Van Ham verwertet Nachlass Matschinsky-Denninghoff  |  | Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff in ihrem Berliner Atelier, 1985 | |
Die Berlinische Galerie hat Van Ham Art Estate damit beauftragt, Teile des Nachlasses von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff zu vermarkten. Damit übernimmt das Kölner Auktionshaus den Verkauf von Kunstwerken aus der Stiftung Matschinsky-Denninghoff, die im Januar 2021 durch das Land Berlin unter dem Dach der Berlinischen Galerie gegründet wurde, um das umfangreiche Vermächtnis des Berliner Bildhauerpaars zu betreuen und wissenschaftlich zu bearbeiten. Der Nachlass umfasst rund 240 Skulpturen, tausende Arbeiten auf Papier von beiden Kunstschaffenden, mehr als 200 Gemälde von Martin Matschinsky, eine kleine Sammlung mit Werken anderer Künstlerinnen und Künstler, Archivalien sowie Immobilien in Berlin und Schönfeld. Es war der Wunsch des Ehepaars, mit ihrer Stiftung Kunst und zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler zu fördern. Den Verkauf von Werken aus dem Nachlass für diesen Zweck befürworteten beide ausdrücklich. Van Ham Art Estate will als ersten Schritt die Künstler-Webseite erstellen, die als offizielle Präsenz des Duos im Internet fungieren soll.
Brigitte Meier-Denninghoff (1923-2011) und Martin Matschinsky (1921-2020) datierten den Beginn ihrer Zusammenarbeit auf ihr Hochzeitsjahr 1955. Die Künstlerin verfügte damals bereits über ein eigenständiges künstlerisches Werk; auch ihre bis 1970 entstandenen Arbeiten firmierten noch unter dem Namen Brigitte Meier-Denninghoff. 1970 entschieden sie sich, ihre Werke mit dem gemeinsamen Namen „Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff“ zu signieren. Martin Matschinsky hatte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in München eine Schauspielausbildung absolviert und ließ sich dann von Brigitte Meier-Denninghoff für die bildende Kunst begeistern. Die Bildhauerin hatte 1948 nach ihrem Studium in Berlin und München Henry Moore bei seiner Arbeit assistiert; dieses Schlüsselerlebnis sollte prägend für die Kunstauffassung des Paares werden.
Zu Beginn ihres gemeinsamen Tuns verwendete das Paar meist Messingstäbe und Zinn. Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff fügten diese zu konstruktiven, strahlenförmigen oder tuchartig gefalteten und dennoch naturhaft wirkenden Gebilden zusammen. Variantenreich loteten sie das Wechselspiel zwischen Licht und Schatten, Hülle und Raum aus. Später bevorzugten sie vorgefertigte Drahtstäbe, Bleche und Rohre aus Chromnickelstahl und montierten sie durch Löten oder Schweißen zu den charakteristischen organisch wirkenden Rohrkörpern. Damit schufen sie einen eigenständigen Beitrag zur Nachkriegskunst in Deutschland und erlangten internationale Anerkennung. 1959 und 1964 nahmen Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff an der Documenta in Kassel, 1962 an der Biennale in Venedig teil, 1967 wurden sie zur EXPO in Montreal eingeladen und dann mit zahlreichen Ausstellungen gewürdigt, etwa im Essener Museum Folkwang, in der Nationalgalerie Berlin oder im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Ihre monumentalen Edelstahlskulpturen prägen in vielen Städten den öffentlichen Raum, so in Heidelberg, Saarbrücken, Hannover, Regensburg, Kiel und mehrmals in ihrer Heimatstadt Berlin. |