Félicien Rops in Hamburg  |  | Félicien Rops, Die Absinthtrinkerin, 1870 | |
Die Hamburger Kunsthalle widmet sich mit „Paris ist meine Bibliothek“ aktuell dem belgischen Symbolisten Félicien Rops. Mit 103 bisher noch nicht präsentierten Zeichnungen und Grafiken aus dem Museumsbestand des bereits zu Lebzeiten anerkannten und von Skandalen umgegebenen Künstlers wird die gesamte Bandbreite von Themen gezeigt, die Rops während seines langjährigen Schaffens begleiteten: die berüchtigten erotischen Darstellungen, aber auch Gesellschaftskritik, politische und gesellschaftlichen Satire, die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen sowie seine Illustrationen für symbolistische Literatur. Zur Ausstellung erscheint erstmals eine Publikation mit Beiträgen der Kuratoren Andreas Stolzenburg und Juliane Au, die die Bestände der Rops-Sammlung wissenschaftlich aufgearbeitet haben. Die Kunsthalle ist schon seit 1907 im Besitz von über 250 Werken Félicien Rops’. Diese wurden von Alfred Lichtwark, dem Gründungsdirektor der Kunsthalle, erworben.
Zu den Exponaten gehört unter anderem die schwarze Kreidezeichnung „Die Absinthtrinkerin“ von 1870. Der Titel erscheint etwas rätselhaft, da die herausgeputzte Dame keinen Absinth trinkt. Sie ist von den Betrachter*innen abgewendet und von etwas gefesselt, dass sich deren Blicken entzieht. Die zarte Spitzenmaske trägt zur mysteriösen Aura der Fremden bei. Die Fragen „Wer ist diese Frau und was tut sie?“ werden nicht ohne weiteres beantwortet, jedoch finden sich kleine Hinweise in der Art der Darstellung. Die scheinbare Leichtigkeit, mit der Rops die unterschiedlichen Stoffe und das Make up eingefangen hat, zeugt von der genauen Auseinandersetzung mit dem Subjekt und deutet daraufhin, dass es sich hier um mehr als einen flüchtigen Augenblick handelt, womöglich um einen Maskenball.
„Die Opferfeier“ von 1881/82 gehört zu der Serie „Les Sataniques“ von fünf Heliogravüren. Sie waren ursprünglich für „L’Album du Diable“ geplant, bei dem Text und Illustrationen zu einem Gesamtkunstwerk verbunden werden sollten, allerdings kam dieses Projekt nicht zum Abschluss. Rops schuf mit dieser Grafik eine unheimliche Szene, in der vertraute Elemente wie ein Altar, Heiligenschein oder fliegende Amoretten in ihr absolutes Gegenteil verwandelt werden. Anstelle eines Speis- oder Trankopfers wird eine Frau auf dem Altar dargebracht, auf der ein Wesen mit humanoiden Körper achtlos zu tanzen scheint. Der Stierschädel und der Halbmond verstärken den Gruselfaktor, den Rops mit den fliegenden Kinderskeletten noch steigert. Hier gibt es weder Trost noch Hoffnung, da das satanisch Böse die Überhand gewonnen hat. Serien wie diese trugen zur Berühmtheit von Rops bei, der dafür bekannt war, sich auch Tabuthemen zu stellen und diese ungeschönt in seinen Kunstwerken zum Ausdruck zu bringen.
Félicien Rops (1833-1898) studierte von 1851 bis 1853 an der Universität in Brüssel und veröffentlichte währenddessen schon bissige Karikaturen für Zeitungen und Zeitschriften. Während seiner häufigen Paris-Aufenthalte ab 1862 eignete er sich diverse Radiertechniken an und war bald ein gefragter Illustrator. Freunde und Künstlerkollegen, zu denen auch Charles Baudelaire gehörte, schätzten ihn als ausgezeichneten Briefeschreiber. 1889 wurde Rops mit dem Orden der französischen Ehrenlegion gewürdigt, kurz darauf jedoch mehrere Bücher mit seinen Illustrationen wegen Unmoral beschlagnahmt.
Die Ausstellung „Paris ist meine Bibliothek. Zeichnungen und Druckgraphik von Félicien Rops“ kann bis zum 7. Mai von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr und am Donnerstag bis 21 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt kostet 16 Euro, ermäßigt 8 Euro. Der Ausstellungskatalog im Umfang von 216 Seiten ist im Michael Imhoff Verlag für den Museumspreis von 36 Euro erschienen.
Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall
D-20095 Hamburg
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