Claude Monet, die die Hasso Plattner Foundation dieses Jahr bereits erworben hat, sollen die übrigen drei Zugänge im Zuge einer größeren Neupräsentation der Sammlung ab März 2023 nach und nach in die Hängung eingegliedert werden. Kurator Daniel Zamani betonte dabei die Dynamik und Aktivität der Sammlung Hasso Plattner, die anhand von nun insgesamt 111 Exponaten die Entwicklung der impressionistischen Landschaftsmalerei auf einmalige Weise widerspiegle. |