Purrmann-Preise vergeben  |  | Großer Hans-Purrmann-Preis der Stadt Speyer für Yalda Afsah | |
Am Wochenende hat Yalda Afsah den Großen Hans-Purrmann-Preis der Stadt Speyer erhalten. Die 1983 in Berlin geborene Deutsch-Iranerin konnte sich mit ihrem Film über Taubenflugkunst gegen sieben weitere Finalisten durchsetzen und darf sich nun über ein Preisgeld von 20.000 Euro freuen. Die Juroren überzeugte die „extrem ästhetische, jedoch scheinbar widernatürliche Bewegungen“ der Tauben. Trotz des Trainings durch Menschen bewegen sich die Tauben dennoch frei in ihrem Flugverhalten. Die Künstlerin, die seit ihrem Studium an der Burg Giebichenstein in Halle und der Universität der Künste Berlin bereits an mehreren internationalen Ausstellungen und Festival teilgenommen, beschäftigte sich in den letzten Jahren intensiv mit der Interaktion von Menschen und Tieren. Dabei interessiert Afsah vor allem die Frage, wie viel Kontrolle der Mensch mittels Dressur über Tiere ausübt und wie viel natürliches Verhalten übrigbleibt. Afsahs Filme, die häufig aus Werkserien bestehen, oszillieren zwischen Dokumentation und Inszenierung.
Zudem hat die 1990 ebenfalls in Berlin geborene Catherine Sanke den mit 6.000 Euro dotierten Förderpreis der Stadt Speyer gewonnen. Die Zeichnerin und Keramikerin nahm für ihre Installation „In Nacht und Eis“ von 2020 die Tagebücher Fridtjof Nansens während seiner Nordpol-Expedition von 1893-1896 als Ausgangspunkt. Dabei übersetzt Sanke bestimmte Erfahrungen wie die „Monochromie der Eiswüste“ in Keramikplatten, die sie in Zettelkästen präsentiert. Solche Zettelkästen wurden vor der Digitalisierung von Bibliotheken und Archiven zur Navigation der Bestände benutzt. Dieses künstlerische Archiv des Eises versteht die Jury als ein „Archiv der Stille“. Sanke schloss zunächst eine Ausbildung zur Holzbildhauerin ab und studierte von 2013 bis 2020 an der Burg Giebichenstein in Halle Bildhauerei in der Fachklasse Keramik. Sanke erhielt zahlreiche Stipendien und nahm an Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland teil. 2020 gewann sie den Perron-Kunstpreis in der Sparte Porzellan.
Seit 2012 wird der Hans-Purrmann-Preis von der Stadt Speyer und der Hans Purrmann Stiftung ausgelobt. Gleichzeitig wird jedes zweite Jahr der schon 1965 etablierte Förderpreis „Hans-Purrmann-Preis der Stadt Speyer für Bildende Kunst“ verliehen. Beide Auszeichnungen bestehen neben dem Preisgeld auch auf seiner Katalogpublikation. Für den Großen Hans-Purrmann-Preis wurden insgesamt 42 Künstler*innen von 50 international anerkannten Kurator*innen, Kritiker*innen und Künstler*innen vorgeschlagen. Die Jury bestand vorwiegend aus deutschen Künstler*innen, die auch als Dozenten unterrichten und für den diesjährigen Preis die Arbeiten bewertet haben. Für den Förderpreis konnten sich Künstler*innen unter 35 Jahren bewerben, die wie Purrmann in ihren Arbeiten sowohl einen Blick für europäischen Themen als auch einen Bezug zu Städten und ländlichen Räumen haben.
Die Arbeiten der insgesamt 16 Finalist*innen, neben den Preisträgerinnen auch Florence Jung, Leon Kahane, John Skoog, Nora Turato, Anna Virnich, Julius von Bismarck und Jonas Weichsel sowie Tornike Abuladze, Tobias Becker, Maximilian Bernhard, Maria Braune, Hannah Gahlert, Valentina Jaffé und Manuel Wagner, sind derzeit in einer Ausstellung zu sehen. Die Schau läuft bis zum 12. März im Kulturhof Flachsgasse und hat donnerstags bis sonntags von 11 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.
Kulturhof Flachsgasse
Flachsgasse 3
D- 67346 Speyer
Telefonnummer: + 49 (0)6232 – 142 399 |